Access Keys:
Skip to content (Access Key - 0)

Toggle Sidebar

Reine Formalität, Eine

Info

OT:
Una pura Formalitá

AT:
Une pure Formalité (F)

Jahr: I/F 1994
R, B: Giuseppe Tornatore
K: Blasco Giurato
M: Ennio Morricone
D: Gérard Depardieu, Roman Polanski, Sergio Rubini, Nicola Di Pinto

Quelle: DVD (Koch). Dank fürs Rezi-Exemplar!

 

Inhalt

Es schüttet wie aus Eimern, als eine Polizeistreife abends auf einer abgelegenen Landstraße im Wald einen Mann (Géradr Depardieu) aufgreift: trotz der Weltuntergangsstimmung ohne Jacke und ohne Papiere. Auf dem Polizeirevier heißt es erstmal warten auf den Kommissar (Roman Polanski). Der missmutige Fremde wird darob schnell kiebig, und schließlich kommt es sogar zum Austausch von Handgreiflichkeiten mit den anwesenden Beamten.
Als der Kommissar kurz darauf eintrudelt und sich der Unbekannte als Onoff vorstellt, Schriftsteller, ändert sich die Stimmung. Der Commissaire nämlich ist leidenschaftlicher Fan und Fachmann, kennt alle Werke Onoffs aus dem Effeff. Nach anfänglichen Zweifeln lässt sich der Cop überzeugen, auch tatsächlich den verehrten Schriftsteller vor sich zu haben. Alles cremig soweit also, nur noch ein paar Fragen – „eine reine Formalität“.
Als der Kommissar dann aber rausrückt, dass man in unmittelbarer Nähe von Onoffs Landhaus eine frische Leiche gefunden hat, ändert sich der Ton des Gesprächs. Denn Onoff verwickelt sich im Lauf des Verhörs nicht nur in Widersprüche, sondern hat einen kompletten Filmriss für eine bestimmte Zeit des Tages. Eine lange Nacht liegt vor allen Beteiligten …

Zitate

Kommissar: „Sie sind der Werke, die Sie geschrieben haben, nicht würdig.“

Onoff: „Sie begehen gerade den größten Fehler Ihrer Laufbahn, die, wie ich annehme, ohnehin nicht sehr brillant gewesen ist.“

Onoff: „Man sollt wohl nie seinen Idolen begegnen. Es könnte nämlich sein, dass jene großen Werke, die uns so schöne Träume bescheren, auf dem Scheißhaus entstanden sind … als man gerade Dünnpfiff hatte.“

Die Kritik des Gunslingers:

Als der Streifen 1994 rauskam, fiel er mit Krachen durch: zu verschwurbelt fürs Publikum, zu gewollt für die Kritik. Regisseur und Autor Giuseppe Tornatore, ein Autorenfilmer im traditionellen Sinn, lächelt heute indes milde über die geballte Ablehnung und hält das Werk für eine der kreativen Sternstunden seiner Karriere. Nach Sichtung komme ich zu dem Schluss, dass beide Seiten nachvollziehbare Argumente ins Feld führen können. Einerseits dürfte bis kurz vor Schluss und vielleicht auch darüber hinaus Vielen nicht klar sein, was der Film eigentlich zu erzählen hat. Wenn man aber auf der anderen Seite bereit ist, sich auf den Streifen einzulassen, die kleinen, immer wieder eingestreuten Hinweise zu lesen, fügt sich das Gesehene am Ende zu einem fein konstruierten Ganzen.
Der Film ist als Kammerspiel angelegt, und schon das Setting vermittelt eine fast apokalyptische, beengende Atmosphäre. Das Polizeirevier ist nicht nur denkbar weit ab vom Schuss, sondern auch completti marode: Die Decken sind so kaputt, dass überall Eimer stehen, um das eindringende Wasser aufzufangen. Einmal rutscht ein älterer Beamter auf Knien über den Boden, um den unter Wasser stehenden Boden trocken zu wischen. Klar, dass das Telefon nicht funktioniert, genauso wenig wie Klo und Waschbecken und kurze Zeit später der Strom durch das bis fast zum Ende tobende Gewitter ausfällt.
Wir befinden uns in einem Mix aus Drama und Psychothrill, einem Verhörfilm, und da gehören Rückblenden zum guten Ton. Der Streifen setzt diese allerdings nicht in erster Linie ein, damit der Zuschauer die Geschehnisse hintereinander kriegt, sondern als Stilmittel, um den Erinnerungsstand Onoffs zu dokumentieren. Zuerst gibt’s beispielsweise eine deutliche Bild-Ton-Schere, die die Aussagen des Schriftstellers *hust* zumindest in Zweifel zieht. Mit den unterschiedlichen Versionen, die Onoff serviert, verringert sich auch diese Diskrepanz. Den Blackout beispielsweise symbolisieren anfangs ganz kurze Filmsequenzen, Einzelbilder. Je weiter der Kommissar im Verlauf des Verhörs in die Psyche Onoffs und damit zum Kern der Geschehnisse vordringt, desto länger und klarer werden diese Bildfolgen.
Schauspielerisch ganz groß trumpfen die beiden Antagonisten Gérard Depardieu und Roman Polanski auf, wobei Depardieu als zerquälter Schriftsteller den vielschichtigeren Part hat. Die Kameraarbeit ist ebenfalls sehr nett, vor allem wenn man bedenkt, dass nahezu die gesamte Geschichte in dem Polizeirevier spielt. Für den dezenten Score zeichnet Ennio Morricone verantwortlich, der bisher zu allen Filmen Tornatores die Musik schrieb. Die Streicherexzesse zu Beginn allerdings, gingen mir gehörig auf den Sack. Doch das ist wieder mal Geschmackssache (wink).

Rating: $$$$$

Splatter:

3/10

 

 

Bitte beachten Sie unsere Datenschutzrichtlinien