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Perfekte Erpressung, Die

Info

OT:
Revolver

AT:
La Poursuite implacable
Revolver – Die perfekte Erpressung

Jahr:
I/F/D 1973
R, B: Sergio Sollima
B: Arduino Maiuri, Massimo De Rita
K: Aldo Scavarda
M: Ennio Morricone
D: Oliver Reed, Fabio Testi, Paola Pitagora, Agostina Belli

Quelle: DVD (Colosseo). Dank fürs Rezi-Exemplar!

 

Inhalt

In Paris endet ein unbequemer Politiker (Jean Degrave) mit einer Ladung Blei im Balg auf dem Straßenpflaster. Tatverdächtig ist Jean-Daniel Auger (Gunnar Warner), ein gefeuerter Leibwächter, der seinem einstigen Brötchengeber Haue angedroht haben soll. Doch Jean macht angeblich handfeste Bekanntschaft mit einem Vorortzug. Die Einzelteile identifiziert der Popsänger Al Niko (Daniel Beretta), ehemaliger Kumpel des Verunfallten. Klappe zu, Fall gelöst.
Kurze Zeit später entführen Unbekannte in Mailand Anna Cipriani (Agostina Belli), Gattin des stellvertretenden Gefängnisdirektors Vito Cipriani (Oliver Reed). Die Finsterlinge wollen so den französischen Kleinganoven Milo Ruiz (Fabio Testi) freipressen, der nach einem Bruch hinter Schwedischen sitzt. Vito, kein Kind von Traurigkeit, versucht, aus Ruiz erstmal die Namen seiner „Freunde“ rauszuprügeln, muss aber erkennen, dass der wohl tatsächlich eher als Einzelgänger unterwegs ist. Zumindest behauptet Ruiz standfest, niemanden zu kennen, dem an seiner Freilassung gelegen sein könnte.
Da Vito die Zeit wegläuft, ermöglicht er Milo die Flucht aus dem Bau, kassiert ihn jedoch direttamente wieder ein, um ihn an die Erpresser zu übergeben. Der „Gefangenenaustausch“ scheitert aber, und Anna verschwindet erstmal spurlos. Mit Milos Hilfe, mit dem ihn inzwischen fast so was wie Sympathie verbindet, kommt Vito wieder auf die Spur des gekidnappten Ehegesponses, die nach Frankreich führt. Nach einem so illegalen wie abenteuerlichen Grenzübertritt – auch Vito ist inzwischen polizeilich gesucht – finden sich die Beiden in Paris ein, und zwar bei Al Niko, einst ein guter Freund Milos.
Nun beweist sich der schon früh gehegte Verdacht, dass es nicht Nächstenliebe war, die hinter Milos Freipressung stand: Die Drahtzieher des Politikermords, die bewusst die Spur nach Paris gelegt hatten, wollen mit Milo lediglich einen unliebsamen Mitwisser eindampfen. Und jetzt wird’s richtig unangenehm.

Zitate

Al: „Ein Freund bleibt immer ein Freund.“ (Ja, ja …)

Milo: „Ich komm’ mir vor wie eine Zielscheibe im Luna-Park.“

Vito: „Du bist ein mieses Schwein!“ – Garnier (Fréderic de Pasquale): „Sie sitzen in der Falle, Polizist.“

Garnier: „Besser wie ein Mensch zu sterben, als wie ein Tier gejagt zu werden.“

Die Kritik des Gunslingers:

Mit „Revolver“ griff der gesellschaftskritische Sergio Sollima prinzipiell auf das nur leicht veränderte Setting seines Italowesterns „Der Gehetzte der Sierra Madre“ zurück: Die feine Gesellschaft, vergammelt bis ins Mark, benötigt in beiden Fällen ein Bauernopfer, um ein Verbrechen zu vertuschen und ungestört zur Tagesordnung übergehen zu können. Hier sind es kleine Gauner wie Jean-Daniel und Milo, dort der mexikanische Strauchdieb Cuchillo. Sollima zeichnet das nihilistische Bild einer Gesellschaft, das fest in der Hand von organisiertem Verbrechen und Großkapital ist.
Selbstredend sind auch alle staatlichen Instanzen – Justiz und Polizei – unterwandert, so dass Hilfe nicht zu erwarten ist. Sie unterstützen vielmehr dabei, störende „Elemente“ wegzusperren oder ganz zu eliminierent. Neben mächtigen Strippenziehern
halten das System auch die vielen Mitläufer und Profiteure am Kacken, die aus Gier oder Angst mittun. Solche Leute wie Al Niko, der nach dem Politikermord einzig aus Publicity-Gründen die Leiche eines namenlosen Strohmannes als die des zum Mordverdächtigen aufgebauten Jean-Daniel identifiziert. Und wer sich einmal so in die Hände der Mächtigen begeben hat, kommt nie wieder heraus. Zumindest nicht lebendig (wink).
Der Streifen braucht eine kurze Zeit, bis er auf Touren kommt, zündet dann aber den Spannungsturbo und bleibt dann bis zum Ende am Gas. Erster Höhepunkt ist der klasse fotografierte Grenzübertritt von Vito und Milo mit Hilfe der Profi-Schlepperin Carlotta (Paola Pitagora), die aus idealistischen Gründen verfolgten linken Aktivisten über die Grenze nach Frankreich hilft. Der Zug der Gruppe übers tief verschneite Gebirge, immer in Gefahr, von Grenzpatrouillen auf Skiern oder im Helikopter entdeckt zu werden, macht nicht nur von der Spannung her, sondern auch optisch eine Menge her.
Schauspielerisch begegnen sich Oliver Reed und Fabio Testi auf Augenhöhe. Dabei nehmen die Figuren eine geradezu gegenteilige Entwicklung. So resigniert der ursprünglich rechtschaffene  Gefängnisbeamte zunehmend und mit wachsender Durchdringung der systemischen Abläufe. Am Ende erkennt er seine Machtlosigkeit angesichts der scheinbaren Omnipotenz des Apparates
widerstandslos an und will nur noch seine Ruhe haben. Milo hingegen lässt sich durch Carlotta, mit der ein kurzes Kröschen beginnt, aufrütteln. So entwickelt er sich vom Profiteur, der die Gegebenheiten für sich materiell ausnützt, zum Streiter, der in einen von Beginn an hoffnungslosen Kampf zieht.
Das Ende des Streifens ist im übrigen superdeprimierend und lässt keinen Raum für Hoffnung auf Besserung. Dazu passend ist der Morricone-Score, den in weiten Teilen das Piano dominiert.

Rating: $$$$$-

Splatter:

2/10

 

 

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