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Info

OT: 
Le septième Juré

Jahr: F 1962
R: Georges Lautner
B: Jacques Robert, Pierre Laroche
K: Maurice Fellous
M: Jean Yatove, Antonio Vivaldi
D: Bernard Blier, Maurice Biraud, Francis Blanche, Danièle Delorme

Quelle: TV (arte)

 

Inhalt

Grégoire Duvall (Bernard Blier) ist ehrenwerter Kleinstadt-Apotheker, verheiratet mit Geneviève (Danièle Delorme) und gesegnet mit zwei inzwischen fast erwachsenen Kindern. Doch innerlich kotzen ihn sein vermufftes Spießerdasein und die lieblose Ehe schon lange an, die er zunehmend als Gefängnis empfindet.
Ein Sonntagsausflug mit Familie an einen nahegelegenen See bringt die unerwartete Wende. Während Ehegespons und Sprösslinge rudern gehen, vertritt sich Grégoire nach einem üppigen Mahl die Beine. Er trifft auf die ihm flüchtig bekannte Catherine (Françoise Giret), die ein Sonnenbad nimmt. Halb nackt auch noch. Grégoire vergisst sich und erdrosselt dann das Mädchen, aus Angst entdeckt zu werden.
Schon bald locht der ermittelnde Kommissar (Jean-Pierre Montier) einen Verdächtigen ein: Sylvain Saudral (Jacques Riberolles), ebenfalls gesellschaftlich eher am Rande stehender Freund des Opfers und von Zeugen schwer belastet. Ein „Bilderbuch-Mörder“ für den Kleinstadt-Mob. Duvall wiederum ist als Mitglied der „guten Gesellschaft“ als Geschworener für den Prozess bestellt, in dem das Urteil vorher bereits festzustehen scheint. Aber der von so etwas wie Reue geplagte Grégoire versucht alles, um Saudral vor der Guillotine zu retten.

Zitate

Es soll auch Gewissensbisse geben, heißt es. Bis jetzt habe ich nichts davon gespürt. Dabei müsste ich doch ein Gewissen haben.“ (Grégoire aus dem Off)

Kommissar: „Das ist die erste Hinrichtung in unserer Stadt. Man fing ja schon an einzuschlafen.“

Dr. Hess (Maurice Biraud): „Die Unschuldigen sind in diesem Jahr unerträglich.“

Die Kritik des Gunslingers:

Die Maniax schätzen Georges Lautner vor allem wegen seiner mit Witz und Tempo inszenierten Gangsterstücke („Die Mordrezepte der Barbouzes“, „Nimm’s leicht, nimm Dynamit“). Hier legt er eine tolle Mixtur aus Krimi, Gerichtsthriller und ätzender Gesellschaftssatire oder –drama vor.
Am Anfang steht ein völlig ungeplanter Mord, fast ein Unglücksfall, der die gesellschaftlichen Fronten absteckt. Das Opfer: jung, lebenslustig, fröhlich, verachtet durch die Kleinstadtgesellschaft. Der Täter: respektiert, seriös, gut situiert. Grégoire ist gleichzeitig Off-Kommentator der Geschehnisse und seiner inneren Befindlichkeit, die trostlose Langeweile eines Saturierten. Zu Beginn ergeht er sich hierbei in den abstrusesten Gedankenspielen, um die Tat auch vor sich selbst zu rechtfertigen. Von „Opfer hat selbst Schuld“ bis „es war ja eigentlich kein Mord, sondern eine Hinrichtung“, die gerechte Strafe für einen liederlichen Lebenswandel. Ein Wust aus gesellschaftlichem Dünkel, Selbstmitleid und Vorurteilen. Ins Groteske verzerrt.
Der Tenor der Kommentare ändert sich allmählich mit Fortschreiten der Geschehnisse, als Grégoire immer mehr bereit ist, seine Schuld anzunehmen und sogar zu begleichen. Erst hofft er noch, vergleichsweise glimpflich davonzukommen, indem er Saudral im Prozess raushaut. Es stellt sich aber raus, dass dies zu wenig ist. Die Kleinstadt fordert einen Kopf, will aber den Seinen nicht akzeptieren. Erst im gruseligen Finale bietet sich Grégoire doch noch die Möglichkeit, reinen Tisch zu machen, wenn auch anders als erwartet.
Nicht nur vom tollen Cast her – mit Bernard Blier an der Spitze – spielt der Streifen in der Spitzenliga. Auch Kameraführung und Inszenierung sind vom Feinsten. Klasse etwa die wöchentlichen Bridge-Runden in Souchons Kneipe: eine Bilderbuchversammlung der städtischen Honoratioren, inklusive ordentlich Cognac, Tabakqualm und markigen Sprüchen. Hier wird nicht nur die Politik bestimmt, sondern im Idealfall werden auch Todesurteile gefällt. Lediglich der städtische Tierarzt, Dr. Hess, schießt mit seinen beißenden Kommentaren ab und an quer, hat aber letztlich auch nicht viel mehr als Worte zu bieten.

Rating: $$$$$

Splatter:

0/10