Access Keys:
Skip to content (Access Key - 0)

Toggle Sidebar

Drei Vaterunser für vier Halunken

Info

OT: 
Il grande Duello
AT:
Le grand Duel (F)
The Big Showdown (USA)

Jahr: I/F/D 1972
R:
Giancarlo Santi
B:
Ernesto Gastaldi
K: Mario Vulpiani
M: Luis Enriquez Bacalov, Sergio Bardotti
D: Lee Van Cleef, Alberto Dentice, Horst Frank, Klaus Grünberg, Marc Mazza

Quelle: TV (hr)

 

Inhalt

Der Fund eines reichen Silbervorkommens gereicht Papa Wermeer nicht gerade zur Freude: Missgünstige Zeitgenossen sorgen für sein vorzeitiges Ableben. Sohn Philipp (Alberto Dentice) hält den örtlichen Magnaten Saxon für den Drahtzieher und tut Rachegedanken kund. Als sich der Alte dann tatsächlich ein paar Unzen Blei einfängt, ist der Schuldige rasch ausgemacht: Philipp wird zum Tode verurteilt, kann aber entkommen. An seine Fersen heften sich nun jede Menge Kopfgeldjäger, die die auf seinen Kopf ausgesetzten 3.000 Mücken einfangen wollen.
Da ist es Glück, dass Wermeer dem knochenharten Ex-Sheriff Clayton (Lee Van Cleef) über den Weg läuft. Clayton, dem seine öffentliche Meckerei an dem Todesurteil den Job gekostet hat, kennt den wahren Täter des Saxon-Mordes, schweigt sich darüber aber aus. Immerhin rettet er den Jungen ein paar Mal aus den gierigen Klauen seiner Verfolger, bis er sich am Ende entschließt, doch seinen Teil zur Aufklärung des Falles beizutragen.
Inzwischen haben Saxons Söhne - der so machthungrige wie skrupellose David (Horst Frank) als strippenziehender Mann im Hintergrund, Eli (Marc Mazza) als Sheriff und der mordgierige Perverso Adam (Klaus Grünberg) - den Stab übernommen. David hat hochfliegende politische Ambitionen, zu deren Realisierung nur noch das Silber des alten Wermeers fehlt. Das Auftauchen von Philipp und Clayton passt ihm also nicht wirklich ins Konzept.

Zitate:

„Können Sie nicht lesen? Hier ist geschlossen!“ – Ich will nicht lesen … ich will was trinken.“ (Clayton zum dienstleistungsunwilligen Kneipier)

„Seit wann darf ein Sheriff Kopfgeld kassieren?“ – „Ich töte immer umsonst.“ (Clayton stellt gegenüber Wermeer einige Dinge klar)

„Es gibt Leute, die Blitze anziehen und Leute, die Mädchen anziehen. Das ist ein Zimmer für Leute, die Kugeln anziehen. Deshalb mussten Sie auch im Voraus zahlen. Gute Nacht.“ (Hotelbesitzerin zu Clayton)

„Wermeer ist wieder in der Stadt!“ – „3000 Dollar marschieren seelenruhig durch die Stadt? Kassiert Sie endlich!“ (David scheißt seine Bountyhunter zusammen)

„Ich bin ein bisschen zu alt, mich zu verkaufen, und Philipp ist ein bisschen zu jung.“ (Clayton)

„Ihr seid keine Menschen: Ihr seid Bestien!“ – „Du wirst darüber hinwegkommen.“ (David tröstet Elisabeth)

Die Kritik des Gunslingers:

Holla: Was als zwar actionreicher, doch ziemlich verschnarchter Langeweiler beginnt, entwickelt sich mit dem Auf-den-Plan-Treten der Saxon-Sippe zu einem richtig spannenden Western. Am Ende wartet die Geschichte sogar mit einem so nicht wirklich erwarteten Twist auf. Das Schlussduell in einer Pferdekoppel ist stark inspiriert durch den legendären Kampf von Earp/Holiday gegen die Clanton-Gang in Tombstone, im OK-Corral.
Lee Van Cleef spult routiniert seinen pfeiferauchenden, schwarzgewandeten Gunslinger runter, während Horst Frank ebenso gekonnt ein Destillat seiner diversen Schurkendarbietungen präsentiert. Ein besonderes Augenmerk verdient die Performance Klaus Grünbergs, dessen schwuler und zutiefst gestörter Adam ohne Kinski’sches Augenrollen oder das irre Funkeln Luciano Rossis auskommt. In seiner weichen, stillen Art wirkt er noch gefährlicher und krasser.
Gut gemacht sind auch die Rückblenden, die in stark verfremdeten Schwarz-Weiß-Bildern den Saxon-Mord aus unterschiedlichen Perspektiven reflektieren. Der Score von Bardotti und Bacalov wartet mit einem wirklich geilen Ttitelthema auf, das eine leicht verzerrte Mundharmonika, Streicher und Chöre bestreiten und manchmal an Morricone erinnert.
Der Schöpfer des dümmlichen deutschen Titels sollte im übrigen geteert und gefedert werden.

