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In der Hitze der Nacht

Info

OT: 
In the Heat of the Night

Jahr: USA 1967
R: Norman Jewison
B: Stirling Silliphant
K: Haskell Wexler
M: Quincy Jones
D: Sidney Poitier, Rod Steiger, Warren Oates, Lee Grant

Quelle: TV (arte)

 

Inhalt

Im Provinzstädtchen Sparta, Missouri, findet Officer Sam Wood (Warren Oates) auf seiner nächtlichen Streifenfahrt eine Leiche auf der Straße. Es handelt sich um den Industriellen Colbert, der in Sparta eine Fabrik hochziehen und tausende Arbeitsplätze schaffen wollte. Nun liegt er mit eingeschlagener Rübe und ohne Brieftasche im Straßenstaub.
Auf dem Bahnhof verhaftet Wood im Verlauf einer Nahbereichsfahndung einen wartenden Passagier (Sidney Poitier): Der ist nicht nur gut gekleidet und hat den Geldbeutel voller Scheine, sondern ist darüber hinaus auch Afroamerikaner. Ein gefundenes Fressen für Spartas neuen Polizeichef Bill Gillespie (Rod Steiger), der sich profilieren will. Doch dem eifrigen Sheriff fällt das Essen aus dem Gesicht, als sich der Festgenommene als Virgil Tibbs vorstellt: Polizeibeamter und bestes Pferd im Stall der Mordkommission von Philadelphia.
Zähneknirschend muss Gillespie den Gefangenen nicht nur laufen lassen, sondern auch bei den Ermittlungen hinzuziehen. Denn die eigenen Erfolge in Sachen Mordaufklärung sind *hust* höchst überschaubar. Und außerdem macht Colberts Witwe (Lee Grant) Druck, die mit dem Abzug aller Geldmittel aus Sparta droht, sollte Gillespie Tibbs nicht endlich die Leitung bei dem Fall übertragen. Doch in Sparta hat es ein nicht-weißer Cop besonders schwer, und die Polizeimarke dient kaum als Schutz vor gewalttätigen Nachstellungen der Rednecks.

Zitate

Sheriff Gillespie hat zumindest an der Zitatefront die Nase vorn:

Du plusterst dich ja ganz schön auf, Virgil. Das ist doch keine Arbeit für einen Niggerburschen aus Philadelphia.“

„Ich hab‘ ein Motiv, und das ist Geld; ich hab‘ ein Opfer, und das ist tot.“

„Ist nichts für Sie, hm, Virgil?“ (Man passiert gerade ein Baumwollfeld, auf dem schwarze Landarbeiter schuften)

„Sie werden gar nichts tun. Sie halten nur die Schnauze.“

Endicott (Larry Gates): „Sie brauchen wie die Neger andauernd Nahrung und Fürsorge und Aufsicht. Das ganze Leben.“ (Die Rede ist übrigens von Orchideen)

Die Kritik des Gunslingers:

In der Hitze der Nacht“ ist nicht nur ein Klassiker des US-Kinos, sondern darüber hinaus überaus gut gealtert. Zwar stehen hier nicht Action und Stakkatoschnitte im Vordergrund, doch Bildsprache und Atmo stimmen auch heute noch. Dazu hat der Score von Quincy Jones mit dem durch Ray Charles interpretiertem Titelsong nix von seiner Strahlkraft verloren. Ist selbstredend Geschmackssache.
Zwar ist der Streifen nicht der erste, der das Problem der Rassendiskriminierung auf die Leinwand bringt. Ich erinnere da beispielsweise an den fünf Jahre zuvor erschienenen „Wer die Nachtigall stört“ mit Gregory Peck. Doch einmalig ist der Schlagabtausch zwischen den Protagonisten Rod Steiger und Sidney Poitier. Geradezu großartig ist die Szene, in der sich Tibbs nach seiner Festnahme im Polizeirevier schrittweise als Kollege outet und die Provinzcops schön vorführt. Rod Steiger wechselt ohne Übergänge von herablassend-großspurig zu hilflosem Zorn über die von Poitier cool servierte Eselskappe.
Rollenbedingt hat ersterer den schauspielerisch anspruchsvollsten Part. Poitier darf vor allem den taffen Superbullen rauskehren, der der rassistischen Ignoranz und Gewalt seines Umfelds seine coole Überheblichkeit entgegensetzt. Dadurch führt er die Einheimischen noch stärker als dösige Landeier vor, was die Stimmung nicht gerade aufhellt. Steiger macht dagegen eine echte Entwicklung durch: anfangs ein von sich selbst überzeugtes Riesenarschloch mit starken rassistischen Tendenzen, zum Schluss trägt er dem abreisenden Tibbs sogar den Koffer in den Zug. Dabei präsentiert er die gesamte Bandbreite eines zerrissenen Gefühlslebens. Selbst als Neuer in Sparta nicht akzeptiert, sieht Gillespie Tibbs anfangs als Chance, sich zu etablieren. Auf der einen Seite ist ihm durchaus klar, dass ihm Tibbs in allen Belangen überlegen ist und er ihn braucht, will er überhaupt eine Chance haben, den Fall zu lösen. Auf der anderen Seite steht ihm sein rassistisches Weltbild entgegen, das es verbietet, dass ein Repräsentant der weißen Rasse den Kürzeren zieht.
Allerdings verbietet es sein Selbstverständnis als Polizist, sich gehen zu lassen, auch wenn’s schwer fällt. Dies ist umso höher einzuschätzen, als dass er für Übergriffe gegen Schwarze sogar Rückendeckung seitens seines Vorgesetzten hat. Nachdem Gillespie beispielsweise nicht eingegriffen hatte, als Tibbs den reichsten Mann der Stadt geohrfeigt hatte, sagt der Bürgermeister (William Schallert) nur lakonisch: „Ihr Vorgänger hätte ihn erschossen. Auf der Flucht, versteht sich.“ So bewahrt Gillespie meistens Haltung und ändert schließlich sogar ein wenig seine festzementierte Meinung. Tolle Performance.
Thema ist aber auch die sich so überlegen fühlende weiße Provinzgesellschaft im Süden: schlicht eine Ansammlung von Asis, Schlägern und moralisch zumindest fragwürdigen Rassisten, für die die Zeit 1861 stehen geblieben ist. Null Problemo, einem „Niggerboy“ mit Stahlrohr und Kanone „Benimm“ beizupulen, aber Pipi in den Augen beim Wehklagen über den Verlust angeblicher alter Werte. Die "Überlegenheit der weißen Rasse" als Deckmäntelchen für das eigene Versagen lautstark und larmoyant vor sich hertragend.

Rating: $$$$$

Splatter:

2/10

 

 

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