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Gretchko

Info

OT: 
Controrapina
AT:

Diamond Thieves (D)
Der Diamantencoup (D)
The Squeeze (Int.)
The Rip-Off (Int.)

Jahr: I/D/USA 1978
R: Antonio Margheriti ("Anthony M. Dawson")
B: Paul Costello, Marc Prinzi, Giovanni Simonelli ("Simon O'Neill")
K: Sergio D'Offizi
M: Paolo Vasile
D: Lee van Cleef, Eddie Albert jr., Lionel Stander, Peter Carsten, Karen Black

Quelle: youtube

 

Inhalt

Der Nachwuchskriminelle Jeff Olafson (Eddie Albert jr.) hat beim deutschstämmigen Gangsterboss Van Stratten (Peter Carsten) eine satte Latte Schulden stehen, die er nicht zurückzahlen kann. In seiner Not stöbert er einen alten Freund seines Vaters in Mexiko auf: Chris Gretchko (Lee van Cleef), ehemaliger Spezialist für Geldschränke jeglicher Art, hat sich nach einem längeren Knastaufenthalt als Rancher ehrlich gemacht. Gretchko soll nun Jeffs Kopf aus der Schlinge ziehen, indem er für Van Stratten in einem New Yorker Lagerhaus einen Tresor mit Diamanten knackt. Die Schränkerlegende willigt ein, doch schon beim ersten Gespräch mit dem Auftraggeber dünkt ihm, dass die Sache nicht koscher ist. Zusammen mit Jeff trifft Gretchko Vorbereitungen, den Coup auf eigene Rechnung durchzuziehen. Sie mieten eine konspirative Wohnung als Zuflucht an und beauftragen den Hehler Sam (Lionel Stander), einen potentiellen Abnehmer für die Steine zu finden. Während des Bruchs zeigt sich dann auch die Notwendigkeit der Sicherheitsvorkehrungen. Kaum ist der Tresor offen, versucht Van Strattens Scherge Heinz (Rudolf Waldemar Brem), Gretchko in die ewigen Jagdgründe zu schicken. Der ist beim Shootout aber wesentlich zielsicherer und kann sich am Bein verwundet mit den Klunkern in seine Bude absetzen. Während Jeff zwecks Alibi für ein paar Tage im Knast sitzt und Sam nicht zu erreichen ist, wird die Lage für den angeschossenen Gretchko prekär. Seine Wunde muss dringend versorgt werden, zudem rücken ihm die Cops, Van Stratten und die Handlanger des zwielichtigen Lagerhausbesitzers immer näher auf die Pelle...

Zitate

Jeff: "'Ne Woche Arbeit und Geld für 20 Jahre."

Van Stratten: "Aber nicht vergessen: Meine Bluthunde hier haben euch immer im Auge. Ihn und dich, Kleiner."

Sam: "Das sind Typen aus der Lower East Side. Die mag ich nicht. Die stinken."

Die Kritik des Sargnagels:

