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Info

OT: 
Col Cuore in Gola

AT:
En cinquième Vitesse
Dead Stop – Le Coeur aux Lèvres

Jahr:
I/F 1967
R, B:
Tinto Brass
B: Sergio Donati, Francesca Longo, Pierre Lévy
K: Silvano Ippoliti
M: Armando Trovajoli (Trovaioli)
D: Jean-Louis Trintignant, Ewa Aulin, Charles Kohler, Roberto Bisacco

Quelle: TV (ARD)

 

Inhalt

Bertrand (Jean-Louis Trintignant), Franzose und Schauspieler, schaut mal wieder im „La Boîte“ vorbei, seinem Stammclub in London. Da er nicht mehr auf Kredit picheln darf, versucht er, Clubbesitzer Prescott zu sprechen. Doch der Gastronom liegt niedergestreckt in seinem Büro, mausetot. Neben ihm steht die 17-jährige Jane Burroughs (Ewa Aulin), ein heißer Feger, mit dem Bertrand gerne mal durchputzen möchte.
Was durch Bertrands wabernde Hormonnebel dringt, ist: Jane war’s nicht und Prescott im Übrigen ein mieser Erpresser. Der wollte offensichtlich dem die Woche zuvor tödlich verunfallten Burroughs Sr. mit einem Aktfoto von dessen Lebensgefährtin (Sira Vilenti) ordentlich Penunzen aus dem braven Kreuz leiern. Besagtes Foto war’s wohl, das Jane in Prescotts Büro gelockt hatte.
Nun ist das pikante Bild aber verschwunden. Der schwer verknallte Bernard, selbst bereits polizeilich gesucht, lässt sich auf ein Abenteuer mit ungewissem Ausgang ein, als er Jane bei der Klärung dieser Angelegenheit zur Seite steht. Er bekommt’s zu tun mit Janes seltsamem Bruder Jerome (Charles Kohler), Schlägern verschiedener Couleur, einem rabiaten Zwerg (Skip Martin) und noch mehr Toten.

Zitate

Bertrand: „Rezitieren und Lügen ist mein Beruf.“

Martha (Vira Silenti): „Wo ist Larris?“ – Bertrand: „In seiner Badewanne … als Leiche.“

Bertrand: „Ich habe die Nase voll von dieser mysteriösen Geschichte.“

Die Kritik des Gunslingers:

Tinto Brass war offensichtlich nicht wirklich viel an seiner Krimihandlung gelegen. Hier ging‘s vielmehr vorrangig darum, ein popkulturelles Zeitgeist-Dokument zu erstellen. Erklärtes Vorbild ist Michelangelo Antonioni, dessen ein Jahr zuvor entstandener „Blow Up“ trotz einem ebenfalls zugrundeliegenden Thrillerplot als DAS Portrait des Swinging London gilt. So zitiert Bernard an einer Stelle nicht nur Antonioni, sondern kommt später mit Jane auch an einem Kinoplakat von „Blow up“ vorbei.
Ähnlich wie Antonionis Fotograf Thomas tauchen auch Bernard, Jane und Jerome ein das London der Sechziger: Clubs,schicke Läden, Parks, das hippe Fotoatelier von Bernards Spezl David (Roberto Bisacco) – vielleicht ebenfalls ein Antonioni-Verweis auf Blow-Up-Hauptakteur David Hemmings. Der Plot dient hier nur dazu, um dem Reigen Struktur zu verleihen. Alles ist Pop Art: rote Ampeln, Verkehrsschilder, die Underground. Im Rhythmus des fantastischen Psych-Scores Armando Trovaiolis – in dem Orgel mit ganz großem OOOOO geschrieben wird –, klassisch eingeklinkte Soundwords bei den Balgereien, Poster, so ins Bild gesetzt, dass sie die jeweilige Situation kommentieren. Splitscreen, Farbfilter, Geräuschkollagen.
Der Streifen ist also pure Sixties-Atmo, was Afficionados wie mich begeistert. Der unvoreingenommene Zuschauer allerdings, der hier vielleicht tatsächlich einen Thriller erwartet, dürfte vermutlich eher verprellt sein. Es entsteht keine Bindung zu den Charakteren, die vielleicht nicht umsonst häufig durch Glasscheiben oder indirekt in Spiegeln zu sehen sind. Der Film hat zwar seinen zeittypischen Rhythmus, aber keine Spannung im engen Sinne. Dementsprechend wurscht ist am Ende auch die Auflösung, die man eher nebenbei und fast lustlos serviert.
Aber das Teil groovt wie Sau! Dazu ist Ewa Aulin, die schwedische „Miss Teen 1966“, eine Augenweide als undurchschaubares Hipster-Girl. Ach komm, Höchstnote.

Rating: $$$$$

Splatter:

1/10