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Schwarzer Tag für den Widder, Ein

Info

OT: 
Giornata nera par l'Ariete

AT:
Der schwarze Tag des Widders

Jahr:
I 1971
R, B: Luigi Bazzoni
B: Mario Di Nardo, Mario Fenelli
K: Vittorio Storaro
M: Ennio Morricone
D: Franco Nero, Silvia Monti, Wolfgang Preiss, Renato Romano

Quelle: TV (Kinowelt). Dank an Grinder!

 

Inhalt

Andrea Bild (Franco Nero) ist Journalist mit Karrierehänger und Alkoholproblem. Für eine Story soll er den Überfall auf einen Englischlehrer (Maurizio Bonuglia) recherchieren, der kräftig eins auf die Mütze gekriegt hat und nur mit Schwein mit dem Leben davon gekommen ist. Doch er kommt nicht so recht weiter: Das Opfer ist nicht vernehmungsfähig, die beiden Zeugen – die Nutte Giulia (Agostina Belli) und ihr Lover Walter (Luciano Bartoli), pikanterweise Bruder von Andreas zwielichtiger Teilzeitfreundin Lou (Pamela Triffin) – zeigen sich zugeknöpft.
Einige Tage später wird Sophia Bini (Rossella Falk), an den Rollstuhl gefesseltes Ehegespons des Arztes Riccardo Bini (Renato Romano), erdrosselt, nachdem der Doc mit einem fingierten Notfall aus der Butze gelockt worden war. Da man wie beim Englischlehrer auch hier einen Handschuh am Tatort findet, liegt der Beginn einer Serie nahe. Und das Morden nach dem vorgegebenen Muster geht tatsächlich weiter.
Seltsam: Die meisten Opfer kannten sich und waren Gäste derselben Silvestersause. Andrea bekommt nun selber Probleme. Er erhält nicht nur einen Drohanruf, der ihm ein Absehen von weiterer Schnüffelei nahelegt. Dazu war er selber Gast nämlicher Party und hat für die Zeiten der Morde nur *hust* sehr lückenhafte Alibis, so dass er bald in den Fokus des ermittelnden Commissario (Wolfgang Preiss) gerät. Und drittens schließlich zieht ihn der Herausgeber (Corrado Gaipa) der Zeitung auf Druck von Doktor Bini, Ehemann des zweiten Opfers, von der Geschichte ab: Der nämlich finanziert nicht nur das Blatt, sondern ist auch durch den Tod der Gattin um eine halbe Million lachender Scheinchen reicher geworden und kann zu intensive Recherchen nicht brauchen.
Als Andrea schließlich halbwegs durchblickt, wird er verhaftet, doch der Kommissar gewährt ihm noch 24 Stunden, um möglichweise noch einen weiteren Mord zu verhindern und seine Unschuld zu beweisen.

Zitate

Anonymer Anrufer: „Sie schweben in Lebensgefahr, wenn Sie weiter im trüben Wasser fischen. Wenn Sie durchsehen, werden Sie Ihr eigenes Grab erkennen.“

Die Kritik des Gunslingers:

Mit dem Widder legte Luigi Bazzoni einen wenn auch nicht immer wirklich spannenden, so doch fesselnden Krimi mit leicht gesellschaftskritischen Momenten vor. Das Bild, das der Streifen vom Zustand der sagen wir oberen Mittelklasse zeichnet, ist eher deprimierend. Ein dichtes Netzwerk, in dem es aber nicht um Freundschaft geht, sondern darum, wer wem wie nützlich sein kann. Diese Beziehungen werden bemüht, um Macht auszuüben. Sei es zur Sicherung der eigenen gesellschaftlichen Position, sei es, um ungestört sexuellen Obsessionen nachzugehen. Es geht nicht um Liebe, sondern um Triebe, wenn man so will, liebe Gemeinde.
Franco Nero ist der einst engagierte linke Journo, der sich aber inzwischen angepasst hat. Allerdings unterscheidet ihn noch von seinen Kollegen, wie dem schlüpfrigen Traversi (Guido Alberti), die Tatsache, dass ihm seine Resignation zumindest unterschwellig bewusst ist. Außerdem trauert er seiner Ex, der verheirateten Helena (Silvia Monti) nach, die ihn vor die Tür gesetzt hat, weil sie sich gerade ihrem Gatten wieder annähert. Denn dessen Kohle ist dann doch allzu attraktiv (wink). Andreas Reaktion: Frauengeschichten und erhöhter Spritkonsum. Und dann wäre da auch noch der Killer, der offensichtlich den Verdacht auf Andrea lenken will.
Diese psychologisch-moralisch verfahrene Situation
und die innere Isoliertheit der Charaktere spiegelt sich auch in den Bildern wider, die uns der formidable Bildgestalter Vittorio Storaro immer wieder serviert. Viele Einstellungen, in denen die Kamera die Protagonisten durch Glas – Fenster, Autoscheiben – beobachtet, dazu häufig schräge Linien. Die Kameraarbeit ist einer der großen Pluspunkte dieses Streifens. Immer wieder schlüpft sie in die Position des Killers, dem wir sozusagen über die Schulter sehen, wenn er sich seinen Opfern nähert. Zwar weist der Film, starke Giallo-Bezüge auf, wie den maskierten Mörder, der gerne mit Stilett und Rasiermesser arbeitet. Doch verzichtet man auf die ansonsten sehr häufig vorhandenen exploitativen Elemente: Nicht nur die Nacktszenen, sind sehr dezent und ästhetisch eingefangen, auch die Morde werden optisch nicht ausgeschlachtet, sieht man mal von einem Kehlschnitt ab. Der Score von Ennio Morricone ist anlassgemäß eher dissonant gehalten. Orgel und Vibraphon dominieren die seltenen melodiösen Momente; ein (Kinder?)-Chor den Titeltrack.
Regisseur Luigi Bazzoni ist der Bruder des bekannteren Camillo Bazzoni, mit dem zusammen er den eher ungewöhnlichen Western „Mit Django kam der Tod“ machte. Der bereits erwähnte Vittorio Storaro ist ein Kamera-As, der für „Apocalypse now“ mit dem Oscar belohnt wurde. Für den Italowestern-Afficionado ist auch Mario Di Nardo kein Unbekannter: Er skriptete etliche Genrebeiträge wie beispielsweise „Die schmutzigen Dreizehn“ oder „Django – die Nacht der langen Messer“.

Rating: $$$$

Splatter:

2/10

 

 

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