Access Keys:
Skip to content (Access Key - 0)

Toggle Sidebar

Schocker, Der

Info

OT: 
Traitement de Choc

AT:
L'Uomo che uccideva a Sangue freddo
Der Preis für ein Leben

 

Jahr: F/I 1973
R, B, M: Alain Jessua
B: Roger Curel
K: Jacques Robin
M: René Koering
D: Alain Delon, Annie Girardot, Robert Hirsch, Michel Duchaussoy

Quelle: TV (arte)

 

Inhalt

Helène Masson (Annie Girardot) ist Ende 30, besitzt eine gut gehende Fabrik, fühlt sich aber complettamente ausgelutscht. Burnout würden wir vielleicht heute sagen. Umso mehr, als sie ihr letzter Lover wegen einer deutlich Jüngeren abgesägt hat. Also begibt sich Helène in die Obhut des Erholungszentrums von Dr. Devilers (Alain Delon), malerisch an der Atlantikküste gelegen.
Devilers bietet für ausgesucht betuchte Patienten eine spezielle Frischzellenkur an, die den schlaffen Body auf Vordermann bringen und drohendes Winkfleisch in seine Schranken weisen soll. Die Patienten sind alles Stammgäste und kommen teilweise seit mehr als zehn Jahren, um sich vom Doktorchen das legendäre Serum spritzen zu lassen. Eine seltsam verschworene Gemeinschaft, wie Helène findet, sich aber erstmal nix weiter dabei denkt, zumal sie sich nach ihrer ersten „Anwendung“ blendend fühlt.
Doch dann bringt sich ihr Freund Jerôme (Robert Hirsch) um, als der sich die Behandlungen nicht mehr leisten kann. Und der Schock öffnet Helène die Augen für allerlei ungewöhnliche Vorkommnisse im Institut Devilers‘. Das portugiesische Servicepersonal beispielsweise, das nicht nur offensichtlich keine Aufenthaltsgenehmigungen hat, ungewöhnlich viel trinkt, sondern auch unter seltsamen Kreislaufzusammenbrüchen leidet. Ganz zu schweigen von der hohen Fluktuation. Oder die geheimnisvolle und höchst wirksame Spritzkur, auf die alle scharf sind wie Junkies auf den nächsten Schuss.
Um mehr rauszukriegen, beginnt sie ein Kröschen mit dem Dottore, und tatsächlich kommt sie hinter dessen Geheimnis. Doch ist dieses Wissen nicht zuträglich für ihre eigene Sicherheit.

Zitate

Meereswind ist eine gute Geschäftsbasis.“ (Helène, als sie den Doktor im Privatflugzeug einfliegen sieht)

„Die Spanier letztes Jahr waren noch schlimmer. Die fielen um wie die Fliegen.“ (Ja, ja, das Reizklima)

„So wie bei primitiven Völkern werden immer die Schwachen geopfert.“ (Des Doktors Geschäftsmodell)

Die Kritik des Gunslingers:

Zwar zählt dieser Streifen zu den erfolgreichsten Filmen des Independent-Filmers Alain Jessua, doch ist das Werk hierzulande eher unbekannt geblieben. Trotz der eigentlich prominenten Besetzung. Liegt vielleicht auch daran, dass es bis dato nicht in der Glotze gelaufen ist. Dank von hier aus also an den Sender arte, der im Zuge seines Delon-Hofknickses tief gegründelt hat.
Der Film ist im besten Sinne ein Schauspielerfilm, in dem sich mit Alain Delon und Annie Girardot zwei Größen des französischen Kinos gegenüber stehen. Zweiter Player ist die Atmo: Sehr rasch überträgt sich ein gewisses Unwohlsein auf den Zuschauer. Eigentlich ist im Institut vordergründig alles tutti – heilsames Mikroklima, entspannende Anwendungen, freundliche Angestellte. Auf den zweiten Blick ist das Ganze aber schnell gebrochen: die klebrige Stammkundschaft, die irgendwas zu verbergen scheint, das etwas seltsame Verhalten des portugiesischen Personals, das überaus schlechte Image des Etablissements im nahegelegenen Dorf. Spätestens mit dem Ende Jerômes, seinen Äußerungen zu Klinik und Therapie ist klar, dass das Unwohlsein nicht nur psychologisch, sondern auch durch die Fakten unterfüttert ist. Von da an zieht Jessua die Spannungsschraube behutsam, aber unerbittlich weiter an.
Visionär ist vielleicht das Attribut, das dem Streifen gerecht wird. Es geht um die panische Angst unserer Gesellschaften vor Alter und Tod. Jeder ist prinzipiell bereit, bis zum Äußersten zu gehen, um seinen Zipfel von Jugend und Attraktivität möglichst lange festzuhalten. Doch nur die Reichsten haben die Möglichkeit dazu, zumeist auf Kosten der Armen. Sogenannte Lifestyle-Medizin steckte zur Entstehungszeit des Streifens noch in den Kinderschuhen, ist heute aber ein Mördergeschäft. Im wahrsten Sinne, denn zugunsten des hohen Profits aus Fett- und Faltenkillern bleibt Grundlagenforschung für viele Krankheiten auf der Strecke. Leidtragende sind hier wieder sehr oft die Armen, womit wir den Kreis an dieser Stelle schließen. Ein Geschäft, das ein Selbstläufer geworden ist.
Klar, der Film ist eine Delon-Oneman-Show. Doch die stemmt er locker aus der Hose: Sein Doc ist smart, gutaussehend und bar jeder Skrupel. Er knattert seine Patientinnen und verachtet gleichzeitig seine Klientel. Ein Dealer, der so lange nett und freundlich ist, solange du genug Pennunzen auf der Naht hast und keine Fragen stellst.

Rating: $$$$+

Splatter:

3/10

 

 

Bitte beachten Sie unsere Datenschutzrichtlinien