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Wenn du krepierst - Lebe ich

Info

OT: 
Autostop Rosso Sangue

AT:

Der Todes-Trip
Hitch-Hike (int.)

Jahr: I 1977
R: Pasquale Festa Campanile
B: Ottavio Jemma, Aldo Crudo, Pasquale Festa Campanile
K: Franco Di Giacomo, Giuseppe Ruzzolini
M: Ennio Morricone
D: Franco Nero, David Hess, Corinne Cléry, Joshua Sinclair, Carlo Puri

Quelle: DVD

 

Inhalt

Der italienische Journalist Walter Mancini (Franco Nero) und seine Frau Eva (Corinne Cléry) sind mit ihrem Camper auf Jagdurlaub im amerikanischen Westen unterwegs. Nach neun Jahren Ehe haben die beiden sich nicht mehr allzuviel zu sagen, Routine und Langeweile haben Einzug gehalten. Walter arbeitet motivationsarm im Zeitungsverlag von Evas Vater; sie trauert den schöneren Tagen der Beziehung nach, während er zur Ablenkung dem Hochprozentigen fröhnt und dann im Suff seinen aggressiven Frustrationen freien Lauf lässt.
Auf der Landstraße treffen sie auf den vermeintlich mit einer Autopanne gestrandeten Studenten Adam Konitz (David Hess) und lassen ihn mitfahren. Konitz bemerkt schnell die geladene Stimmung und feuert diese noch mit gezielten Provokationen an, bis Walter die Hutschnur reißt und ihm ordentlich einschenkt. Nun zeigt Konitz sein wahres Gesicht: er zückt seine Knarre und offenbart sich als psychopatischer Gewaltkrimineller. Seit einem Lohngeldraub ist er mit 2 Mio. $ alleine auf der Flucht, nachdem er seine Komplizen um die ganze Beute beschissen hat. Das unverdächtige Ehepaar soll ihn nun über die Grenze nach Mexiko schleusen, doch der Fahndungsdruck ist hoch und auch Konitz' Ex-Komplizen, das schwule Pärchen Oaks (Joshua Sinclair) und Hawk (Carlo Puri), haben die Fährte aufgenommen...

Zitate

Walter: "Sie werdens nicht glauben, aber dieses Biest da vorne [Anmerkung: ein Hirsch über dem Grill] hat was, was meine Frau liebend gerne auch hätte." - Camper: "Ach ja, was denn?" - Walter: "Einen Spieß von hinten."

Eva: "Schatz, glaubst du nicht, dass sich mein Vater freuen würde, wenn du ihm statt Spesenrechnungen auch mal einen Artikel schicken würdest?" - Walter: "Vergiss nicht, er hat ein schwaches Herz, hat der Doktor gesagt. Das wär vielleicht ein zu großer Schock für ihn, und das ist gefährlich, hehehe."

Walter: "Zwei Millonen Dollar können aus jeder Null 'nen großen Mann machen." - Konitz: "Ohhh, reden kannst du ganz gut, Reporter. Das ist dein Beruf. Aber in meinem Beruf, brauch ich nicht viel zu reden. Ich hab meinen Freund hier [deutet auf seine Waffe]. Er sagt alles, was nötig ist."

Die Kritik des Sargnagels:

Der ehemalige Literatur- und Filmkritiker Pasquale Festa Campanile fing Mitte der 50er Jahre als Drehbuchautor im Film-Biz an und konnte zusammen mit seinem Kompagnon Massimo Franciosa einige Meriten einheimsen, u.a. für Viscontis "Der Leopard" und "Rocco und seine Brüder". Sein Oevre als Regisseur umfasst allerdings grösstenteils eher windelweiche Kost wie Schnulzen, Komödien und Erotik-Klamotten. Unter all den Liebesschwüren und Herrenwitzen wirkt sein zynischer, misanthropischer Terror-Thriller wie die Katharsis im Schaffenswerk.
Gespickt mit etlichen Twists - manche offensichtlich, manche schön kaschiert - schickt er den Zuschauer auf einen gnadenlosen Roadtrip. Immer wieder öffnet er den Protagonisten Türen aus dem Martyrium, führt sie dann aber in Sackgassen oder lässt sie andersweitig genüsslich scheitern. Dabei verzichtet Campanile auf jegliche Sperenzchen wie Handkamera, Schrägeinstellungen und Schnittgewitter, inszeniert aber äußerst routiniert und handwerklich absolut sauber. Den Honig saugt der Streifen vor allem aus der Dreier-Konstellation Walter, Eva und Adam. Zentrale Rolle für die zwei Alphatierchen spielt die Frau. Nicht aber, um deren Gunst zu erwerben, sondern um dem Konkurrenten zu zeigen, wer Chef im Ring ist. Für Eva ist die Vergewaltigung durch Adam zwar Demütigung, aber keineswegs traumatisch - allzu oft wurde sie Opfer von Walter, der sich im Suff an ihr verging. Eva ist gefangen in ihrer Rolle, ihre Zukunft vorherbestimmt, selbst wenn sie versucht zu agieren statt passiv zu leiden. Der Dreierpack Nero/Hess/Cléry funktioniert hier bestens. Nero merkt man regelrecht an, dass er Freude hat, gegen sein übliches Rollen-Image anzuspielen; David Hess zündet wie einst bei "The Last House on the Left" ein kleines Psycho-Feuerwerk. Corinne Cléry, zwei Jahre zuvor durch den skandalumwitterten Soft-S&M-Streifen "Die Geschichte der O" bekannt geworden, zeigt, dass sie eindeutig mehr drauf hat, als nur die Hüllen fallen zu lassen.
Campaniles Streifen kann aber nicht nur bei Handlung und Charakteren voll punkten, sondern überzeugt auch bei Inszenierung und Action. Bezeichnend hierfür die Verfolgungsjagd zwischen LKW und Familienschaukel samt Camping-Anhänger auf der ungeteerten Passtraße, die gekonnt Spielbergs "Duell" zitiert. Auch die Shootouts sind fein eingefangen, beim Zusammentreffen zwischen Konitz mit der Polizei serviert man gar ein kleines Gore-Häppchen.
Summasummarum zieht man hier gerne eine Topwertung. Ein Highlight des italienischen Thriller-Kinos.

Rating: $$$$$-

 

 

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