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Guard - Ein Ire sieht schwarz, The

Info

OT: 
The Guard

Jahr: IRL 2011
R: John Michael McDonagh
B: John Michael McDonagh
K: Larry Smith
M: Calexico
D: Brendan Gleeson, Don Cheadle, Mark Strong, Liam Cunningham, Fionnula Flanagan

Quelle: DVD (Ascot Elite). Dank fürs Rezi-Exemplar!

 

Inhalt

Sergeant Gerry Boyle (Brendan Gleeson), seines Zeichens Vertreter des Gesetzes in einem westirischen Küstennest und behaupteter Olympia-Vierter im Freistilschwimmen 1988 in Seoul, schiebt ruhige Kugeln. Ab und an mal ein paar verunfallte Jugis auf Alk oder Extasy vom Asphalt zu kratzen, zählt schon zu den aufregenderen Aspekten seines Jobs.
Doch ein unbekannter Toter im Bezirk kündet von unschönen Neuigkeiten. Zuerst wird Boyle ein smarter Kollege (Rory Keenan) aus Dublin zur Seite gestellt, und dann bittet auch noch die amerikanische Drogenbehörde in Gestalt des schwarzen FBI-Manns Wendell Everett (Don Cheadle) um Amtshilfe. Everett sucht eine verschollene Yacht, die sich aus der Dominikanischen Republik mit Koks im Wert von 500 Millionen US-Dollars verpisst hat und nun in Irland erwartet wird.
Boyle, der den Agenten während seiner Fall-Präsentation mit rassistischen Äußerungen fast zum Wahnsinn treibt, entgeht der Suspendierung nur, weil er „seinen“ unbekannten Toten als einen der britischen Mittelsmänner des Drogenkartells identifizieren kann. Während Everett nun vor allem auf die „Hilfe“ der allesamt vom Syndikat bestochenen, piefigen Hauptstadt-Cops baut und ansonsten mit der irischen Mentalität zu kämpfen hat, versucht Boyle, mit seinen oft eher rustikalen Mitteln, Licht in die Sache zu bringen. Und wenn sonst nix mehr geht, dann tut’s auf jeden Fall noch die illegal beiseite geschaffte AK 47 – besser bekannt als Kalaschnikow – um diversen Schurken heimzuleuchten.

Zitate

Boyle: „Was für ein verfickt schöner Tag.“

Boyle: „Billy de Vaney? Der tötet doch keine Fliege.“ – Sheehey (Liam Cunningham): „Es war ja auch keine Fliege, oder? Er hat einem Mann ’ne Kugel in den Kopf gejagt.“ – „Klingt einleuchtend.“

Boyle: „Du spielst jetzt erstmal kein Tennis mehr, Billy.“ – Billy (Owen Sharpe): „Ich spiele Squash.“ – „Da wo du hingehst, gibt’s auch keine Squash-Courts, Ted Bundy des Westens.“

Billy: Ich wusste nicht, dass es strafbar ist, ein Lama zu ficken, Sergeant. Sie etwa?“ – Boyle: „Das kann man sich doch denken, Billy.“

Und noch 'n paar Boyles:

„Ich dachte, nur Schwarze wären Drogendealer … oder Mexikaner.“

„Ich bin Ire. Rassismus ist Teil meiner Kultur.“

„Ich möcht’ auch irgendwann eine Familie haben. Bin nur zu beschäftigt, um besoffen in der Gegend rumzuvögeln.“

Clive (Mark Strong): „Er braucht verflucht lange.“ – Sheeney: „Ich dachte, er hätte seine Vorliebe für Folter inzwischen überwunden.“ – „Na ja, das ist nicht irgend so ein Hobby. Das ist mehr ein psychologisches Problem.“

Everett: „Gibt es jemanden, den ich anrufen soll?“ – Boyle: „Ich habe niemanden. Hängen Sie mir einfach ’ne Medaille um meine Leiche, wie Sie es mit Ihren toten Irak-Kämpfern machen.“ – „Lecken Sie mich, Sergeant.“

Die Kritik des Gunslingers:

Brendan Gleeson bringt die Zusammenarbeit mit den McDonagh-Brüdern irgendwie Glück. Schon Martins Streifen „Brügge sehen … und sterben?“ brachte dem Iren eine Golden-Globe-Nominierung ein. Nun legte Bruder John Michael nach, und wieder war Gleeson für den Golden Globe nominiert.
Diesmal allerdings liefert Gleeson einen fulminanten Alleingang ab, in dem seine Mitspieler maximal Stichwortgeber sind. Sergeant Boyle ist ein ruppiger, aber aufrechter Provokateur mit Menschenkenntnis. Unter seiner sprichwörtlich rauen Schale schlägt aber nicht nur ein ebenso sprichwörtliches Herz aus Gold, sondern versteckt sich auch ein Bücherliebhaber mit überraschender Allgemeinbildung, der mit seiner Mutter schon mal über russische Autoren des 19. Jahrhunderts diskutiert.
Boyle liebt es, den etwas schnöseligen Ami Everett hochzunehmen, der keine Ahnung hat, wo er sich befindet und so mit seinem durchaus höflichen Verhalten immer wieder aneckt, was seinen Ermittlungen nicht gerade zuträglich ist. Dabei ist der beileibe kein Arschloch, sondern einfach nur hilflos angesichts des schlitzohrigen Boyles, der schnell weiß, welche Saite er spielen muss, um maximale, aber dabei sehr distinguiert ablaufende Wutanfälle bei seinem Gegenüber auszulösen, und dessen Landsleuten, die ihn gnadenlos auflaufen lassen.
Anders als es die Cover-Notes suggerieren, handelt es sich nicht um eine Buddy-Geschichte, denn den größten Teil des Films arbeiten die Beiden gar nicht gemeinsam an dem Fall, und erst den amtlichen Showdown bestreitet man uneingeschränkt gemeinsam, als aus den gegenseitigen Kabbeleien Respekt und so was wie Zuneigung gewachsen ist.
Wie gesagt: Das Buch bietet Brendan Gleeson eine tolle Plattform für ein Solo. Was der für Sprüche raushaut … Aber dennoch haben auch die Mitspieler Raum für kleine schwarzhumorige Kabinettsstückchen. Hier tun sich insbesondere die drei Gangster hervor, die über Philosophie schwadronieren und teilweise existenziell angenervt sind von ihrem Tun, glücklicherweise ohne daraus allerdings entsprechende Handlungsweisen abzuleiten.
Den Score steuerten die US-Wüstenrocker Calexico bei, die mir mit ihren Gitarren und Trompeten zusätzlich mehr als einmal das Gefühl gaben, einem Western beizuwohnen. Thumbs up, liebe Gemeinde.

Rating: $$$$+

Splatter:

3/10

 

 

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