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Unglaublichen Abenteuer des hochwohllöblichen Ritters Branca Leone, Die

Info

OT: 
L'armata Brancaleone

Jahr: I 1966
R: Mario Monicelli
B: Agenore "Age" Incrocci, Furio Scarpelli, Mario Monicelli
K: Carlo Di Palma
M: Carlo Rustichelli
D: Vittorio Gassman, Gian Maria Volonté, Folco Lulli, Ugo Fangareggi, Carlo Pisacane, Gianluigi Crescenzi, Catherine Spaak, Barbara Steele

Quelle: Fan-DVD

 

Inhalt

Zu Zeiten des tiefsten Mittelalters in Italien: Ritter Arnolfo mit der Eisenfaust (Alfio Caltabiano) befreit einen kleinen Weiler von plündernden Barbaren. Doch die Ruhmestat wird ihm nicht gedankt; die Tagediebe Mangoldo (Ugo Fangareggi), Pecoro (Folco Lulli) und Taccone (Gianluigi Crescenzi) braten ihm eins über, fleddern die Habseligkeiten und entsorgen den Erschlagenen im Fluß. Neben dem üblichen Ritter-Krimskrams wie Rüstung, Schwert usw. fällt den Dreien auch eine Pergamentrolle in die Hände. Beim greisen jüdischen Händler Abacuc (Carlo Pisacane) - des Lesens mächtig - lassen sie sich die Schrift übersetzen: Der adlige Inhaber des Dokuments erhält die Festung Aurocastro, etliche Ländereien und Seehäfen als Lehen. Gemeinsam beschließt man, einen verarmten Edelmann gegen prozentuale Beteiligung zu engagieren, der die Rolle des Lehens-Berechtigten einnehmen soll. Die Wahl fällt auf Brancaleone da Norcia (Vittorio Gassman), einen ziemlich abgerockten Vertreter des Adelsstandes ohne eigenen Heimsitz, der gerade die Gunst einer Fürstentochter im Turnier gewinnen möchte. Brancaleone ziert sich zuerst, ist dann aber doch mit dabei, als er sich mit seinem störrischen gelben Gaul Zitronante beim Wettstreit zum Gespött der Noblesse macht. Kurz darauf stellt sich der zusammengewürfelten Truppe der fahrende Junker Teofilatto (Gian Maria Volonté) entgegen; das Duell mit Brancaleone geht jedoch aus wie das Hornberger Schießen und Teofilatto schließt sich ihnen an.
Der Weg nach nach Aurocastro ist für die sechs Glücksritter mit etlichen Abenteuern gespickt, u.a. mit einem religiösen Fanatiker auf Kreuzzug (Enrico Maria Salerno), nymphomanen Jungfrauen (Catherine Spaak), eifersüchtigen Bären und sadomasochistischen Tanten (Barbara Steele). Doch die größte Überraschung wartet auf sie am Ziel ihrer Reise...

Zitate

"Der Herzog erwartete von euch eine Virgo intacta, aber sie war nicht mehr intakt!" (Hups! Die Überraschungen des vorehelichen Geschlechtsverkehrs)

Teodora: "Liebe oder Schmerzen zu erleiden, ist gleichermaßen schön." - Brancaleone: "Ähm, da bin ich mir nicht sicher, aber wie Ihr meint." - "Willst du Herr UND Sklave sein?" - "Ich mach alles. Auf los, geht's los!" (Brancaleone und der Samenstau)

Teofilatto: "Gibt's denn das? Ein Bär, der sich was kocht?!" - Taccone: "Vielleicht isses 'ne Sie." (Auch logisch irgendwie, oder?...)

Teofilatto: "Pfefferminzgrün, Eisenkraut, Zichorie, Fenchel, Malve, und den Sud auf nüchternem Magen schlürfen. Hilft immer." - Brancaleone: "Und wie ist die Wirkung?" - "Och. Der Magen und die Därme werden damit durchgegoren, die Blähungen entladen sich mit einem riesigen Donnerfurz. Und die Leber hat Ruh'." (Hildegard von Bingen lässt Grüßen)

Die Kritik des Sargnagels:

