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Außenseiter, Der

Info

OT:
Le Marginal
Jahr:
F 1983
R, B: Jacques Deray
B: Jean Herman
K: Xaver Schwarzenberger
M: Ennio Morricone
D: Jean-Paul Belmondo, Pierre Vernier, Carlos Sotto Mayor, Henry Silva

Quelle: TV (3sat)

 

Inhalt

Marseille ist ein heißes Pflaster. So heiß, dass Commissaire Philippe Jordan (Jean-Paul Belmondo), bekannt wegen seiner körperbetonten Ermittlungsmethoden, in die südfranzösische Hafenstadt beordert wird, um der dortigen Drogenmafia auf die Finger zu klopfen. Besonders auf Monsieur Meccacci (Henry Silva) hat es unser Raubein abgesehen und nicht erst seit gestern: Jener ist zwar die große Nummer im Drogenhandel, sitzt aber hoch und trocken in Paris und verfügt über ein gut geöltes Netzwerk in Politik und öffentlichem Dienst.
Jordan kann den Termin der nächsten aus Marseille abgehenden Heroin-Lieferung aus einem Unglücksraben (Stéphane Ferrara) rausprügeln. Da die schwachbrüstigen Bullen-Schnellboote den hochgerüsteten Gangstern unterlegen sind, schifft sich der schlagkräftige Beamte per Hubschrauber auf dem Drogenrennflitzer ein, gibt den Kurieren einen auf die Zwölf und versenkt vier Zentner Heroin im Mittelmeer. Das bringt ihm nicht nur Ärger mit Meccacci ein, sondern auch mir der Polizeiführung, die die Beute zu PR-Zwecken liebend gern der Presse präsentiert hätte.
Unser Commissaire verliert also seinen Posten beim Drogendezernat und landet wieder in Paris, im Innendienst für allgemeine Strafsachen. Doch Jordan ist der letzte, der sich an die Kette legen lässt. Auf eigene Faust und mit gelegentlicher Unterstützung seines Kollegen Rojinski (Pierre Vernier) tritt er dem Gesockse auch in eigener Sache immer wieder ordentlich auf die Füße und sorgt dabei für regelmäßigen Nachschub in Unfallambulanzen und Zahnarztpraxen. Obwohl mehr als ein wichtiger Zeuge das Zeitliche segnet, stößt Jordan immer tiefer in Meccaccis Scheißhaufen vor.

Zitate

Jordan lässt's mit Rainer Brandts Hilfe auch verbal krachen:
„Schön hier bleiben! Wollst’ heimlich ’n Tee trinken gehen, du Federpupe?“
„Wenn ihr ruhig bleibt, passiert keinem was. Wenn nicht, kann man eure Klamotten bald im Secondhand-Shop ertrödeln.“
„Sowie ich den Namen Meccacci höre, wird mein Senkel gelb.“
„Scheiß dir nicht in die Hose. Du hast nur eine.“


Antonio Villa (Didier Sauvegrain): „Ich könnte kollabieren, wenn Sie mir den Stoff entziehen.“ – Jordan: „Ist mir völlig egal, du Nieselpriem. Ich bin Bulle und kein Arzt.“

Zuhälter 1: „Kennst du den Bullen?“ – Zuhälter 2: „Nein, aber das wird auch so ein Waschlappen sein von 40 Kilo Nassgewicht.“ (Dramatische Fehleinschätzung, liebe Freunde)

Die Kritik des Gunslingers:

Krimispezialist Jacques Deray („Killer stellen sich nicht vor“, „Mord in Barcelona“) inszenierte mit „Der Außenseiter“ ein für die Zeit typisches Belmondo-Action-Vehikel. Obwohl schon deutlich in die Jahre gekommen, macht Belmondo wieder eine gute Figur als knüppelharter Bulle, der mit Methoden jenseits der Legalität den Kampf gegen das Verbrechen führt. Die stark reaktionäre Attitüde rückt Kommissar Jordan dabei deutlich in die Nähe von Vorgängern und Zeitgenossen wie Inspector „Dirty Harry“ Callahan oder die verschiedenen Inkarnationen eines Maurizio Merli.
Die hier nur en passant geäußerte Kritik am Straf(verfolgungs)system dient dabei lediglich als halbgare Motivation, damit unserer prügelfreudiger Commissaire seinen Hang zu Selbstjustiz und verbeulten Fressen adäquat ausleben kann. Klar kann man hier wieder eben jenes sowie die klischeehafte Darstellung von Schwulen und Migranten kritisieren, verschärft durch die Kodderschnauze von Rainer Brandt. Und diese Kritik ist durchaus nicht an den Haaren herbeigezogen meine Lieben (wink).
Aber PC sind wir eh nicht, also ist mir eher aufgestoßen, dass der Film in weiten Teilen eher unstraff vor sich hin glibbert. Wir verfolgen Jordan bei seinen vielen Einzelfehden: Sei es, dass er zwei ekligen Luden in einer Pommesbude eins aufs Maul haut, sei es, dass er in einem Schwulenclub den Dicken macht, sei es, dass er in einem illegalen Puff zulangt. Das alles hat nur wenig mit der Jagd nach Meccacci zu tun, die sowieso und zum Schaden des Films eher eine Nebenrolle spielt. Die Actionszenen sind allerdings gut und schnell inszeniert, und auch das Brandtsche Gekalauer macht ab und an tatsächlich Spaß. Der Morricone-Score bleibt unauffällig und erinnert an einschlägige Genre-Ware aus Italien. Was Wunder *lach.
Was bleibt, ist eine Belmondo-Oneman-Show, der ein gerüttelt Maß mehr Henry Silva sehr gut getan hätte, der als Schurke viel zu blass bleiben muss.
Und zum Abschluss noch ein paar Schlauscheißer-Infos: Roger Dumas, der hier den stieseligen Arschlecker-Cop Simon spielt, textete seit den 1960ern auch eine stattliche Anzahl Songs, etwa für Sylvie Vartan und Johnny Hallyday. Pierre Vernier wiederum ist seit langem auch privat mit Belmondo befreundet, mit dem er einige Streifen zusammen drehte.

Rating: $$$+

Splatter:

2/10

 

 

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