Die Kritik des Sargnagels:

Also man kann sagen was man will, aber alleine ein van Cleef ist einfach ein Garant für ordentliche Spaghetti-Ware. Der Mann rettete sogar die größten Graupen, und davon ist "Drei Vaterunser für vier Halunken" weit entfernt. Auch hier feiert er den sinistren Gunslinger ab, sein Clayton steht in direkter Verwandschaft mit Mortimer und Sabata.
Die Einführung ist, wie der Gunslinger schon schreibt, wirklich nicht ganz ausgegoren. Da gibt´s tolle Szenen wie Claytons Einmarsch in das Städtchen, kurz darauf aber eine alberne Verfolgungsjagd durch die Sierra, die den guten Eindruck gleich wieder etwas trübt. Dazu noch den völlig überflüssigen Hans Terofal, der auch hier nur wieder mal einen Abklatsch seines "Lümmel"-Hausmeisters abgibt. Dabei ist mit Jess Hahn eh schon das obligatorische Schmunzelmonster besetzt; bei ihrem Aufeinandertreffen in Silver Bell wird´s dann selbst einem Humoristen wie mir zu bunt.
Mit der Weiterreise nach Saxon City und dem glücklichen Verlust von Holes grenzdebiler Gang sind die Lasten endlich über Bord, und der Streifen nimmt mit der Crime-Story ordentlich Fahrt auf. Das Whodunit-Schema erinnerte mich dann sogar etwas an den hochgeschätzten "Sartana kommt".
Neben dem schon erwähnten Klaus Grünberg, dem man eine ordentlich ätzende Aknefresse hingeschminkt hat, überraschte mich auch Alberto Dentice (ok, die Sync von Christian Brückner wird auch was dazu beigetragen haben...), dessen Philipp Wermeer seine einzige Filmrolle überhaupt bleiben sollte. Schade, der Mann hatte eigentlich Potential.
Die Kameraarbeit ist gelungen, Mario Vulpiani probierte ein paar "Schrägheiten" aus und sorgte so dafür, dass die Szenerie nie statisch wirkt. Besonders gelungen empfand ich die Duotone-Rückblenden, die immer mehr von der Nacht des Todes des "Big Ol´ Saxon" preisgeben, aber auch auf falsche Fährten führen.
Dazu spendierte Luis Enriquez Bacalov noch nervenzerrende Spannungsmusike feinster Güteklasse. Apropos Bacalov: Sein getragenes, mundharmonika-säuselndes Titelthema "Il Grande Duello" gehört IMO zu den Top5-Themen überhaupt und kann sich locker mit den besten Stöffchen von Morricone messen. Vielleicht ist Bacalovs Italowestern-Gesamtwerk im Schnitt etwas schwächer als das von Morricone, in den "Leistungsspitzen" hatten sie schon das gleiche Niveau.
"Drei Vaterunser..." war schon 1972 eine angenehm "ernsthafte" Ausnahme in der Schwemme der Überhand nehmenden Westernkomödien. Alles in allem ein sehr routiniertes, feines Stöffchen mit leichten Schönheitsfehlern, die letztendlich aber kaum gewichten.

Rating: $$$+ (GS) / $$$$ (SN)

Bodycount:

ca. 40 (darunter auch Frauen und Kinder)

Explizite Brutalitäten:

  • Die Kopfgeldjäger um den fiesen Hole (Antonio Casale) befragen Philipp Wermeer intensiv über das Silber seines Vaters
  • Adam Saxon metzelt mit ein paar Jungs und einer Gatling Gun Wermeers Freunde nieder. Dabei erschießt er auch Frauen und Kinder. Am Ende schreit nur noch ein Baby: Saxon reitet hin, ein Schuss, Baby ruhig

Liebe:

Am Ende bricht sich ein Kröschen zwischen Philipp und Adams Verlobter Elisabeth (Dominique Darel) Bahn, ist aber nicht der Rede wert: 0/10

Splatter:

2/10

 

 

Bitte beachten Sie unsere Datenschutzrichtlinien