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Vier im roten Kreis

Info

OT:
Le cercle rouge


AT:
I senza Nome

Jahr: F/I 1970
R, B: Jean-Pierre Melville
K: Henri Decaë
M: Eric Demarsan
D: Alain Delon, André Bourvil, Gian-Maria Volonté, Yves Montand

Quelle: TV (EinsPlus)

 

Inhalt

Profi-Einbrecher Corey (Alain Delon) steht kurz davor, nach fünf Jahren aus dem Knast in Marseille entlassen zu werden – wegen guter Führung. Da will ihm einer seiner Schließer (Pierre Collet) den Mund wässrig machen für einen „totsicheren“ Bruch bei einem Luxusjuwelier. Doch Corey ist nicht interessiert, hat die Schnauze voll vom Leben hinter schwedischen Gardinen.
Direkt nach seiner Entlassung sucht er seinen alten Boss Rico (André Ezyan) auf, der ihm noch was schuldig ist, zumindest für sein Dichthalten. Also erleichtert er ihn um ein paar hundert Scheine und seilt sich in einem neu erstandenen 1966er Plymouth Fury aus Marseille ab. Bei einer Rast in einem Diner versteckt sich der flüchtige Untersuchungshäftling Vogel (Gian-Maria Volonté) im nicht abgeschlossenen Kofferraum des Plymouth. Corey hat den blinden Passagier bemerkt und weiß aus dem Autoradio, um wen es sich handelt. Daher schleust er ihn durch die Straßensperren und nimmt ihn im Kofferraum weiter mit nach Paris.
Unterwegs kann ihm Vogel sogar das Leben retten, als Ricos Mobster Corey an die Wäsche wollen. Dabei werden allerdings die von Rico „geborgten“ Pennunzen unbrauchbar – blutverschmiert und kugellöchrig. Ohne Moos, nix los, also kramt Corey den Plan des Schließers aus der Schublade des Vergessens raus und entschließt sich, den Coup zusammen mit Vogel durchzuziehen. Als dritten Mann nimmt Corey Vogels Bekannten, den Ex-Bullen Jansen (Yves Montand) ins Boot. Der sieht den Coup als Mittel an, um seine Alkoholsucht in den Griff zu kriegen.
Das Ding läuft ab wie ein Uhrwerk, doch damit endet die Glückssträhne des Trios. Denn auf den Socken der Einbrecher steht mit Jansens Ex-Kollegen Kommissar Mattei (André Bourvil) ein unerbittlicher und findiger Spürhund. Zudem war ihm Vogel ein paar Tage zuvor entwischt, eine peinliche Schlappe. Und auch Rico hat noch ein Eisen im Feuer.

Zitate

Buddha: „Wenn es vorherbestimmt ist, dass Menschen einander wiedersehen sollen, was auch immer ihnen geschieht, auf welchen Wegen sie auch wandeln, am gegebenen Tag werden sie einander unvermeidlich ‚im roten Kreis‘ begegnen.“ (Eingangszitat des Streifens)

Polizeipräsident (René Berthier): „Es gibt keine Unschuldigen. Die Menschen sind Verbrecher.“ (Am Ende neigt auch Mattei dazu, die Meinung zu teilen)

Die Kritik des Gunsingers:

Nach seinem „Eiskalten Engel“ öffnete Jean-Pierre Melville, der Großmeister des französischen Gangsterkinos, einmal mehr die Eisschranktür sperrangelweit. Vorliegender Streifen ist ein Paradebeispiel für den französischen Noir und wie bei Melville üblich, ganz stark an die US-amerikanischen Vorbilder angelehnt. So fahren die Protagonisten selbstredend amerikanische Autos – Cory seinen Plymouth Fury, Jansen wahrscheinlich einen 1966er Mercury Colony Park – und tragen noch nicht einmal „waschechte“ französische Namen. Die fantastische Szene, in der Jansen ein Delirium tremens durchmacht, ist sogar als direkte Hommage an „Das verlorene Wochenende“ zu verstehen, dem Film-Noir-Klassiker von Billy Wilder. Low-Key-Beleuchtung, starke Hell-Dunkel-Kontraste und ein entsprechender Score punkten auf der technischen Seite.
Die Handlung verläuft in verschiedenen Erzählsträngen, die Melville im weiteren Verlauf immer weiter und immer dichter miteinander verdrahtet. Alles steht miteinander in Zusammenhang, jeder kennt jeden, und sei es über mehrere Ecken; wenn die Handlungsstränge zu weit auseinander liegen, um sie organisch miteinander verdröseln zu können, hilft der Zufall nach. Dass Vogel ausgerechnet in Coreys Wagen schlüpft … Zufall … Dass in der Straßensperre ein meckernder Trucker die Cops ablenkt … Zufall … Dass ein unbescholtener Abiturient mit Marihuana erwischt wird, wodurch sein Vater, der Nachtclubbesitzer Santi (François Perier) einknickt und für Mattei den Spitzel macht … Zufall.
Die Personen treiben wie meistens bei Melville nahezu beziehungslos und gefühlsarm durchs Geschehen. Kontakte sind fast ausschließlich professionell motiviert. Jeder ist auf seine Art einsam. Eine Ausnahme stellt das Gespann Corey/Vogel dar, zwischen denen sich fast so etwas wie Freundschaft entwickelt. Gesprochen wird nur das Nötigste. Schauplätze sind genreüblich gesichtslose Appartments, sehr amerikanisch anmutende Diners und Nachtclubs oder ein Auto.
Die Darsteller sind durch die Bank großartig, wobei ich am stärksten die Performance von Yves Montand empfand, der allerdings auch den charakterlich anspruchsvollsten Part hat. Die Szene, in der Jansen sich seine eigenen Kugeln für sein Präzisionsgewehr gießt, gibt’s übrigens so ähnlich auch in „Police Python 357 “, ebenfalls mit Montand. Kameramann Decaë („Fahrstuhl zum Schafott“) liefert einmal mehr eine superbe, stilsichere Arbeit ab. Der Score von Eric Demarsan liefert kleine Bebop-Besetzung mit Drums, Bass, Stopftrompete, Vibraphon und Piano, häufig als Musik aus dem Autoradio.

Rating: $$$$$

Splatter:

2/10

 

 

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