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Neun im Fadenkreuz

Info

OT:
Sans Mobile apparent

AT:
Senza Movente

Jahr: F/I 1971
R, B:
Philippe Labro
B:
Jacques Lanzmann, Vincenzo Labella
K:
Jean Penzer
M:
Ennio Morricone
D:
Jean-Louis Trintignant, Carla Gravina, Dominique Sanda, Gilles Segal

Quelle: TV (arte)

 

Inhalt

An nur einem Tag enden gleich zwei wohlhabende Bürger in Nizza mit einem Loch in der Stirn: erschossen von einem Scharfschützen in einem Abstand von nur wenigen Stunden an durchaus öffentlichen Orten. Das ruft Inspektor Stéphane Carella (Jean-Louis Trintignant) auf den Plan, stärkstes Pferd im Stall der örtlichen Polizei. Doch da die Presse von Beginn an kräftig Druck macht, will die Polizeiführung Erfolge sehen, und zwar molto presto. Am besten, indem man ein paar Linke einbuchtet.
Doch Carella glaubt nicht an politisch motivierte Morde, zumal die Serie an den darauf folgenden Tagen weiter geht und sich nicht nur auf Angehörige der Oberschicht beschränkt. Trotz massiver Verstärkung durch Bullen der Nationalpolizei, kommen die Ermittlungen kaum vom Fleck. Bis Carella ein Muster erkennt, das den Durchbruch zu bedeuten scheint: Sämtliche Mordopfer spielten acht Jahre zuvor in einem schmonzettigen Amateur-Theaterstück von Uni-Dozent Palomba (Paul Crauchet) mit. Und der Killer scheint exakt anhand der Besetzungsliste vorzugehen.

Zitate

Carella: „Ich hab’ nicht verlangt, dass du denkst. Hol mir nur die Akte.“ (Damit die Schergen auch wissen, wo der Hammer hängt)

Kleinberg (Erich Segal): „Ich bin ein gefälliger Mann.“ (Bekenntnisse eines Schwarzgeld-Boten)

Carella: „Was glauben Sie, was man alles entdeckt, wenn man im Privatleben anderer Leute herum kramt.“

Die Kritik des Gunslingers:

Philippe Labro, eher als Autor, denn als Regisseur (u.a. "Der Greifer") in Erscheinung getreten, kann in seinem Krimi die eingangs gemachten Versprechen leider nicht einlösen. So sind die Erwartungen an den Streifen, der nach einem Roman des Amerikaners „Ed McBain“ entstand, bis zum Ende des ersten Drittels hochgeschraubt.
Wir sehen Kommissar Carella, den besten Pistolenschützen von Nizza, wie wir bald darauf erfahren, gleich in einer der ersten Szenen vor seiner Ex-Freundin (Carla Gravina) mit der Knarre posen und dazu wölfisch grinsen. Nach dem zweiten Mord wittert der Vizepräfekt (André Falcon) gleich „die Linken“ als Drahtzieher hinter den Anschlägen. Carella, der Misanthrop mit Waschzwang, wiederum ist bekennender Kritiker des Establishments mit seinen dicken Schweizer Bankkonten. Und die Stieftochter (Dominique Sanda) des ersten Opfers ist dem Inspektor noch aus der Vergangenheit bekannt, als er ein Drogensyndikat auseinandernahm. Und auch die Presse kriegt in diversen Einstellungen ihr Fett weg. Ah, ein rauer Polizeifilm, gepaart mit französisch-gesellschaftskritischem Thriller-Touch, seeeehr fein, denkt der routinierte Verkoster einschlägiger Genreware und irrt sich gewaltig.
Läppisch ist sie dann fast, die Verknüpfung mit dem Theaterstück und einer in die Binsen gegangenen Aftershow-Party. Das erinnert an Whodunit-TV-Krimis, in denen es nur darum geht, wer von den ehemaligen Mitwirkenden denn nun einen solchen Rochus auf die Spielpartner hat. Weder Thriller- noch Poliziotto-Schiene wird ernsthaft weiterverfolgt. Gut, die Atmo, die Fotografie und nicht zuletzt der stets neurotisch wirkende Inspektor, klasse gespielt von Trintignant, reißen’s zum Teil raus. Es gibt zudem einige echt gelungene Sequenzen, wie die Verhöre, die zu einem zusammengeschnitten sind: Die Fragen Carellas, alle aus der gleichen Perspektive gestellt, beantwortet immer ein anderer Verdächtiger. Und auch Ennio Morricones Soundtrack stellt sich mit seinem Titelthema, getragen von Stopftrompete und Whistling, in den Dienst des Ganzen. Aber alles in allem ist das zu wenig. Mich hat der Streifen angesichts seines Potenzials tatsächlich ein wenig enttäuscht.
Noch zwei Schlauscheißer-Facts: Carla Gravina hatte auch in „Töte Amigo“ mitgewirkt. Am Set wahrscheinlich entwickelte sich eine Liaison mit Hauptakteur Gian Maria Volonté, aus der eine Tochter hervorging. Von wegen töte *lach*. Erich Segal, der hier den Astrologen Kleinberg spielt, war ebenfalls vor allem als Autor tätig und unter anderem am Skript zu „Yellow Submarine“ beteiligt. So, habe fertig.

Rating: $$$

Splatter:

1/10

 

 

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