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Moerderspiel

Info

OT: 
Mörderspiel

AT:
Le Jeu de l’Assassin

Jahr: D/F 1961
R, B: Helmuth Ashley
B: Thomas Keck
K: Sven Nykvist
M: Martin Böttcher
D: Harry Meyen, Götz George, Magali Noël, Wolfgang Kieling

Quelle: DVD (Pidax). Dank fürs Rezi-Exemplar!

 

Inhalt

Modeschöpfer Klaus Troger (Harry Meyen) ist ’ne arme Wurst, denn er ist verheiratet mit der stolzen Eva (Magali Noël), die ihren Klausi verachtet und öffentlich mit dem smarten Geschäftsmann Dahlberg (Georges Rivière) betrügt. Troger wiederum ist Eva hörig und hasst sich selbst dafür. Da er sich nicht traut, sein Mütchen an der Gattin zu kühlen, bringt Klaus Frauen um, Blondinen bevorzugt und bisher vier, nein, fünf an der Zahl.
Doch beim letzten Mord geht was schief, denn als Troger gerade den Tatort verlässt, begegnet er einem Bekannten, dem Architekten Kersten (Götz George). Kersten, nichts Böses ahnend, schleppt Troger mit auf eine Party seines künftigen Schwiegervaters Hauser (Heinz Klewenow). Troger hat aber kein Partyvergnügen im Sinn, sondern sucht nur einen Weg, den lästigen Zeugen für immer zum Schweigen zu bringen. Für zusätzlichen psychischen Druck sorgt die zufällige Anwesenheit von Eva und Dahlberg, die ihn mit Sticheleien demütigen.
Um die trübe Stimmung etwas aufzuhellen, schlägt Kersten das „Mörderspiel“ als Party-Amusement vor. Klaus sieht seine Chance gekommen: Er arrangiert alles so, dass er der „Mörder“ im Spiel ist, um Kersten unbemerkt im Dunkel an die Wäsche gehen zu können. Das macht er auch ganz unspielgemäß mit einem spitzen Brieföffner. Groß ist der Schock, als das Licht wieder angeht: Kersten steht immer noch da, und ein anderer hat den Brieföffner im Wanst. Troger scheint das Glück aber trotzdem hold, je mehr die Nerven der durch die Polizei Festgehaltenen blank liegen. Glück aber ist bekanntlich ein unsicherer Kantonist.

Zitate

Eva zu Klaus: „Du bist ein Schwächling. Du widerst mich an!“

Dr. Horn (Robert Graf, „Detektiv“ im Mörderspiel): „Haben Sie im Dunkeln etwas bemerkt?“ – Eva: „Jemand ging an mir vorbei.“ – „Frau oder Mann?“ – „Ein Mann; ich kenne das Parfum.“ – „War es vielleicht IHR Mann?“ – „Nein, es war ein Männer-Parfum.“

Dr. Rosen (Wolfgang Reichmann): „Die ersten Gäste verlassen das Haus.“ (Die Leiche wird im obligatorischen Zinksarg rausgebracht)

Die Kritik des Gunslingers:

Mit seinem zweiten Film, den der gelernte Kameramann Helmuth Ashley als Regisseur realisierte, gelang ihm bereits fast ein großer Wurf, wenn man so will. Zwar sind die Krimihandlung und das Setting als Kammerspiel – die Wohnung Hausers – eher konventionell. Doch vor allem die herausragende Kameraarbeit von Sven Nykvist, der sehr viel mit Ingmar Bergmann arbeitete, gibt dem Streifen das Spezielle, das dem deutschen Krimi-Einheitsbrei der frühen 1960er-Jahre weitgehend fehlt.
Low-Key-Beleuchtung, einige ungewöhnliche Kamerawinkel und nicht zuletzt die Stimme Harry Meyens, die immer wieder aus dem Off die Gedanken Trogers mitteilt, rücken den Film durchaus in die Nähe des Film noir. Und ein weiterer Kniff bringt immer wieder optischen Pfeffer ins Geschehen: Jedes Mal, wenn der psychische Druck auf den Mörder steigt, wechselt die Kamera in die subjektive Perspektive, wodurch der Zuschauer Teil Trogers und seiner Gefühlswelt wird.
Der Film ist eben kein Whodunit-Streifen, denn der Mörder und sein Motiv sind innerhalb der ersten zehn Minuten abgebacken. Seine Spannung zieht er mithilfe der oben genannten Stilmittel aus dem fieberhaften Grübeln des Mörders, wie er seinen Kopf doch noch aus der immer enger werdenden Schlinge ziehen kann. Dagegen gesetzt ist die Partygesellschaft mit ihrer gelangweilt-bösartigen Kommunikation, was den Druck auf Troger immer weiter steigert, endlich handeln zu müssen. Das unerbittliche Verrinnen der Zeit visualisiert der hinkende Nachtwächter (Hans Stadtmüller), der einmal pro Stunde seine Runde mit Betätigen der Stechuhr beendet.
Unter den insgesamt guten Darstellern wissen insbesondere der schmallippig-neurotische Harry Meyen zu gefallen und Hannelore Wieder als abgebrühte Journalistin, die noch neben der dampfenden Leiche des Unglücklichen anfängt, ihre Story in die Schreibmaschine zu hacken. Netter 6Ts-Score von Martin Böttcher.

Rating: $$$$

Splatter:

1/10

 

 

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