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Mord in Barcelona

Info

OT: 
Un Papillon sur l’Èpaule

Jahr: F 1978
R: Jacques Deray
B: Jean-Claude Carrière, Tonino Guerra
K: Jean Boffety, Jean Charvein
M: Claude Bolling
D: Lino Ventura, Claudine Auger, Nicole Garcia, Jean Bouise


Quelle: TV (arte)

 

Inhalt

Als Seemann Roland Férriaud (Lino Ventura) mit seinem Pott in Barcelona vor Anker geht, freut er sich auf eine entspannende Zeit mit Gattin Sonia (Nicole Garcia), die einige Tage später per Bahn eintreffen soll. Doch dann entwickelt sich alles anders als erwartet. Nachdem er in sein Hotel eingecheckt hat, hört er im Nachbarzimmer lautes Gestöhne. Nicht das, was ihr jetzt vielleicht denkt (wink): Férriaud sieht noch den Toten auf dem Bett, dann wird es dunkel.
Wach wird der wackere Matrose zwei Tage später in einer seltsam vergammelt anmutenden psychiatrischen Klinik, geleitet von einem Dr. Bavier (Jean Bouise). Férriaud hat nach wie vor eine Matschbirne, und sein Gedächtnis funktioniert nur bruchstückhaft: Laut Bavier gab’s weder einen Toten noch den Niederschlag im Hotelzimmer, sondern lediglich einen profanen Raubüberfall auf dem Hotelflur. Sehr interessiert zeigt sich der Mediziner an einem Aktenkoffer, von dem Férriaud des nächtens angeblich öfter halluziniert hatte, aber an einen solchen kann der sich nicht erinnern.
Nach seiner Entlassung hören die Merkwürdigkeiten nicht auf. Férriaud fühlt sich ununterbrochen beobachtet, erhält Anrufe an seltsamen Orten von Unbekannten, die ihn aber zu kennen scheinen. Und immer wieder geht’s um den mysteriösen Aktenkoffer. Der zunehmend verunsicherte Roland wird Zeuge weiterer Morde, doch die Polizei reagiert auf seine Anzeige nur mit süffisanten Hinweisen auf den erlittenen Schlag auf die Rübe. Dann entführen Finsterlinge die gute Sonia und wollen sie nur gegen den verdammten Koffer austauschen, den Férriaud aber weder jemals gesehen hat, geschweige denn besitzt.

Zitate

Bavier: „Solche Halluzinationsprobleme sind in der Medizin nicht neu.“

Konsul (Roland Bertin): „Sie sollten diese Leute vergessen.“ – Férriaud: „Welche Leute?“ – Goma (Jacques Meury): „Eben. Welche Leute: Es hat sie nie gegeben.“

Die Kritik des Gunslingers:

Mit „Mord in Barcelona“ legt Krimi-Spezialist Jacques Deray ("Die Haut des Anderen") einen waschechten Paranoia-Thriller vor. Zwar erfindet er das Rezept dabei nicht neu, arrangiert aber die bekannten Zutaten zu einer schmackhaften Spannungsmahlzeit.
Lino Ventura ist diesmal nicht der knallharte Stoiker, sondern ein Normalo, den es letztlich durch Zufall in eine fremde Welt verschlägt, die ihn komplett überfordert. Bis zum Schluss wird er nicht wissen, worum es überhaupt geht, mit wem er es zu tun hat und in was für einen Schlamassel er da hineingeraten ist. Der Streifen ist konsequent erzählt aus der Perspektive Férriauds. Damit teilen wir ungefiltert dessen Gefühl von Ohnmacht und Ausgeliefertsein. Es gibt niemanden, der vertrauenswürdig ist; es ist unklar, wer die Wahrheit sagt und wer welche Ziele verfolgt und auf wessen Seite steht. Leichen verschwinden spurlos, um an anderer Stelle wieder aufzutauchen; eine mysteriöse Frau (Claudine Auger) scheint Férriaud wohlgesonnen, verfolgt aber auch eigene Ziele. Am Ende der Geschichte werden die Ereignisse heruntergespielt, entweder als völlig alltägliche Geschehnisse deklariert oder als Hirngespinste abgetan. Dazu gibt es den mit unterschwelliger Drohung geäußerten Rat, alles einfach zu vergessen.
Unterstützt wird diese fast unwirkliche Atmosphäre durch die Bebilderung des Streifens. Im krassen Gegensatz zur düsteren Geschichte wirkt Barcelona hell und geheimnislos. Férriaud bewegt sich in einer geradezu sonnendurchfluteten Stadt, in der die Menschen der „normalen“ Welt ihren Geschäften nachgehen, während er selbst dadurch umso mehr wie ein Fremdkörper wirkt.

Rating: $$$$

Splatter:

2/10

 

 

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