Access Keys:
Skip to content (Access Key - 0)

Toggle Sidebar

Info

OT: 
Le Corbeau

Jahr: F 1943
R, B: Henri-Georges Clouzot
B: Louis Chavance
K: Nicolas Hayer
M: Tony Aubin
D: Pierre Fresnay, Pierre Larquey, Ginette Leclerc, Micheline Francey

Quelle: TV (arte)

 

Inhalt

In einer französischen Kleinstadt hat sich seit einigen Monaten ein neuer Arzt niedergelassen: Dr. Rémy Germain Ist ein verschlossener, humorloser Einzelgänger mit zudem nebulöser Vergangenheit, der niemanden an sich heranlässt. Gleichzeitig legt er an sich und seine Umgebung höchste moralische Prinzipien an. Das trägt nicht dazu bei, dass irgendjemand den Doc für den Beliebtheitspreis nominiert.
Eines Tages beginnen in exponentiell steigender Zahl, anonyme Briefe aufzutauchen. Der Verfasser, der sich „Der Rabe“ nennt, denunziert zwar viele Personen – von Trunksucht über Diebstahl und Drogenhandel bis zu Faulheit, Korruption und Ehebruch. Aber im Mittelpunkt der Schreiben steht immer Dr. Germain, den der Rabe mit besonderem Hass verfolgt. Als die Sudelbriefe allmählich auf fruchtbaren Boden treffen, kippt auch die Stimmung im bis dato friedvollen Örtli.
Es macht sich eine Stimmung aus Paranoia und Rachsucht breit. Nur knapp entgeht eine der Verdächtigen dem Tod durch einen Lynchmob, nachdem sich einer der Briefempfänger, ein Patient Germains, nach Lektüre mittels Rasiermesser unter die Radieschen verabschiedet hat. Da es offensichtlich das Ziel des anonymen Sudelbruders ist, den Doktor zu vertreiben, will ihn die Gemeinde so schnell als möglich loswerden. Zusammen mit dem Psychologen Michel Vorzet (Pierre Larquey) unternimmt Rémy dennoch den Versuch, dem Raben das Handwerk zu legen.

Zitate

Denise (Ginette Leclerc): „Sie gehen also?“ – Germain: „Nein, ich hau‘ ab.“

Vorzet: „Ein anonymer Briefeschreiber gehorcht Beweggründen, die viel geheimnisvollerer Natur sind. Die geben schon Durchschnittsmenschen eine schwere Nuss zu knacken. Wie soll da ein Durchschnittspolizist diese Beweggründe verstehen?“

Germain: „Man merkt, dass Sie viel mit Wahnsinnigen um gehen.“ – Vorzet: „Immer zu Ihren Diensten.“

Die Kritik des Gunslingers:

Clouzots zweite Regiearbeit entstand in schwieriger Zeit, um es mal euphemistisch auszudrücken. Frankreich war von den Deutschen besetzt, und so produzierte auch eine Filmfirma unter deutscher Leitung diesen Streifen. Nach dem Krieg belegte man den Regisseur wegen Kollaboration mit Berufsverbot; Hauptdarsteller Fresnay wurde sogar eingelocht. Während Clouzot später wieder Fuß fasste, war Fresnays Karriere so gut wie beendet.
Heute ist der Streifen rehabilitiert und gilt als einer der ersten französischen Noirs. Atmosphäre, Plot und der Einsatz von Licht und Schatten ziehen deutliche Verbindungen zum parallel aufblühenden Film Noir US-amerikanischer Provenienz. Man beachte etwa die Einflüsse des deutschen Expressionismmus der Zehner und frühen Zwanziger Jahre. Zudem zieht sich das Motiv des Bürgers, der durch von ihm nicht zu beeinflussende, fremdbestimmte Umstände die Kontrolle über sein Leben verliert, als Motiv durchs Genre.
Hier kommt noch das Problem dazu, dass sich der Protagonist moralisch über seine Mitmenschen erhebt, ohne dazu auf Grund seiner Vergangenheit ein Recht zu haben: die zynischen Kollegen, die sich über ein brandiges Bein kaputtlachen können, oder die allgemeine Lüsternheit, insbesondere in Gestalt von Denise ... Bezeichnend ist die Einstiegsszene, in der sich der Doc nach einer Not-OP in einem Wasserfass die blutigen Hände reinigt. Besser hätte es Pontius Pilatus auch nicht hingekriegt (Zwinkern).
Denise ist eine fast schon klassische Noir-Figur, das good-bad girl: durch einen Unfall in Kindertagen mit einem zu kurzen Bein „gesegnet“, lässt sie ihre Bitterkeit an ihren zahlreichen Lovern aus. Aber im Innern sucht sie halt nur was Echtes zum Kuscheln, nech. Das good-bad girl – erscheint zwiespältig, hat aber guten Kern – ist eigentlich beheimatet im amerikanischen Film Noir mit seinem zerrissenen und zerstörten Personal.
Sehr schön herausgearbeitet ist die wachsende Paranoia in der Stadt. Zu Beginn schmeißt fast jeder die Briefe direkt in den Mülleimer. Doch mit zunehmender Penetration überlegen sich die braven Leute, ob nicht doch was an den wüsten Anschuldigungen dran ist. Zwar beteuert man, dass alles sei doch Humbug. Gleichzeitig fängt man an, seine Nächsten argwöhnisch zu beobachten: Geht Frau Nachbarin in letzter Zeit nicht etwas häufig zum Briefkasten? Was treibt meine Tochter eigentlich, wenn ich nicht da bin? Bald ziehen sich die Risse durch die gesamte Gemeinde bis runter in die Familien. Clouzot spielt das Spiel virtuos: Bis zum Ende lässt er seinen Protagonisten zappeln. Meint er, den Täter endlich und totsicher ausfindig gemacht zu haben, sprechen Indizien auf einmal für den nächsten Kandidaten. Sehr klasse gemacht. Dazu gibt’s eine Menge Seitenhiebe auf die Gesellschaft, die der Denunziation bereitwillig Tür und Tor öffnet, sowie ihre Repräsentanten aus Politik, Polizei und – natürlich (Zwinkern) – Post.

Rating: $$$$$

Splatter:

2/10

 

 

Bitte beachten Sie unsere Datenschutzrichtlinien