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Info

OT: 
L'Insoumis

Jahr: F 1964
R, B: Alain Cavalier
B: Jean Cau
K: Claude Renoir
M: George Delerue
D: Alain Delon, Lea Massari, Georges Géret, Maurice Garrel

Quelle: TV (arte)

 

Inhalt

Nach über fünf Jahren Fremdenlegion und Algerienkrieg hat der Luxemburger Thomas Vlassenroot (Alain Delon) die Faxen dick: Er desertiert zusammen mit einem seiner Offiziere, Leutnant Fraser (Georges Géret). Thomas taucht in Algier bei seiner Bekannten Maria (Viviane Attia) unter. Allerdings fehlen ihm die Pennunzen, um das Land zu verlassen; so sitzt er hier erstmal fest.
Da klopft eines Tages Fraser wieder an, der inzwischen Mitglied der nationalistischen Terrorgruppe OAS geworden ist: Thomas soll gegen fettes Bakschisch helfen, Dominique Servet (Lea Massari) zu entführen, Anwältin aus Lyon. Die Gutste ist in Algier, um zwei algerische Guerillakämpfer zu verteidigen. Das Problem sind zwei noch unbekannte Entlastungszeugen, die die Anwältin auffahren wird. Deren Namen hätte man doch gern, um sie final zum Schweigen zu bringen.
Das Ding geht glatt, und Thomas und ein OAS-Aktivist, Amerio (Robert Castel), sollen die Gefangene ein paar Tage lang in einem unwirtlichen Hochhaus-Appartment bewachen. Thomas und Dominique kommen sich ein wenig näher, was Amerio nicht passt: Ihn muss Thomas in Notwehr umnieten, wobei er sich aber selbst eine Kugel einfängt. Er lässt Dominique und einen weiteren Gefangenen (Paul Pavel) laufen.
Mit dem Zaster aus der Entführung sowie dem Geld, das ihm Dominique für ihre Freilassung zugesteckt hat, kann Thomas per Boot Marseille erreichen. Von hier aus soll’s per Bahn weitergehen nach Luxemburg. Aber die nur provisorisch versorgte Schusswunde zwackt: Also verlässt Thomas in Lyon den Zug, um Dominique aufzusuchen. Die macht bei einem befreundeten Doc einen Operationstermin für ihn klar. Während sich die Beiden die Wartezeit mit so etwas wie einer Romanze versüßen, haben Leutnant Fraser und die OAS schon längst wieder Witterung aufgenommen.

Zitate

Fraser: „Fühlst du dich wohl als Deserteur?“ – Thomas: „Es kotzt einen ein bisschen an, aber man gewöhnt sich daran.“

Die Kritik des Gunslingers:

Auch in seinen zweiten Streifen lässt Alain Cavalier wieder den Algerien-/OAS-Komplex hereinspielen. Im Vergleich mit „Der Kampf auf der Insel“ ist „Die Hölle …“ deutlich runder geraten, da hier die einzelnen Komponenten besser ineinandergreifen. Was den Streifen auch nicht rettete. Ihm war ein ähnliches Schicksal beschieden wie Cavaliers Regiedebüt: massive Eingriffe der Zensur und letztlich ein Kassenflop. Hinzu kamen rechtliche Scherereien, denn der Film fußt auf wahren Begebenheiten: Das reale Alter Ego von Dominique Servet sah sich nicht richtig wiedergegeben.
Was als Politthriller beginnt, mündet spätestens ab dem Zeitpunkt, an dem Thomas den Gefangenen zur Flucht verhilft, in (melo)dramatische Bahnen, fein abgestimmt mit etwas Roadmovie. Im Verlauf seiner Reise, die er ab der erneuten Flucht vor Frazer und der OAS gemeinsam mit Dominique absolviert, setzt in Thomas fast sowas wie ein Läuterungsprozess ein. In den Gesprächen mit der Anwältin, die im weiteren Verlauf seine Geliebte wird, zeigt sich bei ihm Reue. Er legt zwar nicht ernsthaft den Willen zur Buße an den Tag, scheint aber doch bereit, fortan ein anderes Leben zu führen.
Wie eingangs bereits gesagt: Der Streifen schnurrt gut durch, und zwar ohne atmosphärische Brüche. Die stresstreibende, sommerliche Gluthölle Algiers, wird schrittweise ersetzt durch die nächtliche regnerische Matschlandschaft Nordfrankreichs. Alain Delon trägt den Streifen nahezu im Alleingang: Weit weg vom Samurai oder späteren, coolen Action-Inkarnationen gibt er den brutal leidenden Schmerzensmann. Da bleibt selbst für die tolle Lea Massari neben ihm kaum Platz zur Entfaltung. Der gesamte Streifen atmet eine Kühle und Hoffnungslosigkeit, die selbst die aufrichtige Entladung zwischen Delon und Massari nicht zerbrechen kann.

Rating: $$$$

Splatter:

2/10