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Isla miníma, La - Mörderland

Info

OT:
La Isla miníma
AT:
Mörderland

Jahr:
SP 2014
R, B: Alberto Rodriguez
B: Rafael Cobos
K: Alex Catalán
M: Julio de la Rosa
D: Raul Arévalo, Javier Gutiérrez, Salva Reina, Nerea Barros

Quelle: TV (Tele 5)

 

Inhalt

Als 1980 in einem andalusischen Kaff an den Gestaden des Guadalquivir zwei halbwüchsige Schwestern verschwinden, ruft das die Kommissare Juan Robles (Javier Gutiérrez) und Pedro Suarez (Raul Arévalo) aus Madrid auf den Plan. Doch die Spurenlage ist genauso vermatscht wie das umgebende Schwemmland. Und auch die Auskunftsfreudigkeit der lokalen Bevölkerung kann man nur als „tröpfelnd“ bezeichnen.
So kommen die beiden Großstadt-Cops nicht so recht weiter, bis zwei Tage später die übel zugerichteten Leichen der Teenager auftauchen. Doch auch, als aus dem Vermissten- ein Mordfall geworden ist, stochern Robles und Suarez weiter im Trüben. Nur mühsam prökeln sie weitere Informationen ans Tageslicht. An Handfestem haben sie eigentlich nur die Blutgruppe des Mörders und einen halbverkohlten Filmstreifen.
Zudem hat es schon in der Vergangenheit vertuschte Morde und vermisste junge Frauen gegeben. Es kristallisieren sich schließlich doch zwei konkrete Spuren heraus: Die eine weist auf einen mutmaßlichen Pornoring hin, für den der Dorfaufreißer „Quini“ (Jesús Castro) Frischfleisch organisiert. Die andere führt in ein Hotel in Malaga, für das alle bekannten Opfer offensichtlich gefakete Arbeitsverträge unterschrieben hatten.

Zitate

Pedro: „Schläfst du manchmal?“ – Juan: „Natürlich.“ – „Und wann?“ – „Wenn du schläfst. Deswegen siehst du’s nicht.“

Bürgermeister: „Sie wissen überhaupt nicht, wie die Dinge hier laufen!“ – Pedro: „Doch, weiß ich. Wie überall.“

Rocio (Nerea Barros): „Der Ort verschlingt die Menschen: An einem Tag bist du noch da, dann bist du plötzlich verschwunden.“

Die Kritik des Gunslingers:

Ich muss ja zugeben, dass elegische Country-Thriller bei mir immer einen gut haben. Das gilt selbstredend auch für diesen spanischen Streifen, bei dem die eigentliche Mörderjagd eher zweitrangig ist. Letztlich geht es hier inhaltlich vor allem um zwei Aspekte. Zum einen um die mühsamen Versuche der 1980 noch jungen spanischen Demokratie, die gerade vergangenen Franco-Jahre abzuschütteln. Zum anderen um die sozialen Konflikte, die sich ergeben aus der nach wie vor streng hierarchisch strukturierten Provinzgesellschaft. Den atmosphärischen Ton gibt die faszinierende Marschlandschaft vor: weit abseits von „Sunshine Reggae auf Ibiza“, Flamenco- und Stierkampf-Folklore.
Der Film ist gebaut um die beiden ungleichen Kommissare, die sich nur über das gemeinsame Ziel zusammenraufen können. Juan Robles ist ein altgedientes Schlachtross, unheilbar an Krebs erkrankt. Unter Franco Mitglied der politischen Geheimpolizei mit miserablem Ruf und zweifelhafter Vergangenheit. Auf der einen Seite schreckt er nicht davor zurück, Befragungen *hust* etwas rau durchzuführen. Andererseits ist er spöttisch-charmant, ein Genussmensch. Dagegen steht Pedro Suarez für das neue Spanien: etwas schmallippig-idealistisch und rebellisch bis zur Humorlosigkeit, unbedingt willens mit den alten Zöpfen aufzuräumen. Dabei eckt er mit seiner kompromisslos liberalen Haltung immer wieder an.
Wie schwer sich Spanien tat mit dem Abstreifen der Franco-Jahre, fasst eine einzige Szene zusammen. In ihrem Hotelzimmer weist Robles seinen Kollegen auf ein Kruzifix an der Wand hin mit den Worten „Da hast du dein neues Land“: Das Teil ist gepflastert mit Bildchen von Hitler, Mussolini und Franco. Suarez kann den Kram nur stumm und grimmig in einer Schublade verschwinden lassen.
Und auch die fast kastenartig verkrustete Gesellschaftsstruktur auf dem Land – dies allerdings nicht unbedingt ein Franco-Produkt sondern viel älter – hat sich erhalten. Die Bevölkerung schuftet als Kleinbauern, Fischer oder völlig unterbezahlte Saisonarbeiter für Großgrundbesitzer. Nicht umsonst versucht hier jeder – vom einfachen Landmann bis zur lokalen Guardia Civil – sich mit Schmuggelei von Kippen bis Drogen über Wasser zu halten. Entsprechend schwer haben es die „Eindringlinge“ Robles und Suarez, an Informationen zu kommen. Und nicht umsonst gibt es hier nahezu keinen Jugendlichen, den es nicht in die Städte zieht.
Herausragend ist die Atmo des bis auf seine seltenen Gewalt- oder Actionausbrüche sehr ruhigen Streifens. Das liegt nicht nur an der feinen Kameraarbeit, die immer wieder die etwas abweisend wirkende Natur in Szene setzt: flach, sumpfig, mit regelmäßigen, heftigen Regengüssen, ein Vogelparadies. Der Score bildet hier die zweite Komponente: sparsam eingesetzt, melancholisch, häufig nur mit Gitarren und Bass unterwegs. Sehr häufig hört man auch ausschließlich den Sound der Natur: das dauernde Zirpen der Grillen, das Summen der Fliegen, die Seevögel, Wildgänse und Flamingos.

Rating: $$$$$

Splatter:

3/10

 

 

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