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Jagdzeit - Open Season

Info

OT: 
Open Season

Jahr:
USA/Sp 1974
R: Peter Collinson
B: Liz Charles-Williams, David D. Osborn
K: Fernando Arribas
M: Ruggero Cini
D: Peter Fonda, Cornelia Sharpe, John Phillip Law, Robert Lynch, Alberto de Mendoza

Quelle: VHS (Bavaria)

 

Inhalt

Die drei Vietnam-Vets Ken (Peter Fonda), Greg (John Phillip Law) und Art (Robert Lynch) treffen sich alljährlich zu einem gemeinsamen Jagdurlaub. Was kaum jemand weiß und unter der biederen Fassade der Vorstadt-Familienväter versteckt bleibt: Die Drei haben sich in Fernost einen veritablen Psychoschaden eingefangen, kennen keine moralische Grenzen mehr und pflegen einen derben Freizeit-Sadismus.
Die erste Nacht verbringen die Spezis bei einem Zwischenstopp noch vergleichsweise sittlich mit einigen Kannen Sprit und der aufgerissenen Kellnerin in einem Motel. Tags darauf stoßen sie dann beim Tanken zufällig auf die eigentlichen Objekte ihrer Begierde, dem Mitdreißiger-Pärchen Nancy (Cornelia Sharpe) und Martin (Alberto de Mendoza). Auf einer Waldstraße bremsen sie Martins Kallesche aus, kidnappen das Liebespaar und fahren mit ihnen zu ihrem einsam gelegenen Blockhaus an der Bucht eines Bergflußes.
Ein zaghafter Fluchtversuch wird gleich vereitelt; Martin versucht daraufhin, die drei Entführer zu überzeugen, dass bei ihm und Nancy nicht viel zu holen ist, doch bei Ken & Co. sorgt das nur für müdes Gelächter. Sie verdonnern den Gedemütigten zum Hausputz und vergnügen sich mit der Guststen bei einer kleinen Jagdpartie. Nach dem Abendessen darf dann der hilflose Lover auch noch mit ansehen, wie die inzwischen ziemlich Whiskey-getränkte Truppe sich an der nicht minder besoffenen Nancy gütlich tut.
Nach ein paar Tagen kredenzen die Drei dann den beiden inzwischen psychisch ziemlich ramponierten Opfern den Höhepunkt des Wochenendes: Man lässt sie mit einem Vorsprung von einer halben Stunde frei, bevor sich die bewaffnete Meute auf ihre Spur macht...

Zitate

Greg: "Hey Art, wann hat unser Trupp jemals unter Pflaumenmangel gelitten?"

Ken: "Oh, ich hab vergessen uns vorzustellen: Ich bin Ken, das ist Greg hier am Lenkrad." - Greg: "Tagchen." - Ken: "Und der da eueren Wagen fährt, ist Arty. Ken, Greg und Arty. Alles klar?" - Greg: "Haha, für die ist alles klar. Ob's ihnen richtig klar ist, ist die Frage."

Ken: "Ihr beide seid doch unsere Gäste. Wir stellen euch diese Hütte, freies Essen, einfach Alles. Und ihr kocht und haltet Ordnung. Wir jagen, und abends amüsieren wir uns vielleicht. Und wir sind alle zufrieden."

Ken: "Hast du es erfasst Nancy? Jetzt heißt es Abschied nehmen." Nancy: "Was, einfach so?" - Ken: "Einfach so, Nancy."

Die Kritik des Sargnagels:

Zurück zur Natur - raus aus der Metropole, rein in die Pampa. Nicht nur aus Zeitgeist und Budgetgründen wurde das Outback Anfang der '70er immer beliebter als Drehort; in Einsamkeit und Abgeschiedenheit läßt sich auch formidabel eine Handlung um eine Handvoll Protagonisten verdichten.
Gedreht wurde international, obwohl die Handlung eigentlich in den USA spielt; die Außenszenen filmte man in Spanien, das Innere der Jagdhütte wurde in den Londoner Pinewood Studios errichtet, und nur ein paar kürzere Sequenzen auf der Landstraße kurbelte man in den USA weg. Spürbar ist das überhaupt nicht, die pittoreske Hügel- und Flusslandschaft im Westen von Madrid (bei San Martín de Valdeiglesias) könnte man auch locker irgendwo in den Rockies verorten.
Der Brite Peter Collinson (u.a. "Charlie staubt Millionen ab", "Die Fratze") verfilmte die Romanvorlage von David D. Osborn mit geringen, die Handlung nicht betreffende Änderungen. Größeren Einfluss auf den Streifen haben allerdings unterschiedliche Schnittfassungen, dazu später noch.
Die Handlung hat zwei klar definierte, hintereinander abfolgende Erzählstränge: Der erste Abschnitt behandelt den Psycho-Terror der drei Drecksäcke, um dann auf die klassische Manhunt-Story umzuschwenken. Dabei zeigt Collinson bei der Inszenierung weder in der ersten noch der zweiten Hälfte Schwächen; auch wenn der Schwenk ziemlich abrupt erfolgt, das Timing ist dafür optimal gesetzt. Unsere drei Psychos wirken anfangs wie eine stereotype, eingespielte Einheit: durch den Krieg abgestumpfte asoziale Arschlöcher, die sich an der Demütigung Schwächerer ergötzen. Im Laufe des Streifens baut Collinson dann aber doch Szenen ein, die die Charaktere differenzieren, aber nicht relativieren. Ein Panoptikum des Bösen: Ken ist der Architekt der ganzen "Veranstaltung", der eiskalte Menschenspieler, der seinen Kollegen die Hemmungen nimmt und die Opfer manipuliert. Greg ist ausgemachter Waffennarr; ihn reizen vor allem das Töten und die Knattereien. Art stellt den Schwächsten der Gruppe dar, er hat weder die Physis noch den Intellekt seiner Kameraden. Sex interessiert ihn nur passiv (er beteiligt sich nicht an den Gruppennummern) und piesackt vor allem das männliche Opfer - der Küchenpsychologe schließt hier mal auf Potenzprobleme, die Art durch Machtausübung zu kompensieren versucht. *hust Überraschenderweise sticht hier Robert Lynch die etablierten Mimen Fonda und Law aus, die zwar routiniert, aber eben auch nicht mehr abliefern. Exquisit wurde das Pärchen mit Alberto de Mendoza und Cornelia Sharpe besetzt, die wohldosiert von anfänglicher Verliebtheit zu gegenseitigem Hass wandeln.
Kommen wir zum größten Malus: die deutsche Schnittfassung. Hier fehlt eine ganze Szene im Intro und nochmals eine im Outro; ohne diese Szenen erscheint der Twist zum Ende des Films total unmotiviert hingebastelt. Das versaut zwar nicht den ganzen Streifen, hinterlässt aber doch einen fahlen Nachgeschmack und führt leider zu Punktabzug.

Rating: $$$$-

 

 

 

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