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Schwarze Messe der Dämonen

Info

OT: 
L’Anticristo

AT:
Der Antichrist

Jahr: I 1974
R, B: Alberto De Martino
B: Vincenzo Mannino, Gianfranco Clerici
K: Aristide Massaccesi
M: Ennio Morricone, Bruno Nicolai
D: Carla Gravina, Mel Ferrer, Alida Valli, Remo Girone

Quelle: DVD (Illusions). Dank fürs Rezi-Exemplar

 

Inhalt

Ippolita (Carla Gravina) sitzt seit einem Autounfall, den ihr Vater Massimo (Mel Ferrer) verursachte, im Rollstuhl, obwohl ihr organisch nichts fehlt. Das ist mittlerweile 12 Jahre her, und die mit ihrem Schicksal hadernde Frau wacht umso eifersüchtiger über ihren Vater, der sie schuldbeladen umsorgt. Verbittert nimmt sie daher ein Kröschen zur Kenntnis, das Massimo mit der seeehr blonden Greta (Anita Strindberg) anfängt, einer amerikanischen Gaststudentin.
Um Ippolita vielleicht doch zu heilen, setzt die Verwandtschaft den Psychiater Marcello Sinibaldi (Umberto Orsini) auf die Gelähmte an, zu dem sie Vertrauen fasst.
Der Doc macht mit der Gutsten eine Rückführung und stößt dabei auf die Ursache allen Übels: Irgendwie steht Ippolita unter dem Einfluss einer 400 Jahre zuvor als Hexe verbrannten Ahnin gleichen Namens, die von der Familie verleugnet wird. Marcello kann zwar den Fluch brechen, doch nun meldet Satanas höchstselbst Ansprüche an: Er übernimmt den Körper der labilen Ippolita und treibt damit allerlei derben Schabernack.
So derbe, dass die Kirche einen Exorzismus genehmigt, den das beste Pferd im Stall durchführen soll: der Bettelmönch Pater Mittner (George Coulouris).

Zitate

Ippolita: „Wie viele Schwänze hattest du drin? 100? 1000?“ (Gepflegter Dinner-Plausch mit Satan)

Ippolita: „Freu dich auf deinen Enkel. Ich habe nämlich mit meinem Bruder gefickt!“ – Filippo: „Stimmt nicht.“ (Etwas kraftlos, die Entgegnung, nech?)

Die Kritik des Gunslingers:

Alberto De Martino tummelte sich im Verlauf seiner Karriere in nahezu allen Sparten des Genrefilms, von Sex-Streifen mal abgesehen. Vom Peplum über Horror und Italowestern bis hin zum Thriller umfasst seine Filmografie an die 30 Streifen.
Die "Schwarze Messe der Dämonen“ erschien im Jahr nach „Der Exorzist“, und Ähnlichkeiten beider Werke sind *hust sicher nicht ganz zufällig. Zwar kopiert De Martino einige Einstellungen, wie das Eintreffen des Exorzisten, und auch die Maske inklusive Gülle-Schleudern hat Ähnlichkeiten zum Friedkin-Film. Doch hier von einem reinen Ripp-Off zu sprechen, würde dem Martino-Streifen nicht gerecht. So konzentriert sich der italienische Epigone deutlich mehr auf die kirchlich-religiösen Aspekte, was schon in der Eingangssequenz spürbar ist: Eine rasende Menge huldigt in Extase einer Madonnen-Statue. Als Höhepunkt der exstatischen Veranstaltung bringt sich ein offenkundig Besessener (Ernesto Colli) um. Und auch beim Exorzismus selbst zeigt De Martino nach eigenem Bekunden das Ritual so wie es die Kirche tatsächlich vorsieht, wenngleich das Ende ein klein wenig schlapp geraten ist. Die aus dem Munde Ippolitas durch Satan hervorgegrollte Kirchenkritik dürfte im katholischen Italien deutlich aufsehenerregender gewesen sein als im in dieser Beziehung unbeleckten Nordamerika, dem Schauplatz von Friedkins Film.
Doch keine Sorge: Trotz eines anfangs eher verhaltenen Tempos, durch das andererseit genug Zeit bleibt, um den Charakter Ippolitas zu entwickeln, bietet der Streifen im zweiten Teil optisch einiges. Das ist neben der auch hier richtig guten Maskenarbeit vor allem Hauptdarstellerin Carla Gravina zu verdanken. Während im Friedkin-Streifen eher die Maske die Hauptrolle hatte, unterstützt sie hier lediglich eine famose Schauspielerin. Sehr gruselig und einfach toll gespielt, wie sich die verbitterte, sich nach Liebe sehnende Frau der ersten Hälfte in einen kichernden, obszön daher geifernden Homunkulus verwandelt.
Einen weiteren Credit gibt’s definitiv für die einmal mehr sehr gute Kamera von Aristide Massaccesi, der voll seinen cineastischen Spürsinn einbringt, den er später als Joe D’Amato seinen Schmuddelproduktionen angedeihen ließ. Dies zusammen mit der Ausleuchtung, die teilweise fast schon an Bava gemahnende Farbspiele generiert, schafft eine feine, dekadente Eurogrusel-Atmo.
Auf die Nuss ging mir allerdings der Score, den Morricone und Nicolai in seltener Koproduktion fabrizierten: Sehr sperrig und vor allem mit dominantem, nervendem Gefiedel, das einen dissonanten Teppich über die eher brausenden Orgelstücke legt. Doch mag dies hauptsächlich meiner prinzipiellen Geigen-Aversion geschuldet sein.

Rating: $$$$

Splatter:

4/10

 

 

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