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Ermittlungen gegen einen über jeden Verdacht erhabenen Bürger

Info

OT: 
Indagine su un Cittadino al di sopra di ogni Sospetto
AT:

Investigation of a Citizen Above Suspicion (Int.)

Jahr: I 1970
R: Elio Petri
B: Elio Petri, Ugo Pirro
K: Luigi Kuveiller
M: Einnio Morricone
D: Gian Maria Volonté, Florinda Bolkan, Sergio Tramonti, Aldo Rendine, Massimo Foschi, Salvo Randone

Quelle: VHS (RCA Columbia)

 

Inhalt

Ein Mann (Gian Maria Volonté) bringt seine Geliebte (Florinda Bolkan) während des Liebesspiels mit einer Rasierklinge um, hinterlässt absichtlich Spuren, läuft mutwillig Zeugen über den Weg und begibt sich danach völlig ungerührt zu seiner Arbeit.
Dieser Mann ist der Chef des Morddezernats einer italienischen Großstadt, von allen nur respektvoll „Dottore“ genannt, und wird aufgrund seiner überragenden Aufklärungsquote am selben Tag zum Leiter der politischen Abteilung bei der Polizei ernannt.  Von nun an mit einer Fülle von exekutiver Macht ausgestattet, lenkt und manipuliert er die Ermittlungen gegen seine eigene Person, um zu beweisen, dass ihm niemand am Zeug flicken kann. Einen linken Studenten (Sergio Tramonti) und den schwulen Ehemann seiner toten Geliebten lässt er trotz eindeutiger Alibis und fehlender Motive brutal verhören, während er weiterhin eindeutige Beweise für seine Schuld platziert. Doch niemand möchte - entweder aus Angst oder Behördenblindheit - an der Integrität des mächtigen Dottore zweifeln, denn er ist ein über jeden Verdacht erhabener Bürger...

Die Kritik des Sargnagels:

Elio Petri gilt neben Damiano Damiani, Carlo Lizzani und Pier Paolo Pasolini als einer der kritischsten italienischen Filmemacher der 60er und 70er Jahre. Mit „Das 10. Opfer“, „Zwei Särge auf Bestellung“ und seiner „neurotischen Trilogie“ über Geld, Macht und Arbeit gelangen ihm hochdifferenzierte Betrachtungen zur italienischen Gesellschaft jener Zeit.
„Ermittlungen...“, der erste Teil seiner „neurotischen Trilogie“, beschäftigt sich mit dem Thema Macht – instrumenteller und persönlicher Macht. Der Streifen ist regelrecht „machtdurchdrungen“ und zeigt detailliert, wie und wo sie in allen Bereichen des Lebens wirkt und ausgeübt wird. Der Dottore ist sich seiner Machtfülle und seiner Mittel bewusst und kostet sie vollständig aus, im Beruf wie im Privatleben. Ein Monster ohne Moral, geschaffen durch Bürokratie, Gesetze und Obrigkeitsdenken, das mit den Möglichkeiten seiner Macht zu spielen beginnt. Er zeigt sich jedoch verletzt und angegriffen, wenn man dennoch gegen seine Prinzipien handelt, sein Weltbild anzweifelt oder ihn als Mensch in Frage stellt, z.B. als ihm Augusta offenbart, dass er nicht ihr einziger Bettgenosse ist oder der Student Antonio Pace sich weigert, den Dottore wegen Mordes anzuzeigen.
Der Streifen ist sauber und clever inszeniert. Beginnend mit der eigentlichen Tat spinnt sich, durchbrochen von zahlreichen aufschlussreichen Rückblenden, die Geschichte immer weiter, bis sich ein vollständiges Bild des Dottore und seiner Motivation erschließt, aber das Ende offen lässt. Gian Maria Volonté fehlt in keiner Minute der Spielzeit und dominiert jede Szene, die Kamera scheint wie ein Magnet an ihm zu hängen. Was der Mann hier abliefert, kann man mit Preisen gar nicht genug überschütten. Ein Feuerwerk der Schauspielkunst, da sitzt jeder Blick, jede Grimasse, jede Geste hat Bedeutung. Volonté spielt einen Mann mit einer Bandbreite von der Arroganz und Selbstherrlichkeit eines Nero über die Penibilität eines Finanzbeamten bis zur Verunsicherung eines kleinen Kindes.
Auch die Nebenrollen sind gut besetzt, können aber ob der Wucht und Dominanz Volontés nur szenische Glanzpunkte setzen. Hervorzuheben sei hier Florinda Bolkan, eine echte Augenweide als nymphomane Geliebte mit sadomasochistischen Neigungen; ihre Augusta ist auch der einzige Charakter, der den Dottore kurzzeitig aushebeln kann, was ihr aber letztlich zum Verhängnis wird.
Meisterleistungen bietet der Streifen auch im handwerklichen Bereich. Das Set-Design z.B. bestimmt zu großen Teilen die Atmo und arbeitet auch mit den Bildern; in den Büros, Verhörkellern und in Dottores schicker Neubau-Wohnung herrscht gähnende Einrichtungsleere mit minimalster Möblierung, in Augustas Augustas Altbau-Wohnung sieht's dagegen chaotisch verspielt aus. Die Kamera versucht, wie oben erwähnt, den Dottore nie aus dem Bild zu lassen und arbeitet gern mit Tiefenschärfe, Handkamera und Dollies, um ihn in den Focus zu holen. Der O.S.T. von Morricone gehört zu seinen Glanzlichtern, und das will beim Meister was heißen. Das Hauptthema, rhythmisch gesehen ein Marsch mit leicht verstimmten Klavier, Zupfgeigen, Klarinetten, Maultrommel, sanften Fuzzgitarren und sonstigem Sound-Gedöns, wiederholt sich leicht variierend durch den gesamten Film.

Rating: $$$$$-

Splatter:

0/10

 

 

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