Die Rezepte für einen ordentlichen Heist-Movie sind schnell erzählt: Ein Haufen krimineller Spezialisten bosselt einen hochkomplexen, aber todsicheren Diebstahl/Raub aus, bereitet sich minutiös auf den Coup vor, übersteht dabei um Haaresbreite einige Stolperfallen und zieht das Ding dann eiskalt durch. Ein Twist zum Schluss sorgt dann für die abrundende Würze. Seit "Rififi" ein Standard-Thema; egal ob im Western-Gewande wie in "Die fünf Gefürchteten" oder als geniale Pferdewetten-Abzocke wie in "Der Clou" - die Sache ist eigentlich todsicher, wenn man sich nur an die Vorgaben hält. Was nun Antonio Margheriti geritten hat, gegen fast alle "Heist-Gesetze" zu verstoßen, darüber lässt sich nur spekulieren. Höchstwahrscheinlich war es wie üblich das knappe Budget, diesmal spendiert von einer ominösen "Dritte Centama GmbH", die ansonsten nie wieder in Erscheinung trat.
Der ganze Rip wird schon im ersten Drittel äußerst billig abgehandelt. Da ist nix mit aufwendiger Vorbereitung oder einem sorgfältig ausgewählten Spezialistenteam. Kein Edeljuwelier oder eine Hochsicherheitsvilla stellt ein schier unüberwindbares Hindernis dar. Eingebrochen wird über ein vorbereitetes Mauerloch in ein popliges Lagerhaus und der Tresi öffnet sich von Zauberhand, wenn man ein bissle an der richtigen Stelle bohrt. Da stehen die doch wirklich vor dem Mauerloch und fragen sich, ob jemand eine Taschenlampe dabei hat, oh Mann. Leider wirkt rein gar nichts wertig an der Nummer, selbst die Szenen im Big Apple sehen nach Hinterhof-Dreh ohne Genehmigung aus. Völlig albern ist die Explosion auf den Bahngleisen. Eine Kallesche rammelt gegen einen Transportwaggon und es folgt eine apokalyptische Explosion mit Footage-Material aus der Doku-Grabbelkiste. Gekurbelt wurde übrigens auch in Hamburg, dort allerdings nur indoor. Merken tut man's trotzdem, dafür ist Van Strattens Bungalow einfach zu teutonisch eingerichtet. ;-)

Der Rest der Story wird dann zu einer zähen Angelegenheit, allzu vorhersehbar ist das Geschehen. Umso mehr nervts, wenn sich dabei dann eine Länge nach der Anderen aneinander reiht. Die immer gleichen Sets sorgen da kaum für Abwechslung. Und gibt's mal eine Szene außerhalb der üblichen vier Wände, wird sie vergurkt, wie z.B. der elendslange Lippenstift-Kauf im Drug Store ("Ich hätte gern ein helles Pink... der ist ja orange!"). Minutenschinderei. Wenn dann der viel zu ausgedehnte und zu offensichtlich vorbereitete Schlusstwist abgehandelt ist, stellt sich beim Glotzer endlich Erleichterung ein.
Genauso unrund wie die Handlung ist auch die Besetzung. Neben den US-Altstars im dümpelnden Karriereabend (van Cleef, Stander) und der deutschen Fraktion (Carsten, van Husen, Brem) wirken Eddie Albert jr. und Karen Black wie im falschen Film. Der junge Eddie ist der Einzige, der augenscheinlich seine Arbeit ernst genommen hat und spielt motiviert, aber vergeblich gegen den Skript-Mumpitz an. Mit dem Drum-Solo im Schaufenster eines Instrumentenladens hat der multitalentierte Albert jr. auch eindeutig die beste Szene des Films. Van Cleef und Stander spulen gelangweilt ihre Parts ab, richtig gefordert waren sie auch nicht. Van Husen und Brem (eine Fassbinder-Stammkraft) als "Hans" und "Heinz" (*lach) sind aufgrund des Skripts zur völligen Inaktivität verurteilt, statt "Bluthunde" sind sie eher Grasdackel. Mehr als Charakterfresse zeigen ist nicht drin.
Auch technisch wird dünn gepfiffen. Was Sergio D'Offizi an der Kamera abliefert, ist zuweilen biederes TV-Niveau. Nichts zu spüren von den Qualitäten, die er z.B. in den groovigen Italowestern "Das Gold von Sam Cooper" und "Heute ich... morgen du!" gezeigt hat. Paolo Vasiles Score ist 'ne ganz müde Nummer. Billig-Synthies plus schmalzige Disco-Streicher ergeben ein sämiges Soundsößchen. Wie geschaffen für einen Landausflug beim "Love Boat", aber sicher nicht für einen Millionenbruch.
OK, Antonio Margheriti aka Anthony M. Dawson ritt schon seit jeher auf den niedrigsten Budgets, schaffte es aber immer mal wieder, den Werken einen gewissen Charme zu verpassen. Der geht dem "Gretchko" aber völlig ab, nicht einmal unfreiwillig komisch is dat Dingens. Übrig bleibt ein lahmarschiger Heuler.

Rating: $$- (und da ist der Halbe für's Drum-Solo mit drin...)

 

 

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