Regisseur Mario Monicelli und das Autoren-Team "Age" Incrocci & Furio Scarpelli gelten mit "Diebe haben's schwer" als die Erfinder der "Commedia all'italiana" - Film-Komödien, deren Humor in ein eigentlich tragisches Setting eingebunden ist und dabei den Alltag der Bevölkerung karikieren. Von Ende der 50er bis Mitte der 70er entstanden auf dieser Basis eine Menge hochwertiger wie humorvoller Streifen, die auch international wohlwollend rezipiert wurden; Darsteller wie Marcello Mastroianni, Ugo Tognazzi, Nino Manfredi oder Vittorio Gassman (die oftmals wechselnd auch gemeinsam vor der Kamera standen) waren die prägenden Gesichter dieser Ära und erwarben sich mit ihren Rollen einen Namen weit über Italien hinaus.
1966 überraschte das Team Monicelli-Age-Scarpelli mit einer skurillen, von literarischen Klassikern wie "Simplicissimus" und "Don Quijote" inspirierten Historienvariante der "Commedia all'italiana" und landete trotz starker Italowestern-Konkurrenz unter den erfolgreichsten Filmen des Jahres. "Brancaleone" (die Schreibweise "Branca Leone" entspringt dem deutschen Kinoverleih und wurde beim Sequel "Brancaleone auf Kreuzzug ins heilige Land" geändert) wirft sein Augenmerk dabei nicht auf den üblichen Hochadel, sondern handelt von den kleinen Tagedieben und den Losern des Feudalsystems, deren Leben im unwirtlichen und gefährlichen Mittelalter keine müde Dukate wert ist. Ähnlich wie beim Italowestern wirkt die historische Zeichnung der dunklen Zeit in der italienischen Mache um einiges realistischer als die großbudgetierten Hollywood-Kostümfilme der 40er und 50er. Die Atmo ist in großen Teilen siffig und unwirtlich, die Kostümierung reicht von Kartoffelsack bis zu Glööckler auf LSD und wenn die Schwerter geschwungen werden, fallen dabei auch mal Gliedmaßen ab. Für damalige Verhältnisse ziemlich deftig.
Für die Dialoge entwickelten Age & Scarpelli sogar einen wilden Sprachmix aus Latein, diversen italienischen Dialekten und einer Art "Proletenitalienisch", vergleichbar dem späteren Gossendeutsch eines Rainer Brandt. Naturalmente kann sowas nicht 1:1 übersetzt werden; die deutsche Synchro liefert aber eine hervorragende Arbeit und verkackt keinen Gag. Auch Carlo Rustichelli wagt sich an mittelalterliche Instrumentierung und lässt Flöten, Posaunen, Hörner und Trommeln aufspielen, daneben wird schräg im Chor gesungen und gepfiffen.
Der größte Trumpf des Streifens sind allerdings die Darsteller. Hier gibt es hohe Schauspielkunst sehen, ob nun bei Slapstick, beim Grimassieren oder per Sprachwitz - und das bis in die kleinsten Nebenrollen. Mit einem Großteil des Ensembles hatte Monicelli schon zusammengearbeitet und vor allem in den Gruppenszenen macht sich die Eingespieltheit des Casts, z.b. bei längeren ungeschnittenen Dialogen, bemerkbar. Für Vittorio Gassman, dem die Rolle des Brancaleone auf den Leib geschrieben scheint, und Gian Maria Volonté muss es ein Vergnügen gewesen zu sein, im Kreise spielfreudiger Kollegen zu agieren, und sie satteln nochmal obendrauf. Gassman gestikuliert, monologisiert, dominiert in feinster Weise - ein Komödiant vor dem Herrn. Volonté verkörpert nach seinen manischen Italowestern-Schurken aus den Dollar-Western mit dem linkischen und opportunistischen Teofilatto das genaue Gegenteil, aber spielt seine Rolle ebenso gut wie bei Leone. Aus den Nebenrollen jemanden herauszupicken, würde den Leistungen der Ungenannten nicht gerecht; namentlich wären höflicherweise noch die Damen Spaak und Steele zu erwähnen. Steele hatte durch diverse Goth-Horror-Produktionen schon einige Erfahrungen mit gewagten Kostümrollen und glänzt bei ihrer Darstellung der S&M-veranlagten Teodora mit einem deftigen Peitschenschwung.
Abschließend: Eine absolut runde Sache, die selbst einen Mittelalter-Muffel wie mich zwei Stunden an der Glotze fesselt und vor Lachen krümmen lässt. Würde mich nicht wundern, wenn Terry Gilliam und die Pythons sich für "Die Ritter der Kokosnuss" etwas abgeknabbert hätten. Felsenfeste Top-Wertung.

Rating: $$$$$

Splatter:

5/10

 

 

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