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Ratten im Secret Service

Info

OT: 
Danger Route

Jahr: GB 1967
R: Seth Holt
B: Meade Roberts, Robert Stewart
K: Harry Waxman
M: John Mayer
D: Richard Johnson, Gordon Jackson, Carol Lynley, Harry Andrews, Sam Wanamaker

Quelle: TV (ARD)

 

Inhalt

Der osteuropäische Biochemiker Balin (Reg Lyle) ist in den Westen übergelaufen, doch wird in britischen Secret-Service-Kreisen kolportiert, der Wissenschaftler spreche mit gespaltener Zunge. Also ergeht Auftrag an den besten Knipser Ihrer Majestät, Jonathan Wilde (Richard Johnson), den Mann für wie üblich 3.000 Pfund unter die Erde zu bringen. Wilde, der aus Tarnungsgründen mit seinem Secret Service-Kollegen Brian Sterne (Gordon Jackson) eine kleine Yachtenwerft auf Jersey betreibt, hat die Schnauze aber voll vom Job. Der Balin-Auftrag soll sein letzter sein; danach plant der Womanizer, sich mit seiner schnuckeligen Freundin Jocelyn (Carol Lynley) auf Mallorca zur Ruhe zu setzen. Die Zeit für den Job ist denkbar kurz: Vier Tage bleiben, um den in CIA-Obhut befindlichen Balin zu erledigen, denn solange hält der sich zwecks Meinungsaustauschs mit britischen Wissenschaftlern im UK auf. Der Kill gelingt, aber Wilde wird von den CIA-Knechten geschnappt. Und deren Chef Lucinda (Sam Wannamaker) erzählt ihm Unglaubliches: Angeblich soll der gute Jonathan über einen unbekannten Maulwurf im Secret Service zu Mordaufträgen missbraucht worden sein, deren Ausführung allein im Interesse der Kollegen auf der anderen Seite des eisernen Vorhangs lag. Nachdem die CIA Wilde „entwischen“ lässt, gilt es für ihn, den Augias-Stall auszumisten: Doch wo anfangen?

Zitate

„Für diesen Job muss man ganz jung sein und lässig. Ich bin beides nicht.“

„Ich bin 37 und trinke Bacardi … mit Eis und Soda. Morgens, mittags, abends und manchmal auch nachts.“

Mrs. Canning (Sylvia Syms): „Ist Jonas Ihr wahrer Name?“ – Wilde: „Ich bin aber nicht so friedlich wie der Mann im Walfischbauch.“

Lucinda (Sam Wannamaker): „Vertrauen ist außer Mode gekommen. Das hat man euch offenbar noch nicht mitgeteilt.“ (Lucinda gibt das Motto des Films aus)

Die Kritik des Gunslingers:

Frostiger britischer Thriller, dem man mit leicht herbei geredeten James-Bond-Vergleichen nicht gerecht wird. Obwohl natürlich Gemeinsamkeiten von Wilde und Bond offensichtlich sind: Beide arbeiten für einen britischen Geheimdienst, haben Schlag bei Frauen und sind alles andere als Abstinenzler – Wilde steht auf Bacardi, Bond halt auf den geschüttelten Martini. Doch während die Bond-Filme immer over the top angelegt sind, bleibt dieser Streifen am Boden und verkneift sich knochenernst nahezu jede Tongue-in-Cheek-Attitüde. So, und jetzt mal Schluss mit den Anglizismen, Darling.
Jonathan Wilde verliert komplett seine Bezugspunkte: Als ihm klar wird, dass er niemandem mehr vertrauen kann, gerät sein bis dahin geordneter Lebensraum aus den Fugen. Allein gelassen stochert er erst im Nebel, und als dieser sich schlussendlich lichtet, stellt sich alles noch viel schlimmer dar als befürchtet. Insofern lehne ich mich vielleicht gar nicht mal soweit aus dem Fenster, wenn ich diesen Streifen in eine Reihe stelle mit den amerikanischen Film noirs.
Mit Hauptdarsteller Richard Johnson, einem bekannten britischen Film- und Theaterschauspieler, ist die Titelrolle adäquat besetzt: ein mit seinen 37 Jahren schon etwas müde gewordener Hitman des Geheimdienstes, der sich noch einmal mit ganzer Kraft reinhängen muss, um zu überleben. Johnson hatte im übrigen Regisseur Terence Young einen Korb gegeben, als der ihn ein paar Jahre vorher für seinen ersten Bond-Streifen für die Hauptrolle haben wollte; danach kam Sean Connery zum Zuge. Später tauchte er auch in einigen Italo-Produktionen auf, unter anderem von Lucio Fulci und Sergio Martino. Weiter erwähnenswert im Cast ist noch Diana Dors, in den 50ern die britische Antwort auf Marilyn Monroe: Hier gibt sie in einer Nebenrolle die lebenshungrige, aber gleichzeitig vom Dasein enttäuschte Haushälterin, die daher für die berechnenden Annäherungsversuchen Wildes, nun ja, sehr empfänglich ist.
Der feine Titelsong, der an Petula Clark gemahnt, entfleucht der Kehle von Anita Harris, die ab 1967 einen fetten Hit und einige kleinere Chart-Erfolge im UK verzeichnen konnte. Ansonsten wirkte sie in diversen Brit-Filmen mit, spielte Theater und Musical, machte Jazz und hatte diverse TV-Shows. Im Score macht sich im übrigen eine Sitar breit: Sehr ungewöhnlich für einen derartigen Streifen und wahrscheinlich Zugeständnis an den Zeitgeist ;-). So, genug gelabert. Kommen wir jetzt zur Wertung.

Rating: $$$$

Splatter:

2/10

 

 

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