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Narbengesicht

Info

OT: 
Scarface

AT:
Scarface, the Shame of a Nation (von der Zensur aufoktroyiert)

Jahr: USA 1932
R: Howard Hawks
B: Ben Hecht et al. u.a. W.R. Burnett
K: Lee Garmes, L. William O’Connell
M: Shelton Brooks, Adolph Tandler
D: Paul Muni, Ann Dvorak, Karen Morley, George Raft

Quelle: TV (arte)

 

Inhalt

Zwar kontrolliert „Big Louis“ Costillo (Henry J. Vejar) noch das Alkoholgeschäft in Chicagos Southside, doch befindet er sich bereits auf dem absteigenden Ast, denn im Syndikat fangen etliche bereits an, auf eigene Rechnung zu arbeiten. Die Konsequenz: Costillos Leibwächter Tony Camonte (Paul Muni), der insgeheim bereits für Costillos abgefallenen Angestellten Johnny Lovo (Osgood Perkins) arbeitet, tütet den alternden Syndikatschef kurzerhand ein, um Johnny in den Sattel zu verhelfen.
Mit Faust und Knarre stoppt Tony Abspaltungstendenzen innerhalb der Organisation, und bald nimmt die ganze Southside Sprit von Johnny Lovo ab. Aber Camonte sieht auch den vorsichtigen Lovo nur als Übergangslösung. Entgegen der ausdrücklichen Anweisung Johnnys dehnt er seine Zwangsmaßnahmen auch auf die Northside aus, kontrolliert von der mächtigen O’Hara-Gang. Der darauffolgende Bandenkrieg ist kurz und heftig. Am Ende heißt es: Winner takes all, und der heißt Tony Camonte, denn auch Johnny Lovos Tage sind jetzt gezählt.
Doch wohin führt der weitere Weg, wenn man schon ganz oben steht? Eben, und das gilt auch für Tony Camonte.

Zitate

Camonte: „Ich krieg noch eine Gesichtsmassage.“ – Inspektor Guarino (C. Henry Gordon): „Die können Sie auch bei uns bekommen.“ (Verhaftung beim Friseur)

Guino (George Raft): „Hör auf so zu reden: Du bist noch ein Kind.“ – Francesca (Ann Dvorak): „Ich habe erwachsene Gedanken.“

Angelo (Vince Barnett) am Telefon: „Dann schreiben Sie sich’s auf! … Ach, Sie auch nicht?“

Die Kritik des Gunslingers:

Neben „Der öffentliche Feind“ und „Der kleine Cäsar“ gehört „Narbengesicht“ zu den großen amerikanischen Gangsterfilmen der 1930er-Jahre. Produziert von Exzentriker Howard Hughes, hatte es der von Howard Hawks inszenierte Streifen erstmal nicht einfach, in die Kinos zu kommen. Zu huldigend empfand man damals den Tenor des Werks, das lose an die Geschichte von Al Capone angelehnt ist. Hughes ließ also einen mahnenden Vorspann einklinken, der Regierung und Bürger auffordert, endlich gegen das Gangunwesen aktiv zu werden. Außerdem scheint eine große Szene nachgedreht worden zu sein, in der der Zeitungsverleger (Purnell Pratt) neue Gesetze und konsequentere Polizeiarbeit gegen die Gangster fordert.
Noch gravierender war aber der alternative Schluss, den Hughes drehen ließ, um den Wünschen der Zensur gerecht zu werden. Hawks hatte ursprünglich vorgesehen, dass Camonte mit leergeschossener Knarre sein Leben aushaucht, als ihm sein hartnäckiger Verfolger Inspektor Ben Guardino etliche Kugeln verpasst. In der von Hawks unter Zensurdruck realisierten Fassung wimmert Camonte vor Guardino zwar um Gnade. Doch als der ihm Handschellen anlegen will, reißt sich der Gangster los, und stirbt im Kugelhagel der Polizei. Aber auch dieses Ende fiel durch. So drehte Robert Rosson eine weitere Version, in der Guardino Camonte tatsächlich verhaftet. Kern ist hier eine Prozesssequenz, in der der Richter dem Angeklagten die Leviten liest und zum Tode durch den Strang verurteilt. Der Film endet mit der Hinrichtung. Im Rosson-Ende spielt allerdings Paul Muni nicht mehr mit.
Doch unabhängig von seinem Schluss, ist der Streifen für seine Entstehungszeit bemerkenswert rau geraten. Leichen fliegen aus fahrenden Autos, es gibt jede Menge Drive-by-Shootings und Shootouts sowie rasante Verfolgungsjagden mit reichlich Maschinenpistoleneinsatz. Die Action ist auch heute noch sehenswert und dazu gut fotografiert. Dazu enthält der Film eine Menge zum Teil grimmigen Humor, wenn sich etwa Camonte nicht um die herumfliegenden Kugeln schert, sondern begeistert über die Vorteile der neuen, handlichen Maschinenwaffen doziert. Ein paar schöne Szenen hat in diesem Zusammenhang Vince Barnett, der Tonys Privatsekretär Angelo gibt und hauptamtlich für die Komik zuständig ist (siehe oben (wink)). Ein gutes Beispiel übrigens dafür, wie die Welt der Gangster ein Zerrbild der normalen Zivilgesellschaft dargestellt wird. Gleiches gilt auch für das traditionelle „italienische“ Familienbild, das sich in der Beziehung Tonys zu seiner aufmüpfigen Schwester Francesca widerspiegelt. Hier eine „inzestuöse“ Beziehung hinein zu geheimnissen, wie es einige tun, finde ich aber ein wenig stark.
Im insgesamt guten Cast sind auch George Raft, dem man Nähe zum echten Gangstertum nachsagte, und Boris Karloff zu finden. Raft führte hier das erste Mal seine bis heute legendäre und häufig parodierte kleine Fingerübung mit einer Münze vor. Karloff hatte gerade seinen Durchbruch mit „Frankenstein“ erzielt. Allerdings: Die Dreharbeiten zu „Scarface“ waren beendet, bevor „Frankenstein“ ins Kino kam. Aber da die Querelen mit der Zensur den Kinostart von „Scarface“ herauszögerten, war „Frankenstein“ bereits durch, als letzterer an den Start ging.

Rating: $$$$$ (inklusive einem halben Klassiker-Dollar)

Splatter:

0/10

 

 

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