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Harry meint es gut mit dir

Info

OT: 
Harry, un ami qui vous veut du bien

Jahr: F 2000
R, B: Dominik Moll
B: Gilles Marchand
K: Matthieu Poirot-Delpech
M: David Whitaker
D: Laurent Lucas, Sergi Lopez, Mathilde Seigner, Sophie Guillemin

Quelle: TV (arte)

 

Inhalt

Michel (Laurent Lucas) ist Französisch-Lehrer und mit Gattin Claire (Mathilde Seigner) sowie drei kleinen, quengelnden und streitenden Töchtern im Schlepptau per altersschwacher Familienkutsche unterwegs in den Sommerurlaub. Auf dem Klo einer Autobahnraste spricht ihn ein Typ an, der sich als alter Klassenkumpel aus gymnasialen Tagen vorstellt: Harold Balesteros (Sergi Lopez), nur genannt Harry.
Zwar klingelt bei Michel erstmal nix, doch Harry, Typ unbekümmerter und reicher Lebemann, ist unerbittlich. Um das unverhoffte Wiedersehen zu feiern, drängt er sich mitsamt seiner schicken Freundin Prune (Sophie Guillemin) auf, den genervten Michel und Familie ins Feriendomizil zu begleiten. Gemeinsam also trifft man des Abends im Ferienhaus ein: eine ziemlich abgerockte Butze in der tiefsten Provinz, die Claire und Michel weitgehend in Eigenarbeit wieder instand setzen.
Hier outet sich Harry als leidenschaftlicher Fan von Michels früheren, weitgehend in Vergessenheit geratenen schriftstellerischen Bemühungen aus Schülerzeiten. Nichts wäre ihm lieber, als wenn Michel wieder den Griffel schwingen würde. Aber der ist von Kind, Kegel und Alltagsstress so in Beschlag genommen, dass er weit davon entfernt ist, sowieso nicht vorhandene dichterische Ambitionen zu reaktivieren.
Harry jedoch sieht sich als engagierter Problemlöser: Ungefragt, konsequent und zunehmend gnadenlos räumt er Michel die Steine aus dem Weg, die dessen schriftstellerischer Laufbahn im Wege liegen.

Zitate

Harry: „Ich glaub‘, für jedes Problem gibt es eine Lösung.“

Claire: „Was passiert hier eigentlich?“ – Michel: „Wenn ich das wüsste.

Die Kritik des Gunslingers:

In bester Hitchcock-Manier demaskiert Regisseur Dominik Moll einen erstmal eher harmlosen, fast sympathisch erscheinenden Mitbürger als gefährlichen Psychopathen. Harry ist mit seinem fetten Grinsen, seiner Großspurigkeit eigentlich von Beginn an kein wirklich angenehmer Zeitgenosse. Auf der anderen Seite ist seine Hilfsbereitschaft grenzenlos: Familienauto kaputt? Kein Problem, Harry kauft ‘ne neue Schese.
Dabei lässt er kein Nein gelten. Dass er dabei den ohnehin schon fragilen Haussegen seiner Gastgeber weiter in Schieflage bringt, lächelt er weg. Er hat schließlich einen Plan und macht daraus von Anfang an keinen Hehl: Michel muss wieder schreiben. Dafür muss er – Harry – die richtigen Rahmenbedingungen schaffen. Beschränkt sich dies erst einmal auf materielle Hilfe oder auch Fahrdienste, so sieht Harry bald, dass Michels Probleme tiefer liegen. Und daher geht er allmählich dran, auch Michels persönliches Umfeld entsprechend *hust* neu zu ordnen.
Der Streifen ändert dabei schleichend die Tonlage, denn es wird nur zu schnell klar, dass Harry keinem harmlosen Spleen aufsitzt, sondern eine ernsthafte Macke hat. Bis zum Ende steigert sich dann die Stimmung in einen fast waschechten Home-Invasion-Thriller. Zwar sind alle Darsteller auf der Höhe, doch hat natürlich Sergi Lopez den dankbarsten Part. Jederzeit nimmt man ihm das Abgleiten Harrys ins gemeingefährliche Psychopathentum ab. Dabei ist der Wahnsinn von Beginn an vorhanden, allerdings da nur andeutungsweise sichtbar. Das ist schon wirklich fein gespielt. Erinnerte mich ein wenig an Hitchcocks „Im Schatten des Zweifels“.
Am Ende bleibt sogar als Deutungsmöglichkeit, dass sich die gesamte Geschichte nur in Michels Fantasie abgespielt hat. Geht es um ein augenzwinkerndes Stabbrechen für die Familie, so nervend sie manchmal auch sein mag? Geht es darum, den aufreibenden Prozess kreativen Schaffens sichtbar zu machen, an dessen Ende eine neue Geschichte Michels steht? Ist aber zweitrangig. Was zählt: Der Streifen macht Spaß. Punkt.

Rating: $$$$$

Splatter:

2/10

 

 

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