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Im Dreck verreckt

Info

OT: 
Le Rapace

AT:
El Rapaz (MEX)
Il Rapace (I)
Der Fremde
Fremder, wohin gehst du?

Jahr:
F/I/MEX 1968
R, B:
José Giovanni
K:
Pierre Petit
M:
Francois De Roubaix
D:
Lino Ventura, Xavier Marc, Aurora Clavel, Rosa Furman

Quelle: TV (WDR)

 

Inhalt

Wir schreiben das Jahr 1938, und in einen nicht näher definierten Staat Mittelamerikas steht „Revolución“ auf der Speisekarte: Ein paar Putschisten um den Magnaten Calvez (Augusto Benedicto) und Oberstleutnant Ruiz (Carlos Lopez Figueroa) wollen den Präsidenten um die Ecke bringen. Als halbwegs prominente Marionette an der Spitze des dann folgenden Regimes ist der junge Miguel (Xavier Marc) ausersehen, dessen Großvater einst schon Präside war und beim Volk noch einigermaßen wohlgelitten ist.
Die windigen Revolutionäre engagieren den Profiknipser Rital (Lino Ventura), der für 40 Riesen den Job erledigen wird, wenn der Präsident seine Geliebte (Rosa Forman) in einem elenden Provinzkaff besucht. Miguel soll Rital assistieren, damit man ihn später zum Volkshelden aufbauen kann. Doch erstmal heißt es warten, denn „El Presidente“ wird erst in zwei Tagen auf der Bildfläche erscheinen. Bis dahin haben die beiden ungleichen Partner - der bis unter die Halskrause mit Idealen zugedröhnte Miguel und der zynische Profi, der sich ausschließlich für die Pennunzen interessiert und seine Klienten verachtet – ausreichend Gelegenheit, sich in ihrem engen Zimmerchen kräftig auf den Sack zu gehen.
Dennoch entwickeln die Beiden so etwas wie Respekt voreinander und sind bald darauf bitter aufeinander angewiesen: Denn die Pläne der Revolution sehen zumindest für Rital nach dem Attentat ein umgehendes Ableben vor, und Miguel erkennt, dass Ideale nicht mehr als Worte sind, wenn’s um die eigene Schatulle geht.

Zitate:

Miguel: „Haben Sie ‚Sitte und Staat’ gelesen, von Voltaire? Oder ‚’Der Kapitalismus in Russland’ von Lenin?“ – Rital: „Nein. ‚Die drei Musketiere’ hat mir ganz gut gefallen.“

Miguel: „Wissen Sie, wer ich bin?“ Miguel Juarez!“ – Rital: „Dein Name interessiert mich nicht. Für mich bist du ‚Chico’. Schlicht und einfach: ‚Chico’.“

Rital: „Du hast zuviel zu verlieren, Chico. Wer sich so schnell einschüchtern lässt wie du, sollte keine Revolution machen.“ ("Chico" steht dem ausgebufften Rital und seinen Psycho-Spielen etwas hilflos gegenüber)

Die Kritik des Gunslingers:

Politthriller im Gewand eines Abenteuerfilms, den José Giovanni in weiten Teilen als Kammerspiel inszenierte. Die Szenen in dem kleinen Zimmer, in dem Rital und Miguel auf das Eintreffen ihres Opfers warten müssen, geben dem Streifen den Großteil seiner Spannung. Lino Ventura als knochenharter Hund, in dem Empathie nur noch rudimentär vorhanden zu sein scheint, lässt Xavier Marc, Typ engagierter, idealistischer Jungpolitiker, kräftig Blei fressen. Das reicht von der Leiche, die ersterer produziert, letzerer aber zu entsorgen hat über Psychospielchen bis hin zu diversen Maulschellen. Dass der Junge dazu weder raucht noch trinkt, macht den dauerqualmenden Ventura nicht gerade umgänglicher. Irgendwann muss der Berufszyniker aber widerwillig und schrittweise eingestehen, dass der Junge vielleicht doch nicht so verkehrt ist und seine Ideale mehr sind als bloße, hohle Polit-Parolen. Miguel wiederum profitiert von der Lebens- und Berufserfahrung des Älteren, der verhindert, dass er unbedarft ins Messer läuft. Am Ende bricht das ungleiche Gespann auf Zeit an der natürlichen Sollbruchstelle: Als der Junge ihm folgen will, verpasst ihm der Killer einen Streifschuss und erspart ihm so ein Dasein auf der Flucht. Schauspielerisch ist Lino zwar wieder Extraklasse, doch bietet ihm Xavier Marc auf Augenhöhe Paroli. Sehr schön sind auch die Nebencharaktere, wie etwa die reiche Präsidenten-Geliebte, die ihre Latifundien per Automobil abfährt mit zahmem Leoparden imHänger oder der desillusionierte Scherge Joaquin (Enrique Lucero).
Richtig klasse fand ich den Score von Francois de Roubaix, der häufiger mit Giovanni zusammenarbeitete: schwerblütige Lateinamerika-Stimmung mittels Gitarren, Hirtenflöte und Mundharmonika, dazu einen entsprechenden Titelsong „Clandestino“, den Los Incas singen.

Rating: $$$$+

Splatter:

1/10

Splatter:

1/10

 

 

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