Access Keys:
Skip to content (Access Key - 0)

Toggle Sidebar

Boulevard der Dämmerung

Info

OT: 
Sunset Blvd.
AT:
Sunset Boulevard

Jahr: USA 1950
R, B:
Billy Wilder
B:
Charles Brackett, D. M. Marshman Jr.
K:
John F. Seitz
M:
Franz Waxman
D:
Gloria Swanson, William Holden, Erich v. Stroheim, Nancy Olsen

Quelle: TV (arte)

 

Inhalt

Als der ehemalige Provinzredakteur Joseph Gillis (William Holden) nach Hollywood kommt, hat er noch den festen Vorsatz „es“ als Drehbuchautor zu schaffen. Doch ein paar Jährchen später ist’s aus mit dem rosaroten Luftballon: Mehr als einige B-Movie-Scripts hat er nicht zustande gebracht, und die Auftragslage wäre mit „dürftig“ sehr euphemistisch beschrieben.
Auf der Flucht vor Repomen, die’s auf seinen Sportwagen abgesehen haben, landet er mit einer Autopanne an einer riesigen, offensichtlich verlassenen Villa. Doch der Kasten ist noch bewohnt, und zwar vom ehemaligen Stummfilmstar Norma Desmond (Gloria Swanson) und ihrem Ex-Gatten, Ex-Regisseur und aktuellem Dienstbolzen Max v. Meyerling (Erich v. Strohheim). Als Norma spitzkriegt, dass der ungeplante Gast Autor ist, legt sie ihm gleich ein wuchtiges Manuskript zur Begutachtung vor: das selbstgeschriebene Skript zu ihrem Comebackfilm „Salomé“. Gillis soll nun die grauenvolle Schwarte für 500 harte Dollars die Woche bearbeiten.
Der desillusionierte Autor willigt ein, da er eh’ nix besseres zu tun hat und den Zaster dringend benötigt, schon, um seinen weißen Sportwagen nicht zu verlieren. Er bezieht ein Zimmer in der mit Norma-Desmond-Devotionalien zugestellten Villa und taucht ein in eine bizarre Welt, gespeist aus Nostalgie, Verfall, Größenwahn und aufkeimendem Wahnsinn. Norma kontrolliert die Arbeit des Autors nicht nur mit Argusaugen, sondern nimmt den Schreiber auch immer mehr unter Beschlag und begeht gar einen Selbstmordversuch, als der völlig genervt und überfordert die Flucht ergreifen will. Gillis gibt nun alles auf und lässt sich auf ein Schranzendasein im goldenen Käfig ein. Doch die Dinge spitzen sich weiter zu, als ihm eine junge Kollegin (Nancy Olsen) wieder Lust aufs Schreiben macht und die beiden bald Frischverliebten heimlich an einem eigenen Stoff arbeiten. Nicht lange, und Norma, deren eigenes Filmprojekt von den Studios endgültig abgeschmettert wurde, kommt hinter Joes Aktivitäten. Und so was macht man halt nicht mit einer Norma Desmond.

Die Kritik des Gunslingers:

Der Film noir hatte nicht nur Thriller hervorgebracht, sondern auch viele Dramen mit nur marginalem Thriller-Bezug. Das wohl eindrucksvollste Melo legte Billy Wilder vor: eine schwarzhumorige Studie über Hollywood und den Studiobetrieb, übers Werden und Vergehen, um an dieser Stelle mal selbst etwas theatralisch zu werden ;-).
Besonders ungewöhnlich war damals die erzählerische Konstruktion des Filmes, der als eine umfassende Rückblende angelegt ist. Der Streifen macht auf mit dem kieloben im Swimmingpool treibenden Joe, erschossen von Norma. Joe ist von nun an unser Zeremonienmeister, der als Off-Erzähler durch die Geschichte begleitet und kommentiert. Die handelnden Haupt-Personen sind klassisches Noir-Personal: gebrochene Charaktere, die in düsterer Atmosphäre unaufhaltsam der nur zu schnell abzusehenden Entwicklung entgegen treiben.
Wilder vermischt Fiktion und Realität: So etwa in der Figur des Butlers und letzten Regisseurs von Norma Desmond, verkörpert von Erich v. Stroheim. Stroheim selbst hatte in den 20ern als Regisseur nicht nur aufgrund seiner ausufernden künstlerischen Visionen immense Probleme mit der Filmindustrie. Er hatte auch einige Male mit Gloria Swanson gedreht, die hier Norma Desmond spielt. Sein letzter Streifen, ebenfalls mit der Swanson, die mitproduzierte, geriet 1929 zum Debakel: Er wurde nie vollendet und brach Stroheim sowie in geringerem Maße Gloria Swanson das Genick. Diesen Film führt Stroheim/Meyerling im Übrigen im Heimkino von Norma Desmond vor.
Weiterhin lässt Wilder originale Stummfilm-Heroen auftreten, wie Buster Keaton oder Anna Q. Nilsson, die bei Norma Desmond zum Bridge-Spielen aufschlagen. Auch das Setting hat reale Hintergründe, so war etwa „Schwab’s Pharmacy“, in der sich Joe nach neuen Aufträgen umsieht, bis in die 50er-Jahre hinein tatsächlich Kontaktbörse fürs Business. Und in den Gesprächen wird immer wieder auf (damals) aktuelle Filmschaffende verwiesen.
Der Film ist mit einem Oskarprämierten Waxman-Score unterlegt, der Norma und Joe verschiedene Leitmotive zuordnet: Streicher gegen Bläser. Klasse auch die Darsteller.

Rating: $$$$$

Splatter:

0/10

 

 

Bitte beachten Sie unsere Datenschutzrichtlinien