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Strohpuppe, Die

Info

OT: 
Woman of Straw

Jahr: GB 1964
R: Basil Dearden
B: Robert Muller, Stanley Mann
K: Otto Heller
M: Beethoven, Berliosz et al.
D: Gina Lollobrigida, Sean Connery, Ralph Richardson, Johnny Sekka

Quelle: DVD (Pidax). Dank fürs Rezi-Exemplar.

 

Inhalt

Konzernchef Charles Richmond (Ralph Richardson) ist so reich wie garstig: Krank und an den Rollstuhl gefesselt, triezt und demütigt er seine Mitmenschen nach Belieben. Vorzugsweise Opfer seiner Attacken sind seine Dienstboten und sein Neffe Anthony (Sean Connery), der als sein Sekretär angestellt ist.
Dann wird eine neue Krankenpflegerin, Maria Marcello (Gina Lollobrigida), vorstellig. Nicht nur Anthony ist Feuer und Flamme für die schöne Italienerin, auch Charles ist durchaus angetan, was unter der rauen Schale aber kaum jemand merkt. Und Anthony sieht in Maria sofort die geeignete Komplizin, um an die Pennunzen des verhassten Alten zu kommen. Sein Plan sieht vor, dass Maria Charles heiratet und der sein Testament zu ihren Gunsten ändert. Nach Ableben des siechen Alten wird geerbt, wobei Anthony sich mit der vergleichsweise schmalen Summe von einer Million Pfund bescheiden will.
Das Vorhaben geht insoweit auf, dass Charles Maria tatsächlich einen Heiratsantrag macht und auch sein Testament wie geplant ändert. Doch dann laufen die Dinge ganz anders, als zumindest von Maria erwartet.

Zitate

Charles Richmond erweist sich als wahrer Schatz:

zu Anthony: „Wie dein Vater: kein Rückgrat. Wenn’s brenzlig wird, kneifst du.“

zu Maria: „Sie waschen sich regelmäßig, Miss … äh?“

am Essenstisch: „Ein herrlich primitives Geschöpf, dieser Thomas. Keine Bildung, keinen Ehrgeiz, aber weiß, worauf es ankommt.“

„Eine liebenswerte Natur ist keine Garantie gegen Krankheit und Tod. Was nützt sie also?“

Die Kritik des Gunslingers:

1964 war der gute Sean bereits auf James Bond geeicht. Da holte ihn Regie-Routinier Basil Dearden für die Strohpuppe noch mal als Schurken vor die Kamera. Und er hat in dieser Hinsicht alles richtig gemacht. Als Thriller hat der Streifen definitiv Startprobleme. Es geht zwar nicht langweilig zur Sache, doch in Sachen Charakterexposition nimmt sich der Plot definitiv etwas viel Zeit. Irgendwann weiß man halt, dass Charles Richmond ein *hust* schwieriger Zeitgenosse ist. Da bringt die x-te Nickligkeit gegen seine beiden Butler Thomas (Johnny Sekka) und Fenton (Danny Daniels), fürwahr leidgeprüfte Brüder, keine weitere Erkenntnis. Und auch das Zusammenkommen von Maria und Anthony hätte durch eine straffere Erzählweise wohl nichts verloren.
Doch in der zweiten Hälfte zieht Dearden die Spannungsschraube kräftig an und dreht die Schose auf Psychothriller. Immer weiter entblättert sich ein teuflisch perfekter Plan, in dem von Beginn an nichts, kein Wort, keine Aktion, zufällig war. Hervorragend ist das Hauptdarsteller-Trio. Fangen wir mal bei Mr. Bond an (wink). Sean Connery ist großartig als der gutaussehende, charmante und geldgierige Tunichtgut, der die Gemeinheiten seines Onkels offensichtlich mit einem lockeren Lächeln an sich abperlen lässt. Im Hintergrund wartet er nur darauf, seinen bereits fix und fertig in der Schublade ruhenden Plan zu Rache und vor allem Bereicherung in die Tat umsetzen zu können. Und dabei wiederum nutzt er nicht nur die Geringschätzung des Alten ihm gegenüber genial aus, sondern auch die Zuneigung Marias ist ihm willkommenes Mittel zu Zweck.
Ihr nämlich ist die Kohle relativ wurscht: Sie träumt zwar von einem besseren Leben, doch möchte sie in erster Linie Anthony zu Gefallen sein und sich durch ihr – eher widerwilliges – Mitspielen seiner Liebe würdig zeigen. Dabei gerät sie durch ihre Naivität in ernsthafte Schwierigkeiten. Gina Lollobrigida sieht selbstredend fantastisch aus, macht ihre Sache aber auch jenseits körperlicher Reize klasse. Sie stattet Maria mit einer echt gemeinten Warmherzigkeit aus, die selbst den gletscherkalten Charles Richmond zumindest zum Antauen bringt (wink). Ralph Richardson, ein schauspielerisches Schwergewicht, gibt den kranken Großmufti nicht nur einseitig als rassistischen Fiesling. Immer wieder blitzen Maria gegenüber auch weiche Momente auf, die bei mir fast sowas wie Sympathiesplitterchen losbrachen *lach.
Otto Heller, tschechischer Kameramann, hatte in den 1920ern und 1930ern bereits zahlreiche Streifen in Deutschland und Österreich fotografiert („Der Zinker“). Hier sorgt er für die feine Kameraarbeit, ergänzt um eine schöne Farbdramaturgie.

Rating: $$$$

Splatter:

0/10

 

 

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