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Marathon Mann, Der

Info

OT:
Marathon Man

Jahr: USA 1976
R: John Schlesinger
B: William Goldman
K: Conrad Hall
M: Michael Small
D: Dustin Hoffman, Lawrence Olivier, William Devane, Roy Scheider

Quelle: TV (3sat)

 

Inhalt

Als Geschichtsstudent Thomas Levy (Dustin Hoffman), genannt „Babe“, bei seinem Lauftraining aus der Ferne einen Auto-Crash mit zwei Toten beobachtet, ahnt er nicht, dass der Unfall bald eine Menge mit ihm zu tun haben wird.
Einer der beiden Toten war der Bruder (Ben Dova) eines gesuchten Kriegsverbrechers: des Auschwitz-Zahnarztes Christian Szell (Lawrence Olivier). Kurz vor Kriegsende hatte der Dentist seine im Lauf der Jahre von KZ-Häftlingen abgepressten Diamanten über seinen Bruder nach New York schaffen lassen. Er selbst verkrümelte sich ins Exil nach Uruguay. Der Bruder nun holte bei Bedarf immer ein paar Klunker aus dem Schließfach und ließ sie durch Kuriere nach Paris bringen. Hier wurden sie über Hehler versilbert und der Erlös nach Uruguay überwiesen. Dieses Netzwerk ist mit dem Unfall Geschichte. So sieht sich Szell gezwungen, selbst nach New York zu kommen, um die Steine zu holen.
Babe wiederum erhält überraschend Besuch von seinem älteren Bruder „Doc“ (Roy Scheider). Der ist vordergründig Geschäftsmann in Sachen Öl, arbeitet in Wirklichkeit aber für die „Division“: eine geheime Regierungsorganisation, die unter anderem Material zu gesuchten Altnazis sammelt. Hierfür wiederum kooperiert die Division mit Szell: Er liefert die Aufenthaltsorte der Gesuchten, und im Gegenzug besorgen Kuriere der Division den Diamantentransport nach Frankreich. So wie auch Doc.
Da Szell nun alle Spuren des Versorgungsnetzes verwischen will, stehen sämtliche Beteiligte, also auch die Kuriere, auf der Abschussliste. „Doc“ stirbt sehr bald nach seiner Ankunft, tödlich verletzt durch einen Messerstich, in Babes Studentenbutze, so dass nun Babe in den Fokus rückt. Nicht nur die Division in Gestalt von Commander Janeway (William Devane) interessiert sich für Docs möglicherweise hinterlassenen letzten Worte, sondern auch Szell. Der hat Angst, dass ihm Doc noch ein Ei ins Nest gelegt hat, um ihn um die Diamanten zu bringen.

Zitate

Leck mich am Arsch! Ich scheiß dir gleich in deinen alten Chevrolet!“ (Stress im Berufsverkehr ;-))

Janeway: „Nennen Sie mich Janey. Wie meine Freunde.“ – Babe: „Ich bin nicht Ihr Freund.“

Szell (zu Babe):
Sie sollten besser auf Ihre Zähne achten.“
Beruhigen Sie sich. Ich bohre nicht an derselben Stelle.“
Sind sie außer Gefahr?“ (Die Schlüsselfrage des Streifens)

Die Kritik des Gunslingers:

Jeder, der den „Marathon Mann“ gesehen hat, erinnert sich an den Streifen garantiert wegen einer Szene: die wirklich fürchterliche Folter Babes durch Szell. Der Zahnarzt kommt mit laufendem Bohrer auf Babe – die Kamera – zu, der gefesselt, mit zwangsgeöffnetem Mund im Stuhl sitzt. In der extremen Nahaufnahme löst sich das Bild auf. Für einen kurzen Moment nur das Sirren des Bohrers, der sich in den Schneidezahn frisst. Dann ein markerschütternder Schrei.
Die Kamera löst sich vom Stuhl. Wir sehen Babe, zusammengesunken im Stuhl, während Szell die Sachen zusammenpackt: „Er weiß nichts. Er hätte es sonst gesagt. Schafft ihn weg.“ Vorbildlich inszeniert, da der Effekt maximal ist, ohne wirklich etwas zu zeigen. Die Brutalität dieser Szene entlädt sich fast ausschließlich in der Vorstellungskraft des Zuschauers, angefeuert durch die Tonspur und nicht zuletzt auch eigene Zahnarzterlebnisse.
Bis der Zuschauer die Fäden sinnvoll miteinander verknüpfen kann, dauert’s seine Zeit, zumal der Plot in zwei Hauptsträngen verläuft. Auf der einen Seite haben wir Babe, der an seiner Doktorarbeit bastelt. Eine Art therapeutisches Projekt, da er den Selbstmord seines Vaters im Zuge der Nachstellungen durch McCarthy nie verwunden hat. Das Leben verläuft in typischen Studentenbahnen: Bibliothek, Hörsaal, Lauftraining und eine Liebesgeschichte mit der Studentin Elsa (Marthe Keller), die er in der Uni-Bibliothek kennenlernt. Auf der anderen Seite steht der „Thriller-Plot“ mit Doc, der in Paris aufgrund der Ereignisse zunehmend unter Druck gerät und nur mühsam verschiedenen Mordanschlägen entgeht. In einem Nebenplot verfolgen wir die Abreisevorbereitungen Szells in seinem Dschungeldomizil und seine Ankunft in New York.
Hier laufen dann die Stränge zusammen und verdichten sich zu einem handfesten Paranoia-Thriller. Babe weiß nicht mehr, wie ihm geschieht. Nicht nur ist sein Bruder nicht der, für den er ihn jahrelang gehalten hatte. Sämtliche Beziehungen und Bekanntschaften stehen auf einmal auf dem Prüfstand. Niemandem ist mehr zu trauen. Alles scheinen nur eines zu wollen: Babes Tod. In allerhöchster Not helfen ihm ausgerechnet seine fiesen Nachbarn, eine Chicano-Gang, die sich allerdings und selbstredend von Babe bezahlen lässt.
Großartig gelungen ist der Showdown zwischen Szell und Babe. Er beginnt mit dem Spießrutenlauf des Nazis durch das Judenviertel, um einen Anhaltspunkt für den Wert seiner Diamanteneinlage zu bekommen. Klar, dass ihn trotz der Tarnung ein paar ehemalige KZ-Häftlinge erkennen. Dann spürt ihn auch Babe hier auf, und es kommt zum effektvollen Endkampf in einer Art Wasserturm im Central Park. Klasse Darsteller und Atmo, eingefangen durch die feine Kameraarbeit. Gimme five, Man.

Rating: $$$$$

Splatter:

3/10

 

 

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