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Info

OT: 
Phantom Lady

Jahr: USA 1944
R: Robert Siodmak
B: Bernard C. Schoenfeld (nach Cornel Woolrich)
K: Woody Bredell
M: Hans Salter
D: Ella Raines, Thomas Gomez, Franchot Tone, Alan Curtis

Quelle: DVD (Koch). Dank fürs Rezi-Exemplar!

 

Inhalt

Zwar haben die Hendersons Hochzeitstag, doch die Ehe von Scott (Alan Curtis) und Marcella existiert nur noch auf dem Papier. Und so hockt Scott, anstatt wie geplant in einer Musik-Show mit dem Ehegespons, in einer Kneipe und atmet frustriert Bourbon ein. Ebenso schlecht drauf ist eine Unbekannte (Fay Helm), die Scott zwischen zwei Whiskys überreden kann, mit ihm besagte Show zu besuchen, damit wenigstens die Karten nicht verfallen.
Als Henderson im Anschluss nach Hause kommt, sind die Cops schon da: Marcella ist nämlich hinüber, erdrosselt mit einer von Scotts Krawatten. Die Bullen reagieren eher belustigt auf das zugegebenerweise recht schwache Alibi des nun Hauptverdächtigen, zumal Scott weder den Namen seiner Zufallsbekanntschaft weiß, noch eine stichhaltige Personenbeschreibung liefern kann. Erschwerend kommt hinzu, dass sich die potenziellen Zeugen zwar an ihn, aber nicht an die Lady erinnern können und dass selbst eine Horde Privatdetektive die mysteriöse Unbekannte nicht auftreiben kann. Kein Wunder also, dass Scott nach einem Indizienprozess bald ein neues Krawattenmodell wird probetragen dürfen, gefertigt aus Hanf.
Seine Sekretärin Carol (Ella Raines), natürlich heimlich verliebt in ihren Boss, und – inoffiziell – der Cop Jeff Burgess (Thomas Gomez) glauben an die Unschuld des Verurteilten. 20 Tage bleiben ihnen, um dafür Beweise anzuliefern.

Zitate

Marlow (Franchot Tone): „Ein Mensch, der so hoch über allem steht wie ich, erlaubt niemandem, sich ihm in den Weg zu stellen.“

Die Kritik des Gunslingers:

Robert Siodmak entstammt wie Billy Wilder oder auch Edgar Ulmer aus der „Berliner Schule“, deren Mitglieder nach 1933 zumeist in Hollywood landeten und mit unterschiedlichem Erfolg dort Fuß fassten. Siodmak selbst hatte bis 1943 ein paar B-Movies und mit „Draculas Sohn“ 1943 einen ersten kleineren Erfolg inszeniert. Da machte ihm Joan Harrison, einige Jahre lang enge Hitchcock-Mitarbeiterin und seit 1944 unabhängige Produzentin, das Angebot, den Cornell-Woolrich-Roman „Phantom Lady“ zu verfilmen.
Der Rest ist fast schon Geschichte: „Phantom Lady“ bedeutete für Siodmak den Einstieg ins Noir-Genre, zu dem er einige der besten Beiträge beisteuern sollte wie beispielsweise „Rächer der Unterwelt“. Was diesen Streifen neben der fast schon expressionistischen Bildgestaltung und den effektvollen Schattenspielen auszeichnet, sind zwei abrupte Perspektivwechsel. So taucht der ursprüngliche Protagonist Henderson nach seinem Prozess nahezu unter. Es übernimmt die taffe Carol, die mit maximalem Einsatz versucht, die Wahrheit ans Licht zu bringen. Nach etwas mehr als der Hälfte taucht dann der wahre Killer auf, natürlich aus Scotts nächstem Bekanntenkreis, was wiederum zu einer Verschiebung der Erzählperspektive führt. Der so eitle wie verrückte Mörder bewegt sich selbstredend in unmittelbarer Nähe Carols und ist somit aus erster Hand immer über den Fortgang der Ermittlungen informiert.
Der Streifen baut die Stadt als kalten Ort unverbindlicher Lustbarkeiten auf, in dem emotional verbogene Individuen umeinander kreisen. Klasse beispielsweise Elisha Cook, einmal mehr als neurotischer Schmierlappen, dessen geilem Gesabber sich die brave Carol auf ihrer Suche nach Wahrheit aussetzen muss. Toll ist in diesem Zusammenhang die Szene, in der Cook/Raines zu einer BeBop-Jazz-Session in einem Hinterhaus stoßen. Inszeniert ist dies als expressionistischer Taumel, in dessen Mittelpunkt der durchgeknallte Drummer Cliff Milburn (Cook) steht. Der Film setzte Noir-Standards wie beispielsweise durch die Verwendung von Gemälden, später in "Gilda" aufgegriffen, oder auch durch den exzessiven Einsatz von Spiegeln.
Mit Kameramann Woody Bredell arbeitete Siodmak auch beim tollen „Rächer der Unterwelt“ zusammen.


Rating: $$$$

Splatter:

0/10