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Unter falschem Verdacht

Info

OT: 
Quai des Orfèvres

Jahr: F 1947
R, B: Henri-Georges Clouzot
B: Jean Ferry
K: Arnaud Thirard
M: Francis Lopez
D: Bernard Blier, Suzy Delair, Louis Jouvet, Simone Renant

Quelle: TV (arte)

 

Inhalt

Marguerite (Suzy Delair) und Maurice Martineau (Bernard Blier) sind ein ungleiches Ehepaar: Sie nennt sich „Jenny Lamour“, ist ehrgeizig, lebens- und flirtlustig und will ihren Weg als Sängerin machen. Er dagegen ist studierter Musiker, Pianist, etwas spießig und rasend eifersüchtig. Zusammen treten die Beiden jeden Abend in einem Varieté auf.
Jenny wittert die große Chance, als ihr der schmierige Fabrikant Brignon (Charles Dullin) ein Filmangebot in Aussicht stellt. Brignon steht aber der Sinn weniger nach Kunst als vielmehr nach nackten Mädchen. So schleppt er der Fotografin Dora Monier (Simone Renant), Freundin von Jenny und vor allem Maurice, regelmäßig junge Modelle an, die er *hust* künstlerisch fotografieren lässt. Maurice lässt Brignon nicht im Zweifel, dass er ihn unter die Rabatten verlegen wird, wenn er Jenny nicht in Ruhe lässt und tut dies auch noch öffentlich kund.
Schon am nächsten Abend beißt Brignon in seiner Villa tatsächlich ins Gras, und das Ehepaar Martineau war unabhängig voneinander vor Ort. Jenny hatte den Lüstling zwecks Vertragsunterzeichnung heimlich aufgesucht und ihm in Notwehr eine Schampuspulle über die Rübe gezogen, als der ihr an die Wäsche ging. Dem Gatten hatte sie vorgegaukelt, ihre kranke Großmutter zu besuchen. Später am Abend schaut dann Maurice vorbei, der dem Ehegespons zufällig draufkommt und Brignon eigentlich umlegen will, doch nur dessen Leiche vorfindet. Auch Maurice hatte sich vorher ein Alibi besorgt. Beide vertrauen sich – unabhängig voneinander, bien sûr (wink) – ihrer Freundin Dora an und verpflichten sie zum Stillschweigen gegenüber dem jeweils anderen. Und Dora begibt sich ebenfalls in derselben Nacht zum Tatort, um verräterische Spuren zu beseitigen, hinterlässt dabei aber selbst welche.
Angesichts dieser komplizierten Gemengelage ist der ermittelnde Oberinspektor Antoine (Louis Jouvet) nicht zu beneiden. Doch der ist ein zäher, mit allen Wassern gewaschener Hund, und insbesondere das Alibi des in Verbrechensdingen eher unbeleckten Maurice gerät schnell ins Wanken.

Zitate

Antoine: „Man denkt, es ist ein ganz besonderer Fall, und es ist immer dasselbe: armselig und klein.“

Die Kritik des Gunslingers:

Henri-Georges Clouzot, der uns Klassiker wie „Lohn der Angst“ oder „Die Teuflischen“ bescherte, legt mit „Unter falschem Verdacht“ ein wenn man so will Krimidram vor, das sich in der zweiten Hälfte zu einem waschechten Film noir steigert. Der Streifen nimmt sich viel Zeit, uns die Dreiecksbeziehung zwischen Jenny, Maurice und Dora nahezubringen. Trotz der zahlreichen Flirtereien würde Jenny nie auf die Idee kommen, ihren geliebten Maurice zu hintergehen, den sie allerdings mit ihrer manchmal schroffen Art aus ihrem Innersten ausschließt. Der unscheinbare Maurice wiederum ist seiner und damit der Beziehung mit Jenny nicht sicher. Er lässt sich immer wieder durch den äußeren Anschein blenden. der seine völlig unbegründete Eifersucht befeuert. Dora ist die schillerndste Gestalt in dieser Triangel: Sie ist Maurices Jugendfreundin und heimlich wohl in ihn verliebt, scheint aber auch von Paradiesvogel Jenny über ihre Freundschaft hinaus angezogen.
In diesem ersten Teil macht der Film allerdings ein paar Miese, weil die ausführlichen Gesangsszenen von Suzy Delair das Tempo enorm rausnehmen. Die Suzy sieht zwar entzückend aus und hat stimmlich ordentlich was weg, ist aber für meinen Geschmack hier zu konventionell inszeniert, so dass auch für die Atmo nicht viel dabei rumkommt. Das ändert sich spätesten, als Maurice die Großmutter-Flunkerei der Gemahlin durchschaut und sie beim verhassten Brignon weiß. Kalt wie eine Hundeschnauze schnappt er sich seine Kanone und macht sich auf, dem Lüstling und vielleicht auch Jenny den Garaus zu machen. Dabei treibt er durch die Pariser Nacht, das „Eden“-Varieté, und entdeckt in der Brignon’schen Butze schließlich den entleibten Hausbesitzer.
Höhepunkte des Streifens sind ohne Zweifel die Szenen auf dem Polizeirevier. Dabei macht der französische Theaterstar Louis Jouvet als Antoine eine hervorragende Figur. Auf der einen Seite sich kümmernder Vater eines Sohnes, jovialer, etwas biederer Ermittler. Auf der anderen Seite ein knallharter, mit allen Wassern gewaschener Bulle, der auch nicht zögert, Zeugen zu erpressen oder im Verhör körperliche Gewalt zu dulden, wenn’s denn der Sache dienlich ist.
Jenny und Maurice befinden sich in einer schier ausweglosen Situation: Sie hält sich für eine Mörderin, möchte sich aber Maurice nicht anvertrauen, vor dem sie immer noch auf der Geschichte mit der kranken Großmutter beharrt. Doch ist sie in der Zwickmühle: Sie weiß
natürlich, dass Maurice nicht der Mörder ist. Doch Antoine gräbt immer mehr Indizien aus, die gegen ihn sprechen, und nur sie, Jenny, könnte ihn entlasten, zum Preis ihres eigenen Kopfs, den sie doch schließlich zu opfern bereit ist.
Der Streifen ist sehr schön fotografiert und ausgeleuchtet, angemessen der Atmosphäre trostloser Hoffnungslosigkeit. Das Ende hat mir jedoch ebenfalls nicht richtig geschmeckt, was auch zu leichten Punkteinbußen im Endresultat führt.

Rating: $$$$

Splatter:

1/10

 

 

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