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Haus der Lady Alquist, Das

Info

OT: 
Gaslight
 

Jahr: USA 1944
R: George Cukor
B: John van Druten, Walter Reisch, John C. Balderstone
K: Joseph Ruttenberg
M: Bronsilau Kaper
D: Ingrid Bergman, Charles Boyer, Joseph Cotten, Angela Lansbury

Quelle: TV (3sat)

 

Inhalt

London, 1875. Die Opernsängerin Alice Alquist besitzt nicht nur eine begnadete Stimme, sondern auch zwei dicke Juwelen von nahezu unschätzbarem Wert, hat diese allerdings gut versteckt. In einer finsteren Nacht wird die Lady erdrosselt. Der unbekannte Killer hatte es auf die Klunker abgesehen, muss aber unverrichteter Dinge das Weite suchen. Alices halbwüchsige Nichte Paula, die bei der Lady aufwuchs, wird darauf nach Italien zu einem von Tantchen Musikerfreunden geschickt, um dort ebenfalls zur Sängerin ausgebildet zu werden.
Doch weder hat sie das Talent, noch die Geduld: Paula (Ingrid Bergman) verliebt sich in den Pianisten Gregory Anton (Charles Boyer), gibt alsbald dessen Werben nach und ehelicht den Gutsten. Das Paar kehrt auf Betreiben Gregorys nach London zurück und residiert natürlich im Mordhaus, das seit der Tat unverändert ist. Vom Tag des Einzugs in der überladenen Butze zeigt sich Gregory verwandelt: Unter dem Deckmantel der Fürsorge bevormundet er seine Frau, behandelt sie wie ein kleines Kind, tadelt sie unentwegt ob ihrer angeblichen Vergesslichkeit, demütigt sie subtil vorm Hauspersonal. Zudem schneidet er sie immer mehr von der Außenwelt ab.
Die allmählich total verunsicherte Paula wird nun tatsächlich wunderlich, leidet unter Gedächtnisschwund, hört Geräusche im Haus, gekoppelt mit der offensichtlich ohne Ursache flackernden Gasbeleuchtung, was außer ihr anscheinend niemand wahrnimmt. Als der gute Gregory ihr auch noch von erblichem Wahnsinn in ihrer Familie berichtet, sieht sie sich schon in der Klapse. Das seltsame Treiben des Paares erregt die Aufmerksamkeit des Yard-Beamten Brian Cameron (Joseph Cotten). Cameron war glühender Fan der verblichenen Lady Alquist, und ist nun besorgt um die offensichtlich schwer angeschlagene Paula. Und dann wäre da ja immer noch der ungeklärte Mordfall.

Zitate

„Paula, sagte ich dir nicht, du hast Ruhe nötig.“

„Paula, fängst du schon wieder an, dir was einzureden?“

„Könnt’ ich doch rein sehen in dein verrücktes Hirn.“

Die Kritik des Gunslingers:

George Cukor drehte mit „Gaslight“ das Remake eines britischen Thrillers, der vier Jahre vorher entstanden war, hierzulande aber nahezu unbekannt ist. Der Streifen entführt uns ins viktorianische London mit seinen flackernden Gaslaternen und chronisch nebeligen Nächten, durch die zwielichtige Gentlemen mit Stock und Zylinder huschen. Doch so sehr ich dieses Setting prinzipiell auch liebe, ist es hier absolut nebensächlich, denn der Film lebt allein vom Zusammenspiel der beiden Protagonisten Bergman und Boyer.
So geht’s dann auch eher ein wenig langsam und gefühlig los, bis sich Paula und Gregory endlich wieder zurück nach London begeben. Doch von da an gibt’s kein Halten mehr: Schon als die Beiden das erste Mal das seit dem Mord verwaiste Haus der Tante betreten, lässt Charles Boyer keinen Zweifel daran, wohin die Reise führen wird. Paula nämlich findet zufällig zwischen alten Notenblättern einen Brief an ihre Tante, datiert zwei Tage vor dem Mord. Gregory reißt ihr den Wisch aus der Hand, erfüllt von explosivem Zorn, der die Gattin ratlos zurücklässt. Charles Boyer ist großartig. Nicht mehr und nicht weniger: Blicke voller Verachtung, die seine fürsorglichen Worte konterkarieren, kleine Gesten, Bemerkungen. Ganz leise infiziert er die Partnerin mit einem ausgewachsenen Schuldkomplex, fährt immer schwerere Geschütze auf, bis er die Gemahlin in der Öffentlichkeit des Diebstahls bezichtigt und zur Wahnsinnigen erklärt. Stark sind auch die Szenen, in denen er aus augenscheinlich nichtigem Anlass die kalte berechnende Beherrschung ablegt: der Besuch im Tower, bei dem sein Blick wie der eines Süchtigen an den ausgestellten Kronjuwelen hängt, der Moment, in dem seine Frau das angelegte Korsett zu zerreißen droht und viele mehr. Ingrid Bergman ist ebenbürtig: Wie aus einer liebenden, doch so weit unabhängigen Frau Schritt für Schritt ein unselbstständiges Nervenwrack wird, ist schon klasse gespielt. Ich frage mich, warum Cukor damals die Bergman besetzt hat: Sie stand ja eigentlich immer eher für den kernigen, bodenständigen Typ, unanfällig für irgendwelche Psychomätzchen. Doch sie meistert das wie gesagt glänzend. Ein Glücksgriff.
Da auch Kameraarbeit und Musik vom Feinsten sind, vergebe ich trotz der etwas ausgewalzten ersten Viertelstunde:

Rating: $$$$$

Splatter:

0/10

 

 

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