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St. Pauli zwischen Nacht und Morgen

Info

OT: 
St. Pauli zwischen Nacht und Morgen
AT:
Premiers Lueurs de l’Aube
Plaisirs pervers

Jahr: D/F 1967
R: José Benazeraf
B: Wolfgang Steinhardt
K: Georges Bulogh/Peter Baumgartner
M: Frank Valdor
D: Helmut Förnbacher, Rolf Eden, Eva Christian, Bob Iller

Quelle: DVD (Pidax). Dank fürs Rezi-Exemplar!

 

Inhalt

Helmut Bertrand (Helmut Förnbacher) ist noch nicht lange im Internationalen Büro der Schweizer Drogenfahndung, als man ihn abstellt, in Hamburg gegen einen Rauschgiftring zu ermitteln. Zentrum der illegalen Aktivitäten ist der Club von Kiez-Größe „Bernie“ (Rolf Eden). Hier wackeln nicht nur ein paar Tanzmäuse kräftig mit Hintern und mehr, es wechselt auch die eine oder andere Erfrischung den Besitzer, ohne dass man Bernie am Zeug flicken kann.
Bertrand soll sich also in Bernies Inner Circle einsickern lassen, um Beweise ranzuschaffen. Die Gelegenheit dazu kommt schneller als erwartet: Bei einem Raubüberfall auf den Club hilft der Undercover-Bulle ordentlich mit seinem Schießeisen aus und gewinnt so Bernies Vertrauen. Der weiht den Neuen dann auch rasch in seine Pläne ein: Aufgrund des Fahndungsdrucks soll Schluss sein mit den Drogen. Stattdessen soll ein penibel ausgetüftelter Überfall auf einen Geldtransport zwei Millionen Scheinchen ins Portemonnaie spülen.
Helmut, der sich zwischenzeitlich in die Tänzerin Arlette (Eva Christian) verliebt hat, schmiedet indes eigene Zukunftspläne.

Die Kritik des Gunslingers:

Vorliegender Streifen zeigt deutlich den Übergang im Schaffen des europäischen Top-Exploiters Erwin C. Dietrich. Er beginnt sich abzuwenden von den Krimis eher Wallace’scher Prägung, um sich neuen Gefilden mit *hust* anderen Schauwerten zuzuwenden. Herausgekommen ist eine wunderbare Mischung aus rüdem Exploitation-Kino und Heist-Film, die mich trotz aller technischen und inhaltlichen Schwächen zu begeistern wusste.
Bereits innerhalb der ersten drei Filmminuten geht Bob Iller Eva Christian an die Wäsche, weil sie nicht strippen will, die anschließend ihren Turkey auslebt, bis ihr Dunja Rajter den erlösenden Schuss verpasst. Nicht schlecht, Frau Specht, das weckt Erwartungen. Zwar geht’s nicht in diesem Tempo und dieser Manier weiter, weil sich der Streifen immer wieder ausbremst, was in erster Linie an der etwas zähen Liebesgeschichte zwischen Arlette und Helmut liegt. Aber generell gibt’s allerhand zu sehen: viel Sixties-Club-Atmo mit einem „twistenden“ Damen-Trio (Christian, Dunja Rajter und eine mir unbekannte Schöne), eine heftig ausgedehnte und psychedelisch angehauchte Kiffszene, St.-Pauli-Lokalkolorit von Reeperbahn bis Fischmarkt, Polizisten, die ohne mit der Wimper zu zucken auf dem proppevollen Hamburger Dom rumballern und den Schurken mal eben so in den Rücken schießen und dergleichen mehr.
Der Streifen ist klasse fotografiert und mit einem schwülstigen Instro-Score unterlegt, der verhallten Stopftrompeten-Jazz, stampfende Beat-Stückchen und Orgeleien beinhaltet. Schauspielerisch bleibt alles im Rahmen: Herausragend ist allerdings Rolf Eden als verlebter Bandenchef, den nichts mehr schocken oder begeistern kann. Regisseur José Benazeraf war in erster Linie im Soft- und Hardcore-Genre beheimatet, legte hier aber amtlich vor. Der Rest der hinter der Kamera Beteiligten gehörte zumindest zeitweise dem Dietrich-Universum an. Da wir alles andere als seriös sind, liebe Freunde, scheue ich mich nicht, an dieser Stelle die Höchstnote zu vergeben – drei supersubjektive Liebhaberpunkte inklusive. Tolle Wurst.


Rating: $$$$$ (Trash!)

Splatter:

1/10

 

 

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