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Blutige Straße

Info

OT: 
Nessuno deve sapere

Jahr: I/D 1971
R:
Mario Landi
B:
Renzo Genta, Marco Oxman
K:
Erico Menczer
M:
Ennio Morricone
D:
Roger Fritz, Antonello Campodifiori, Corrado Olmi, Stefania Casini, Nico Cundari, Carlo Bagno

Quelle: DVD (Pidax). Dank fürs Rezi-Exemplar!

 

Inhalt

Bauingenieur Pietro Rusconi (Roger Fritz) hat im Mailänder Baukonzern seines Onkels (Claudio Gora) angeheuert. Nun soll er den Bau einer Autobahn in Kalabrien beaufsichtigen. Schon von Beginn an muss er feststellen, dass hier die Uhren anders gehen als im Norden des Landes: Seine Reifenpanne kurz vor Erreichen des Zielortes entpuppt sich wenig später als Resultat einer Flintenkugel, und die Einheimischen sind im besten Fall abweisend. Kontakt bekommt er nur zur Bankierstochter Maria (Stefania Casini) und ihrem Bruder, dem Lehrer Salvatore (Alessandro Pascuzzi), sowie dem Landvermesser Cuttoni (Antonello Campodifiori), mit dem ihm von Beginn an allerdings eine herzliche Abneigung verbindet.
Rusconi lernt schnell, dass in Kalabrien Konkurrenten gerne mit Sprengstoff und Brandbeschleuniger aus dem Rennen geschlagen werden, Schweigen Gold ist, und die Netzwerke der Ehrenwerten Gesellschaft das ganze Land überziehen. Auf Druck der Mailänder Konzernzentrale geht folgerichtig der Auftrag für das nächste Teilstück der Autobahn wieder an Sudstrada, der Baufirma, die über Strohmänner dem örtlichen Paten Don Crifodo (Renato Baldini) gehört. Crifodo ist zwar polizeilich gesucht, kann sich mit Hilfe seiner zahlreichen Informanten aber seit Jahren dem Zugriff entziehen. Aber dann taucht ein neuer, vorerst unbekannter Spieler auf, der Crifodo den Krieg erklärt. Fürs erste lässt er einen Bagger der Sudstrada auf der Baustelle hochjagen, wobei einer der bewaffneten Wächter ums Leben kommt; ein weiterer endet mit einer Kugel im Gekröse. Die Polizei ist machtlos, denn erstens regelt man solche Dinge unter sich, und zweitens ist die Mauer des Schweigens auch durch Massenverhaftungen nicht zu knacken. Rusconi stellt beherzt eigene Recherchen an, und drahtet Onkelchen in Mailand die Kündigung durch, als auch von dort keine Hilfe zu erwarten ist. Doch sehr schnell ahnt der idealistische Jungspunt, dass die seit 200 Jahren gewachsenen Strukturen im Alleingang und von außen nicht zu erschüttern sind.

Zitate:

Onkel Giovanni: „Idealisten und Versager gibt es in jeder Familie.“

Pietro: „Können wir nicht mal zusammen Essen gehen?“ - Maria: „Tut mir leid, aber das ist hier nicht üblich.“- „Wieso das nicht?“ - „Wir sind hier in Kalabrien.“

Don Nico: „Sehr clever unser Herr Ingenieur … und so schlagfertig.“ (Selbst eine Drohung klingt noch einigermaßen charmant)

„Wann bekomme ich meinen Mann schon mal zu sehen? Ganz selten und dann nur zu einem kurzen Besuch, um mir wieder ein Kind zu machen. Als ob ich nicht schon genug Sorgen hätte.“

„Hier ist nie jemand zu finden. Schon gar nicht, wenn er gesucht wird. Und sobald einer gesucht wird, ist er nicht mehr da, und dann will ihn keiner mehr kennen. Ist schon 'n komisches Land.“

Don Sante (Salvo Randone): „Ein Toter heute erspart uns viele Tote morgen.“

Die Kritik des Gunslingers:

Das TV hat einen nicht zu unterschätzenden Vorteil: Man kann sich Zeit nehmen, Geschichten zu erzählen. Zumindest war dies vor Jahren noch so, als wir des öfteren mal einen ambitionierten Mehrteiler über die Mattscheibe flimmern sahen. Und das Label Pidax nimmt sich dankenswerterweise solcher vergessener Perlen immer wieder mal an. Der deutsch-italienische Vierteiler „Blutige Straße“ liefert ein umfassendes Bild über die ärmlichen, agrarisch geprägten Lebensverhältnisse im Süden Italiens, fest zementiert in verkrusteten Strukturen, in denen seit mehr als 200 Jahren das organisierte Verbrechen gedeiht. Verschworene Gemeinschaften, die Außenstehende erst einmal als Feinde betrachten und in denen das Gesetz des Schweigens ganz groß geschrieben wird. Ebenfalls Thema ist das problematische Verhältnis zwischen Süden und Norden, auch ein Problem von Ignoranz und gegenseitiger Intoleranz, teilweise geboren aus Unwissenheit. Dementsprechend angelegt ist die Figur Rusconis, anfangs ein Sonnyboy, der sich seinen Maserati aus Mailand nachschicken lässt. Er ist freundlich, will die Verhältnisse, die er vor Ort vorfindet, tatsächlich ändern. Mit seinem fortschrittlich geprägten Enthusiasmus wirkt er allerdings auf die Einheimischen borniert und hat entsprechende Probleme. Am Ende muss er erkennen, dass dem organisierten Verbrechen nicht so einfach mit gutem Willen beizukommen ist. Die Netzwerke sind eng und stabil und reichen weit über die kalabrische Provinz hinaus. Dabei sind die einzelnen Glieder durch gegenseitige Abhängigkeiten aneinander gekettet, dass jeder schon allein aus Selbstschutz seine Hand über den anderen hält. Auf der anderen Seite steht der erst ein wenig zwielichtig wirkende Cuttoni. Er sieht in Rusconi nicht nur einen Konkurrenten um die Gunst Marias, sondern einen Schnösel aus dem Norden, der völlig ahnungslos seinen Riechkolben in Dinge steckt, die ihn nüscht angehen. Am Ende wird er eh wieder seiner Wege ziehen, während die anderen nach wie vor dort leben müssen.
Der Streifen steht in der Tradition Damianis oder auch Rosis, wirkt dabei aber auch aufgrund seiner Länge ein wenig zerdehnt. So ist der zweite und kürzeste Teil nach der Exposition in der ersten Folge ein wenig zäh: Es wird für meinen Geschmack einfach zu viel geredet. Bis zum desillusionierenden Ende legt der Film danach jedoch ein zunehmend munteres Tempo vor. Die Schauspieler sind mir weitgehend kein Begriff, machen aber allesamt einen guten Job. Und auch optisch wirkt der Film in weiten Teilen nicht wie eine TV-Produktion. Ennio Morricones Score ist weitgehend unauffällig: Es gibt allerdings ein schön orgelig groovendes Leitmotiv. Der melancholische Titel-Song stammt von Domenico Modugno.

Rating: $$$$

Splatter:

2/10

 

 

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