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Testament des Dr. Mabuse, Das

Info

OT: 
Das Testament des Dr. Mabuse

Jahr: D 1933
R:
Fritz Lang
B:
Thea v. Harbou
K:
Fritz Arno Wagner, Carl Vass
M:
Hans Erdmann
D:
Gustav Diessl, Otto Wernicke, Oscar Beregi Sr., Wera Liessem

Quelle: TV (arte)

 

Inhalt

Tom Kent (Gustav Diessl) kriegt nach einem Knastaufenthalt, dem ihm ein Eifersuchtsmord eingebracht hat, kein Bein mehr an Deck. In seiner Not heuert der ehemalige Ingenieur in einer Falschmünzerwerkstatt an, die zu einem weit verzweigten Gangster-Imperium gehört. Chef der Bande ist ein Unbekannter, der sich „Dr. Mabuse“ nennt und mit offensichtlich sinnlosen Verbrechen, die selbst seine „Angestellten“ nicht verstehen, die Gesellschaft zu destabilisieren sucht.
Kommissar Lohmann (Otto Wernicke), der mehrere dieser auf den ersten Blick nicht zusammenhängenden Delikte untersucht, steht vor einem Rätsel. Erst allmählich schwant dem passionierten Zigarrenraucher, dass alles in eine Schublade gehört. Doch wer steckt dahinter? Dr. Mabuse (Rudolf Klein-Rogge), der einst geniale Superverbrecher, hockt nämlich seit Jahren mit Mattscheibe in der Klapse von Professor Baum (Oscar Beregi Sr.), hat seit dem kein Wort mehr gesprochen und verbringt die Tage in der Geschlossenen damit, wie ein Wahnsinniger *Lach* Pläne für weitere Verbrechen aufzuschreiben.
Erst als sich Tom Kent, aufgrund seiner Skrupel inzwischen selbst auf der Abschussliste der Organisation, an den Kommissar wendet, geht’s richtig voran mit den Ermittlungen.

Zitate:

Kent: „Ich will mit Mord nichts zu tun haben!“ – Fritzi: „Hast wohl Schiss, hä? Kannst keen Blut seh’n, wa’?“

Hardy (Rudolf Schündler): „Raus, raus, nix wie raus! Durch die Hintertür!“ – Anni (Camilla Spira): „Wir haben keine Hintertür.“ – „Was?? Ihr Idioten nehmt euch ’ne Wohnung, die nur einen Ausgang hat!?“

Die Kritik des Gunslingers:

Mit diesem Streifen legte Fritz Lang ein Werk vor, das in etlichen Aspekten Pioniercharakter hat. So führt er hier beispielsweise Charaktere zusammen, die er unabhängig voneinander bereits in früheren Filmen verwendet hatte. Die Figur des Dr. Mabuse entstammt dabei dem zehn Jahre zuvor entstandenen Streifen „Dr. Mabuse, der Spieler“, während Kommissar Lohmann zwei Jahre früher in „M – Eine Stadt sucht einen Mörder“ ermittelt hatte, selbstredend auch hier verkörpert von den selben Darstellern – Rudolf Klein-Rogge und Otto Wernicke. In der Literatur beispielsweise greift James Ellroy ab und an auf diese Art des Samplings zurück.
Auch dem Medium des neuen Tonfilms gewann Fritz Lang neue Stilmittel ab: das unheimliche Flüstern aus dem Off beispielsweise oder auch szenenüberlappende Geräusche und Dialoge. Geradezu klassisch und später beispielsweise von Hitchcock oder auch Sergio Leone in anderer Form wiederverwendet, ist der Kniff, ein Geräusch in die folgende Szene zu übernehmen und dabei seine Bedeutung komplett zu ändern. Hier ist es das Ticken einer Höllenmaschine, das übergeht in das Köpfen eines Frühstückseis. Bei Hitchcock war es das Brechen von Fingerknochen vs. das Brechen eines Baguettes beim Abendessen („Frenzy“); bei Leone eine Bartrasur und das Striegeln eines Pferdes („Mein Name ist Nobody“).
Optisch lässt sich an diesem Streifen auch der immense Einfluss sehen, den der deutsche Film beispielsweise auf den kommenden Film noir hatte. Schräge, teilweise noch in Richtung Expressionismus zeigende Perspektiven, ein Licht-Schatten-Spiel, das sich gerade im späteren amerikanischen und französischen Thriller-Kino wiederfindet. Nicht umsonst zählt Fritz Lang, der mit dem „Testament des Dr. Mabuse“ übrigens seinen letzten deutschen Vorkriegsfilm machte, bevor er über Frankreich in die USA emigrierte, zu den produktivsten Noir-Regisseuren.
Der Streifen ist in drei Handlungsstränge unterschiedlicher Qualität gegliedert, von denen der Plot um Kent und seine Freundin Lilli der schwächste ist. Diese liegt zu allererst an Wera Liessem, die Lilli haarsträubend anhänglich anlegt: Selbst als Tom ihr von seinen Morden erzählt, lächelt sie nur glücklich dazu. Ganja rules, sag’ ich da nur. Ansonsten ist der Film schauspielerisch top besetzt, und auch die Actionszenen – wie etwa der Brand der Chemie-Fabrik oder die Schießerei im Treppenhaus – sind wohl geraten. Die Nazis verboten den Streifen aufgrund seiner offenkundigen Anti-Haltung bereits vor der Uraufführung, so dass der Film hierzulande erst 1951 gezeigt wurde. Der Streifen war übrigens der letzte Film der Berliner Nero Film, einer kleinen Gesellschaft, die künstlerisch ambitionierte Streifen produzierte, u.a. „M“ oder „Die Büchse der Pandora“: Als die Nazis an die Macht kamen, musste Produktionschef Seymour Nebenzahl emigrieren.

Rating: $$$$+

Splatter:

0/10

 

 

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