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Maulwurf, Der

Info

OT: 
Espion lève-toi

Jahr: F/CH 1982
R, B: Yves Boisset
B: Michel Audiard, Claude Veillot, Bernard Fresson
K: Jean Boffety
M: Ennio Morricone
D: Lino Ventura, Michel Piccoli, Krystyna Janda, Bruno Cremer

Quelle: TV (arte)

 

Inhalt

Seit acht Jahren lebt der französische Geheimdienst-Mann Sebastien Grenier (Lino Ventura) als Finanzberater in Zürich. Zusammen mit seiner Lebensgefährtin, der Uni-Dozentin Anna (Krystyna Janda), führt der Schläfer eine beschauliche bürgerliche Existenz. Das ändert sich, als in der Straßenbahn die linken „Volksfrontbrigaden“ den Besitzer eines Reisebüros hinrichten. Dieser nämlich war Mitglied desselben Agentennetzes, dem auch Grenier angehörte, und den Hintermännern der Terrororganisation auf der Spur.
Kurz darauf nimmt ein hoher Schweizer Beamter, der Bundesrat Jean-Paul Chance (Michel Piccoli), und ebenfalls angeblich Geheimdienstler, Kontakt zu Grenier auf. Er setzt den Schläfer unter Druck, damit dieser wieder aktiv wird und rauskriegt, wer die „Volksfrontbrigaden“ steuert. Grenier ist alles andere als begeistert, zumal irgendwas an dem klebrig-charmanten Chance gewaltig müffelt. Doch der Aderlass unter Greniers Geheimdienstkameraden ist noch nicht beendet, und so fängt er an, im Nebel zu stochern.
Allmählich wird klar, dass Niemandem zu trauen ist: Selbst Anna scheint verdächtig, pflegt sie seit den 70ern doch rege Kontakte zur Extremistenszene, und die „Volksfrontbrigaden“ wiederum haben viele Unterstützer an der Universität. Als dann noch ein Hauptmann Alain Richard (Bruno Cremer) aus der Pariser Zentrale auftaucht, und dieser und Chance sich gegenseitig als KGB-Männer anschwärzen, ist die Verwirrung komplett. Nach einem halbherzig durchgeführten Mordanschlag auf sich will Grenier mit Anna einfach nur noch untertauchen, doch dafür ist’s leider zu spät.

Zitate

Chance: „Was ist Ihr Problem?“ – Grenier: „Im Augenblick sind Sie’s.“

Chance: „Ich muss leider feststellen, dass Ihre Kooperation zu wünschen übrig lässt.“

Grenier: „Ich hab genug von der Scheiße.“

Anna: „Man fällt doch nicht so einfach aus dem Zug raus.“ – Grenier: „Doch.“

Die Kritik des Gunslingers:

Offensichtlich noch unter dem Eindruck der gerade verebbten Terrorwelle Ende der 70er, seien es der „Deutsche Herbst“ (1977) oder die Entführung und Ermordung Aldo Moros (1978), inszenierte Yves Boisset einen amtlichen Agententhriller.
Ausgerechnet im beschaulichen Zürich liefern sich die verschiedenen Geheimdienste unter Zuhilfenahme von Strohmännern und Hilfstruppen einen erbitterten Schlagabtausch. Obwohl Grenier Insider ist, wird ihm niemals klar, wer ihn benutzt oder ihm ans Leder will. Er stolpert durch ein undurchdringliches Gewirr aus falschen Spuren und Intrigen, ohne jemals in die Nähe der richtigen Auflösung zu kommen. Er bemerkt zwar, dass er nur Schachfigur im Rahmen eines größeren Masterplans ist, kann aber aus dieser Erkenntnis keine Vorteile ziehen. Als er zurückschlägt, tut das folgerichtig außer den unmittelbar in Mitleidenschaft Gezogenen niemandem ernsthaft weh.
Der Streifen wartet weder mit Tempo, noch mit dampfender Action auf, sondern setzt vielmehr auf Dialoge und die Präsenz seiner Protagonisten Ventura/Piccoli. Damit erreicht er mehr Spannung als so manche Vollgas-Vehikel. Ventura ist der bürgerlich gewordene Agent, der sich noch einmal aufmacht, obwohl er nichts mehr will, als in Ruhe gelassen zu werden. Kontinuierlich unter Beobachtung stehend und nicht wissend, wer Freund oder Feind ist, rutscht er immer weiter Richtung Paranoia, misstraut selbst seiner geliebten Anna. Richtig klasse ist auch Michel Piccoli: höflich, hilfsbereit, nie um einen Rat verlegen, aber undurchschaubar in seiner Motivation und immer bestens informiert.
Die kalten Bilder schaffen zusammen mit dem Morricone Score eine Atmo von kontinuierlicher Bedrohung, in der Geschehnisse mit einer fühl- aber nicht greifbaren Bedeutung aufgeladen sind.

Rating: $$$$

Splatter:

2/10

 

 

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