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Mann schlägt zurück, Ein

Info

OT: 
Il Cittadino si ribella
AT:

Ein Bürger setzt sich zur Wehr
Street Law (Int.)

Jahr: I 1974
R: Enzo Girolami ("Enzo G. Castellari")
B: Massimo De Rita, Arduino Maiuri
K: Carlo Carlini
M: Guido & Maurizio De Angelis
D: Franco Nero, Giancarlo Prete, Barbara Bach, Renzo Palmer, Nazzareno Zamperla, Massimo Vanni, Romano Puppo

Quelle: Fan-DVD (ital. DVD + deutsche VHS-Audio)

 

Inhalt

Carlo Antonelli (Franco Nero), Sohn eines Mussolini-Widerständlers und Chef eines Industrielabors, wird innerhalb kurzer Zeit zum zweiten Mal Opfer eines Verbrechens. Nachdem man seine Wohnung ausgeraubt und angezündet hatte, gerät er auch noch zufällig in einen Bankraub, wird als Geisel genommen und von den drei brutalen Gangstern (Nazzareno Zamperla, Romano Puppi, Massimo Vanni) übelst durch die Mangel genommen. Carlo fühlt sich von Polizei (u.a. Renzo Palmer) und Justiz alleine gelassen und hilflos der alltäglichen Kriminalität ausgesetzt. Auch sein hübsches Gspusi, die Journalistin Barbara (Barbara Bach), kann kaum seine Rage mindern. In ihm reifen Rachegelüste und er beginnt auf eigene Faust, im Rotlicht- und Hafenmilieu von Genua herumzuschnüffeln. Nach etlichen erfolglosen Versuchen, mit etwas Schmiere bei Kneipiers und Barfliegen Informationen herauszukitzeln, ändert Carlo seine Strategie und klemmt sich hinter ein Trio von Kleinkriminellen. Bei Tommy (Giancarlo Prete), dem jungen Playboy der Bande, findet er wegen dessen Leichtsinnigkeit Ansätze und kann etliche illegale Aktivitäten des Trios dokumentieren. Carlo erpresst nun mit dem Bildmaterial Tommy zur Zusammenarbeit; er soll mit seinen Halbweltkontakten helfen, die Brutalogangster ausfindig zu machen. Im Laufe der Zeit raufen sich die beiden unterschiedlichen Charaktere zusammen, doch als es schlussendlich hart auf hart kommt, wird das zarte Pflänzchen der Freundschaft auf eine harte Probe gestellt...

Zitate

"Sie sind nicht hier um die Polizei zu beschimpfen, Sie sollen ihr helfen. Ich verbitte mir Ihre Unverschämtheiten! Noch ein Wort, und ich werde Sie wegen Beamtenbeleidigung belangen. Bei uns wird das sehr streng bestraft."

"Ist es ein Wunder dass die Verbrechen zunehmen? Ha, die Versicherung zahlt, und damit ist die Sache erledigt. Und die Polizei rührt sich erst, wenn ein Haufen Leichen rumliegen."

Die Kritik des Sargnagels:

Nach dem 1973 erschienenen "Tote Zeugen singen nicht" trafen Enzo Girolami (aka "Enzo G. Castellari") und Franco Nero für "Ein Mann schlägt zurück" ein zweites Mal aufeinander; bis zum Ende des Jahrzehnts sollten noch eine Handvoll Arbeiten folgen, u.a. "Keoma", der Höhepunkt ihres gemeinsamen Schaffens.
Und was soll man sagen: Die Chemie stimmt einfach zwischen den Beiden. Schienen mir Castellaris frühere Italowestern trotz guter Ansätze meist nicht ganz ausgegoren, hatte er im Poliziottescho-Genre endlich die passende Plattform und mit Franco Nero den perfekten Partner gefunden. Enzo bereitet Franco eine Spielwiese, auf der sich der Schauspieler physisch wie psychisch ausleben kann; von körperlich anspruchsvollen Stunts bis zu wütenden Monologen darf der gute Franco auf allen Tasten der Klaviatur klimpern. Der zahlt mit barer Freude am Job zurück, vor allem das Minenspiel des zwischen Wut, Selbstgerechtigkeit und Panik schwankenden Carlo beeindruckt, ohne "overacted" zu wirken. An die Präsenz von Nero kommt dahin auch der Rest des Casts nicht heran, absolviert aber die gestellten Aufgaben hochwertig routiniert - die meisten Nebendarsteller wie z.B. Giancarlo Prete, Nazzareno Zamperla oder Romano Puppo hatten eh schon einschlägige Erfahrungen mit Castellari und bringen auch die erforderten Voraussetzungen bei Stunts und Wemsereien mit. Einzig Barbara Bach (späteres Bond-Girl und Ehegespons von Beatles-Drummer Ringo Starr) rückt merklich in den Hintergrund, was vor allem ihren spärlichen Szenen geschuldet ist - Castellari wollte wohl den Schmalzfaktor niedrig halten. Für einen Hauptrollen-Credit war das schon ziemlich dünn, auch wenn die Gutste sich mit Verve in die Manege stürzt.
Die Story der Marke "Braver Bürger wird vom Verbrechensopfer zum Vigilanten" bescherte schon ein halbes Jahr zuvor dem umstrittenen Michael Winner/Charles Bronson-Vehikel "Ein Mann sieht rot" einen Welterfolg und zündet auch im italienischen Ambiente von Genua. Die Handlung bleibt von Beginn bis Ende straff, und droht der Streifen sich mal eine Länge einzufahren, steht schon wieder das nächste Action-Highlight an. Das superb inszenierte Intro mit der knackigen de Angelis-Komposition "Goodbye my friend" im Rücken gibt den Takt vor; natürlich fehlen Standards wie rasante Autojagden, deftige Kloppereien und ratternde Maschinenpistolen nicht und werden zur rechten Zeit immer wieder effektvoll eingestreut, sei es mit schnellen Schnitten oder Peckinpah'schen Zeitlupensequenzen.
Auch wenn Enzos Verwandschaft - Pappa Marino und Onkel Romolo - nicht gerade schlechte Arbeiten im Poliziottescho-Genre ablieferten (u.a. "Verdammte, heilige Stadt", "Cop Hunter"), zeigt der Stammhalter den Altvorderen, wer der talentierteste der Sippschaft ist. Sattelfeste Wertung.

(Anmerkung: Basis der Rezi war glücklicherweise eine Fan-DVD (ital. DVD uncut mit deutschem VHS-Ton unterlegt). Leider muss man sagen: Finger weg von den deutschen Taurus-VHSsen, die haben nur Sammlergehalt, für Filmgenuss sind die nix. Über 25 Minuten sind dort an Handlung (u.a. die gesamte Dialog-Sequenz mit Steffen Zacharias) und Action weggeschnibbelt, was den Streifen letztendlich um etliche Qualität beraubt. Hoffentlich steht hier bald eine ordentliche Digitalverwertung an, die ursprüngliche deutsche Kinofassung soll nur leicht geschnitten sein.)

Rating: $$$$+

Splatter:

5/10

 

 

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