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Verfahren ist eingestellt, vergessen Sie's!, Das

Info

OT: 
L'Istruttoria è chiusa: Dimentichi
AT:
Die Untersuchung ist abgeschlossen: Vergessen Sie alles (DDR)

Jahr: I 1971
R, B:
Damiano Damiani
B:
Dino Maiuri, Massimo de Rita
K:
Claudio Ragona
M:
Ennio Morricone
D:
Franco Nero, Riccardo Cucciolla, Claudio Nicastro, Turi Ferro

Quelle: TV (WDR)

 

Inhalt

Für Architekt Vanzi (Franco Nero) bricht sein wohl situiertes, gutbürgerliches Leben zusammen, als er als Untersuchungshäftling unschuldig im Knast landet. Zeugen hatten ihn belastet, einen Betrunkenen auf einem Zebrastreifen zusammengefahren zu haben. Nun wartet Vanzi auf seine Anhörung, die den Irrtum aus der Welt schaffen soll. Aber die Mühlen der italienischen Justiz mahlen laaaaaaaaaangsam, und so scheint Vanzis Aufenthalt von längerer Natur zu sein.
Glücklicherweise kann man sich im Bau gegen Pennunzen, von denen der Herr Architekt reichlich hat, viele Annehmlichkeiten leisten. Und dank des ebenfalls inhaftierten Salvatore Rosa (Claudio Nicastro), Mafia-Statthalter und eigentlicher Anstaltschef, kann Vanzi seiner mit übellaunigen schweren Jungs belegten Zelle arrivederci sagen.
Stattdessen verschafft ihm Rosa eine Unterkunft mit zwei umgänglichen Mitgefangenen. Einer seiner neuen Mitbewohner, der unbeugsame Pesenti (Riccardo Cucciolla), hat massive Probleme: Er soll als Zeuge in einem Prozess aussagen, und könnte dort der „Ehrenwerten Gesellschaft“ massive Probleme bereiten. Also setzen die Knast-Repräsentanten der Mafia um den so netten Rosa alles dran, Pesenti zum Schweigen zu bringen. Und Vanzi kommt eine wichtige Rolle in diesem Spiel zu.

Zitate:

Vanzi: „Ich sitze wegen eines Irrtums hier!“ – Armando (Santo Simone): „Wir sitzen alle wegen eines Irrtums hier, eines Irrtums, den das Gericht begangen hat.“

Rosa: „Geld kann all das, was es kann, aber nicht mehr.“

Anwalt (Damiano Damiani): „Man kämpft nicht gegen Kolosse. Besser, man einigt sich.“

Die Kritik des Gunslingers:

Wie etwa im "Der Tag der Eule“ arbeitet sich Damiani auch hier wieder ab an der Verstrickung von Politik, Justiz und Exekutive mit dem organisierten Verbrechen. Diesmal legt er den Fokus allerdings nicht auf die Wirtschaft, sondern auf das System des Strafvollzugs. Doch der überlastete, manipulierte Justizapparat, der Verfahren verschleppt und somit exorbitante Haftzeiten selbst für kleinste Vergehen bewirkt, ist hier nur Randthema.
Viel wichtiger ist das Geschehen in den Haftanstalten, deren Insassen sich eigentlich in drei Gruppen unterteilen lassen: die Durchschnitts-Häftlinge, kraft Familiennamen oder Vermögen privilegierte Knasties und Mitglieder der Mafia. Während erstere sich mit frustriertem, korruptem Gefängnispersonal und eher rauen Haftbedingungen herumschlagen müssen, kommen Leute mit genug Totto auf der Naht in den Genuss von Sondervergünstigen wie spezielle Lebensmittel, bessere Zellen oder auch gelegentliche Knattereien mit Prostituierten. Die Mafiosi schließlich ziehen die Strippen sowohl innerhalb als auch außerhalb der Mauern. Ein Job für den arbeitslosen Sohn des Maresciallo (Turi Ferro)? Einfach Salvatore Rosa fragen Auf der anderen Seite ist es für Rosa ein Fliegenschiss, aus dem Stegreif eine Knastrevolte zu organisieren, nur um in den Besitz eines Kassibers zu kommen, der der Mafia gefährlich werden könnte. Ebenfalls selbstverständlich: Strafaktionen gegen Missliebige, für die Rosa wahlweise gemietete Schläger einsetzt oder Wachmannschaft und Personal der Krankenabteilung.
Auch Vanzi erfährt im Lauf seiner Haft, wie der Hase läuft und dass auch der Einfluss seines Geldes begrenzt ist. Am Ende beugt er sich dem System und fährt damit besser als der aufrechte Pesenti, der sich weder kaufen noch „beeinflussen“ lässt. Schließlich ist Vanzi derart assimiliert, dass es ihn auch nicht mehr groß juckt, als er erfährt, in was für einer abgekarteten Sauerei er unwissend einen tragenden Part übernommen hat. Im Gegenteil: Er fährt hervorragend damit, den Unwissenden zu mimen. In einer der bittersten Szenen des Streifens lügt Vanzi, schon längst wieder im Sattel sitzend, Pesentis Tochter ohne mit der Wimper die Tasche voll, als sie ihn nach dem Tod ihres Vaters befragt.
Klasse Schauspieler auf allen Ebenen: Franco Nero zieht einmal mehr den Kürzeren gegen den „Apparat“, und Claudio Nicastro ist unheimlich charmant. Sehr überzeugend auch Turi Ferro, dessen Maresciallo tief frustriert ist von seiner eigenen Lage, den Verhältnissen, dem Establishment, linken, „verweichlichten“ Studenten und letztlich immer glaubt, das kürzere Ende der Wurst in der Hand zu halten.
Ach, was soll’s: Heute vergeb’ ich mal wieder die Höchstnote.

Rating: $$$$$

Splatter:

3/10

 

 

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