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Große Coup, Der

Info

OT: 
Charley Varrick

AT:
The Last of the Independents

Jahr: USA 1973
R: Don Siegel
B: Howard Rodman, Dean Riesner
K: Michael Butler
M: Lalo Schifrin
D: Walter Matthau, Joe Don Baker, Andy Robinson, John Vernon

Quelle: DVD (ems)

 

Inhalt

Charley Varrick (Walter Matthau) ist Chef einer kleinen Klitsche und verdient sich seine Brötchen, in dem er mit seinem Flugzeug die Landwirte bei der Insektenbekämpfung unterstützt. Leider steht der Laden aufgrund der übermächtigen Konkurrenz durch Großbetriebe kurz vor der Pleite, so dass als Geldbeschaffungsmaßnahme ein Banküberfall auf dem Plan steht. Zusammen mit seiner Gattin Nadine (Jacqueline Scott) und zwei angeheuerten Schergen wird also die kleine Provinz-Filiale einer großen Privatbank klargemacht. Doch die Amateure kriegen kräftig einen eingeschenkt: Lediglich Charley und Harman Sullivan (Andrew Robinson) können dem Blutbad entkommen. Beim abendlichen Sichten der Penunzen fällt die Höhe der Beute auf: Anstatt ein paar Tausendern sind stolze 765.000 Dollar im Sack. Da in den offiziellen Verlautbarungen der Bank nur von einem Verlust in Höhe von rund 2.000 Dollar gesprochen wird, ist klar, dass da was ordentlich stinkt.
Der Zaster ist in der Tat größtenteils Mafia-Geld, das in der Bankfiliale nur für wenige Tage zwischengelagert wurde. Da man in ehrenwerten Kreisen nicht an Zufälle glaubt, wird der Killer Molly (Joe Don Baker) in Marsch gesetzt, um die Kohle wiederzubeschaffen und die vermutete undichte Stelle in der Organisation zu finden. Die Schmalspur-Ganoven sehen sich also jetzt von Vater Staat und Mafia heftig in die Zange genommen. Aber Varrick ist ein schlauer Hund, der nicht im Traum daran denkt, klein beizugeben.

Zitate

„Adios, Nadine.“ (Lakonischer Abschied Charleys als er und Harman den Fluchtwagen mitsamt der toten Gattin in die Luft jagen)

„Sie verdammtes Schwein!“ - "Ich gestatte nur wenigen Leuten, in diesem Ton mit mir zu reden. Nur ein paar Weißen. Und Negern schon mal gar nicht.“ (Molly, der sich auch als Repo-Man betätigt, zu einem säumigen Kunden)

„Ich schlafe nicht mit Huren. Jedenfalls nicht wissentlich.“ (Molly schlüpft im Bordell von Beverly (Monica Lewis) unter, die ihm ein eindeutiges Angebot unterbreitet)

Charley: „Wie viel?" – Tom (Tom Tully): „500.“ – C.: "Hey, Mann, das ist ganz schön gesalzen.“ – T.: „Jetzt macht’s 600. Wenn sie handeln wollen, gehen Sie einen Teppich kaufen.“ (Charley braucht neue Papiere)

Die Kritik des Gunslingers:

Wäre der Stoff jemand anderem als Don Siegel in die Hände gefallen, hätte daraus leicht ein sozialkritisches Drama um Groß gegen Klein werden können. Aber schön mit erhobenem Zeigefinger, bitteschön. Doch Don weiß, was wir lieben, und so hakt er das Sozialkritische lediglich als „Kick Off“ für Charleys Schritt in die Illegalität ab, um sich auf das Wesentliche zu konzentrieren.
Klar, auch bei Siegel geht’s natürlich letztlich um das Duell zwischen Groß und Klein: dem Loner Varrick, „The Last of the Independents“, wie er sich selbst bezeichnet, auf der einen und dem straff durchorganisierten, umfassend vernetzten Syndikat auf der anderen Seite. Aber der Streifen verzichtet glücklicherweis’ auf pathetischen Schnick-Schnack oder Sozialromantik. Siegel ist zu sehr Cineast, als das er auf die Kraft der Bilder, auf Rhythmus, Tempo, Action und Spannung verzichtet, und das Betätigen der Tränendrüse oder das Stricken von Mitleidsmaschen liegen ihm eh’ fern.
So ist ein starker Gangsterfilm entstanden, an dem es nichts zu tadeln gibt. Hervorragend bis in die letzte Nebenrolle sind die Darsteller. An erster Stelle natürlich der immer etwas miesepetrig aussehende Matthau, der zu der Zeit schon auf Komödien festgelegt war, und dem Siegel mal wieder eine ernsthafte Rolle verschaffte. Der Mann hat zwar was von einem chinesischen Faltenhund, doch unglaublich, was er schon durch minimales Umlenken seiner Gesichtsklüfte bewerkstelligt. Ganz groß sind für mich auch die beiden Hauptwidersacher: John Vernon als mafioser Bankdirektor Boyle und Joe Don Baker, dem das Buch zudem ein paar nette Oneliner beschert. Gangster und Bürger sind wie eineiige Zwillinge: charmante, glatte Oberfläche, aber Sadisten im Innern. Toll beispielsweise die Szene, in der Boyle seinen unglücklichen Filialleiter Young (Woodrow Parfrey) allein durch geschickte Wortwahl lächelnd in den Selbstmord treibt, während im Hintergrund glückliche Kühe grasen. Handfester geht da natürlich Molly vor, der sich den armen Harman zur Brust nimmt und dabei gemütlich ein Pfeifchen schmaucht.
Der Film ist im übrigen eines der wenigen Beispiele, die ein ungeschriebenes Gesetz des Gangster-Kinos, „Crime doesn’t pay“, außer Kraft setzen.

Rating: $$$$$

Splatter:

2/10

 

 

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