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Info

OT: 
Reign of Terror

AT:
Guillotine
The Black Book

Jahr: USA 1949
R: Anthony Mann
B: Philip Yordan, Aeneas MacKenzie
K: John Alton
D: Robert Cummings, Richard Basehart, Arlene Dahl, Arnold Moss

Quelle: DVD (Koch). Dank fürs Rezi-Exemplar!

 

Inhalt

1794 erreicht in Frankreich die Schreckensherrschaft des von Maximilien de Robespierre (Richard Basehart) geleiteten Wohlfahrtsausschusses ihren Höhepunkt: Zu Tausenden enden „Feinde der Revolution“ zumeist ohne Prozess auf der Guillotine. Robespierre hat nur ein Ziel: Der Nationalkonvent soll ihn zum Alleinherrscher wählen. Problem: Dem guten Max ist sein „Schwarzes Buch“ abhanden gekommen: eine Kladde mit Namen von Revolutionsfeinden, inklusive Angaben zu ihren Vergehen. Ein feines Druckmittel, um aufmüpfige Parteifreunde im Zaum und auf Kurs zu halten. In den falschen Händen allerdings würde das Büchlein Robespierre den Kopf kosten. Also muss das Ding wieder her, bevor der Konvent wieder zusammentritt.
Max lässt also aus Straßburg den ihm unbekannten Staatsanwalt Duvall anreisen, einen ebenfalls blutgierigen Diener der Revolution. Der soll das Buch herbeischaffen, und zwar presto innerhalb von 24 Stunden. Was der Revolutionslenker nicht weiß: Duvall hat ins Gras gebissen und statt seiner steht als „Duvall“ sein Mörder auf der Matte, der junge oppositionelle Adlige Charles D’Aubigny (Robert Cummings). D’Aubigny, nun ausgestattet mit allen polizeilichen Vollmachten, sehr zum Ärger des windigen Joseph Fouché (Arnold Moss), des eigentlichen Polizeichefs, nimmt Kontakt auf zur Opposition. Diese wird angeführt von Paul Barras (Richard Hart), der ebenfalls unbedingt in Besitz des Buchs kommen will, um Robespierre endlich unter dem Schafott zu sehen und die Terrorherrschaft zu beenden.
Das Pariser Pflaster ist jedoch extrem vermint, und neben Fouché, der nur auf seiner eigenen Seite steht, macht dem lieben Charles insbesondere der listige und misstrauische Robespierre-Verbündete Louis de Saint-Just (Jess Barker) das Leben schwer. Bald brennt der Boden unter D’Aubignys Schnallenschuhen.

Zitate

Fouché: „Ihr könnt mir vertrauen.“ – D’Aubigny: „Kann ich das?“ – „Nein.“

„Auf den ersten Blick hält man sogar jemanden wie Euch für ein menschliches Wesen.“ (D’Aubigny tauscht Komplimente mit Saint-Just)

Robespierre: „Nur mit einem langen Strick kann man jemandem aufknüpfen.“

Die Kritik des Gunslingers:

Ja, liebe Freunde, ich war skeptisch, verdammt skeptisch: ein Noir, der während der Französischen Revolution spielen soll? Nun ja, um es gleich vorwegzunehmen: Das funktioniert, und zwar hervorragend. „Das Schwarze Buch“ ist die bisher größte Überraschung, die uns Koch im Rahmen der „Noir“-Reihe vorsetzt. Meine Meinung.
Wenn wir ehrlich sind ist die Zeit zwischen 1793 und Mitte 1794, auch bekannt als „Jakobinische Schreckensherrschaft“, tatsächlich prädestiniert als Setting für einen Film Noir: Spitzel überall, eine kalte Atmosphäre fortwährender Bedrohung und Angst, ein fast anarchisches Morden mit Hilfe der Staatsorgane. Paranoia all überall. Und genau das fängt der Streifen ein. Wir finden die klassischen Stilmittel, wie Low-Key-Beleuchtung oder verkantete Kameraperspektiven, um eine Welt zu zeigen, die aus den Fugen geraten ist. Niemandem ist zu trauen, jeder hat Dreck am Stecken. Wir streifen durch die dämmrigen Knäste der Jakobiner, das geheime Folterstübchen Robespierres; Kutschen rasen durch die Nacht. Wir befinden uns nicht in einem Kostümfilm, sondern in einem waschechten Thriller, phasenweise noch dazu mörderspannend, der lediglich einen Time-Warp hingelegt hat. Kameramann John Alton, der gebürtige Ungar, zählt zu den fünf besten Noir-Fotografen. Er hat die Streifen Anthony Manns, mit dem er ein paar Mal zusammenarbeitete, entsprechend veredelt. Hier lässt er noch einiges an Stummfilm-Ästhetik einsickern, in seinen Massenaufnahmen, seinen schlaglichtartig hervorgehobenen Gesichtern, den verwinkelten
Häusereinstellungen.
Es gibt keine Stars in diesem eher rauen Film, der für das Poverty-Row-Studio Eagle-Lion teuer war, verglichen mit Major-Produktionen aber mit kleinem Budget auskam. Schauspielerisch herausstechend ist die Schurkenseite. Jess Barker als durchtrieben-grausamer Saint-Juste und – noch eindrucksvoller – Theaterschauspieler Arnold Moss als Wendehals Fouché, ein bekennender Illoyaler, streng auf den eigenen Vorteil bedacht. Moss’ Sohn schrieb später übrigens später etliche Song-Klassiker der „Sesamstraße“, unter anderem Ernies legendäres „Quietscheentchen-Lied“. Arlene Dahl, die hier die einzige größere weibliche Rolle bekleidet, war ein Jahr verheiratet mit Lex Barker und hatte gerüchteweise ein Kröschen mit John F. Kennedy, als der noch Senator war.

Rating: $$$$$ (Ich bin selbst überrascht ;-))

Splatter:

2/10