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Johnny Handsome - Der schöne Johnny

Info

OT: 
Johnny Handsome

Jahr: USA 1989
R: Walter Hill
B: Ken Friedman
K: Matthew F. Leonetti
M: Ry Cooder
D: Mickey Rourke, Ellen Barkin, Elizabeth McGovern, Morgan Freeman

Quelle: TV (Tele 5)

 

Inhalt

John Sedley (Mickey Rourke), aufgrund einer genetisch bedingten Gesichtsdeformation „liebevoll“ nur „Der schöne Johnny“ genannt, hat immerhin so einiges los, wenn’s ums Aushecken gut geplanter Coups geht. Mit einem solchen will er auch seinem einzigen Kumpel Mikey (Scott Wilson) unter die Arme greifen, der wieder mal in Geldnöten steckt.
Also plant Johnny den Überfall auf einen gut bestückten Juwelier. Doch sein ungutes Gefühl bezüglich der restlichen Beteiligten, das Pärchen Rafe (Lance Henriksen) und Sunny (Ellen Barkin), trügt ihn nicht. Die sauberen Zwei nämlich legen Mikey um und verpissen sich mit der Beute, während Johnny einfährt: Fünf Jahre Zwangsarbeit auf den Baumwollfeldern Louisianas springen raus dafür, dass er niemanden verpfeift.
Doch Rafe lässt der unliebsame Zeuge nicht ruhen: Er stiftet zwei Knastologen an, Johnny um die Ecke zu bringen, aber das Attentat schlägt fehl. Johnny landet im Gefängnis-Schlunz und dort im Resozialisierungsprogramm von Dr. Resher (Forest Whitaker): Der führt Studien durch, in wieweit kosmetische Operationen beim Finden des rechten Weges unterstützen können. Für Johnny springen so auf Staatskosten eine runderneuerte Visage, eine neue Identität und Aussicht auf Bewährung raus.
Zunächst läuft alles glatt: Sedley findet als Freigänger einen Job und verliebt sich in die hübsche Buchhalterin Donna (Elizabeth McGovern). Doch wie ein lästiger Moskito hängt ihm der Bulle Lieutenant Drones (Morgan Freeman) im Nacken, der nicht an Johnnys Besserung glaubt und ihn hartnäckig an Rache für seinen toten Kumpel Mikey erinnert. Bald rücken Rafe und Sunny damit wieder in Johnnys Visier, zumal sie inzwischen Mikeys alte Spelunke übernommen haben. Seine neue Optik erleichtert es ihm, die Beiden einzulullen und seine Rache vorzubereiten.

Zitate

Mikey: „Den einzigen Bürgen, den ich jemals mit zur Bank genommen habe, war meine Smith & Wesson.“

Sunny: „Du kannst mir’n Gefallen tun: Zieh’ ’ne Tüte über seine Birne.“

Drones: „Du kannst vielleicht den Quacksalber und die Betschwestern überzeugen. Aber ich kenne dich. Ich weiß, wer du bist, ich weiß, was du bist.“

Sunny: „Wenn es um Geld geht, gibt es niemals genug für alle.“

Die Kritik des Gunslingers:

Walter Hill, Spezialist für actionbetonte Reißer, ließ hier die Action ein wenig in den Hintergrund treten zugunsten der Geschichte. „Johnny Handsome“ bietet von Figurenzeichnung und Geschichte fast lupenreine Noir-Kost. Wir finden eine Welt vor, die einheitlich grau gefärbt ist. Hier gedeihen keine positiven Identifikationsfiguren, denn sieht man vielleicht von Dr. Resher ab, haben sie alle mehr oder weniger Dreck am Stecken. Selbst die eigentlich grundgute Donna betrügt über das firmeneigene Abrechnungssystem zugunsten ihres Ex-Freundes (Jeffrey Meeks) und hat damit erstmal nicht wirklich Probleme mit. Erst als dieser sie damit erpresst, wird’s ein wenig unangenehm.
Johnny, der es natürlich aufgrund seiner Physiognomie extrem schwer hatte, könnte man noch am ehesten als Opfer widriger Umstände bezeichnen. Ihm wird bei aller Skrupellosigkeit letztlich seine Hilfsbereitschaft zum Verhängnis. Richtig böööse ist Ellen Barkin. Sie lässt die alten Femmes fatales aus den 1940/50er-Jahren wieder auferstehen: kalt wie eine Hundeschnauze und dazu geballte, wasserstoffblondierte Erotik, die sie ausschließlich zur Mehrung materiellen Wohlstands einsetzt. So diskutiert sie nach der Knatterei mit dem generalüberholten Johnny, den sie nicht als das „Matschgesicht“ vom Juwelierüberfall wiedererkennt, ihren Lover Rafe abzuschießen, im wörtlichen Sinne.
Die spannendste Figur für mich ist der Cop, der fast als Gegenentwurf zum idealistischen Doc Resher erscheint. Während ersterer daran glaubt, dass sich jeder ändern kann, wenn man ihm nur das geeignete Umfeld bietet, ist letzterer Zyniker in Reinkultur. Er glaubt nicht nur, dass Johnny auch mit neuer Fassade ein Sack voll Scheiße geblieben ist. Darüber hinaus tut er alles dafür, um ihn wieder auf die schiefe Bahn zurückzustoßen. Nicht nur insistiert er bei Johnny immer wieder auf Rache an Rafe und Sunny, appelliert an die Freundschaft zu Mikey. Als er bei ihm anscheinend auf Granit beißt, intrigiert er auch in dessen Umfeld. Klasse Rolle für Morgan Freeman.
Trotz allem kommen die typische Hill-Action und -Geschwindigkeit nicht zu kurz. Eine kleine Genre-Perle, zu der Ry Cooder einen Score beisteuerte, der besonders in seinen ruhigeren Passagen stark ist, in denen die Slide-Guitar das Zepter übernimmt.

Rating: $$$$+

Splatter:

4/10

 

 

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