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Wara no Tate – Die Gejagten

Info

OT: 
Wara no Tate

Jahr: J 2013
R: Takashi Miike
B: Tamio Hayashi
K: Nobuyasu Kita
M: Kôji Endô
D: Takao Osawa, Nanako Matsushima, Gorô Kishitani, Tatsuya Fujiwara

Quelle: TV (Pro 7)

 

Inhalt

Nach dem brutalen Mord an einem 7-jährigen Mädchen steht der Täter durch DNA-Beweis schnell fest: Es ist der einschlägig vorbestrafte Kiyomaru (Tatsuya Fujiwara), kurz zuvor aus dem Knast entlassen. Der Großvater der Kleinen, der stinkreiche Takaoki Ninagawa (Totsumo Yamazaki), fackelt nicht lange. Er lobt öffentlich eine Belohnung von einer Milliarde Yen aus für den, der Kiyomaru umnietet.
Angesichts des einsetzenden Kesseltreibens stellt sich der Killer bald darauf freiwillig. Jetzt heißt es, ihn unbeschadet, aber vor allem lebend nach Tokio zur Staatsanwaltschaft zu kriegen. Man stellt ein fünfköpfiges Team zusammen aus Beamten von Kriminalpolizei und Sicherheitsbehörde, das Kyomaru eskortieren soll. Fast sowas wie ein Himmelfahrtskommando für Leutnant Mekari (Takao Osawa) und seine Kollegen: Angesichts des astronomischen Kopfgeldes gibt es nämlich eine Menge Leute, die sich das Sümmchen verdienen wollen – ohne Rücksicht auf Kollateralschäden. Und auf die Pennunzen sind nicht nur Zivilisten scharf, sondern auch nicht wenige *hust* Staatsbedienstete.
Erschwerend hinzu kommt, dass es einen Maulwurf gibt, der per GPS kontinuierlich die aktuelle Position des Transports auf einer speziellen Internetseite postet.

Zitate

Captain Ohki (Hirotarô Honda): „Mekari, stehen Sie als kugelsichere Weste für diesen Drecksack zur Verfügung?“

Sergeant Kamihashi (Kento Nagayama): „Die Verrückten werden jetzt aus allen Löchern kriechen.“ (… und nicht nur die)

Lieutenant Okumura (Gorô Kishitani): „Abartige Menschen wie er erobern langsam unsere Welt. Es ist eine Welt voller Arschlöcher und ohne die Spur eines Gewissens.“

Kiyomaru: „Ihr verletzt meine Menschenrechte!“

Die Kritik des Gunslingers:

In seinem Thriller zeigt Takashi Miike, wie dünn die Fäden aus Moral und Gesetz gewebt sind, die eine Gesellschaft zusammenhalten. Es reicht eine öffentlich ausgeschriebene und recht stattliche Summe an Kies, die sich theoretisch jeder verdienen kann, um das formgebende Netz aus Regeln und Werten löchrig werden zu lassen. Das betrifft hier nicht nur die einfachen Bürger, sondern auch die Repräsentanten von Recht und Gesetz, und selbst im Krankenhaus versucht eine Schwester, den zur Behandlung eingelieferten Killer umzunieten. Die Frage, die hier über allem steht: Lohnt sich der immense Einsatz von Geld und Menschen, um einen kranken Mörder unbeschadet von A nach B zu bringen, wo ihn eh das Todesurteil erwarten wird? Klares Ja, liebe Gemeinde, denn eben dies kennzeichnet Zivilisation.
Das Szenario, in das Miike seine fünf Cops stellt, ist also denkbar problematisch. Auf der einen Seite müssen sie Personenschützer für einen Kriminellen sein, den jeder von ihnen selbst lieber tot sehen würde. Auf der anderen Seite haben sie die ganze Bevölkerung gegen sich, alles potenzielle Killer. Dementsprechend durchweht den Streifen eine kühle Einsamkeit.
Was die Sache noch eine Nummer gefährlicher macht: Es gibt keine Skrupel, Unbeteiligte zu verletzen oder zu töten, um an Kyomaru ran zu kommen. Da manipuliert ein Mechaniker das Verkehrsflugzeug, mit dem der Mörder nach Tokio geflogen werden soll. Kein Problem mit Kollateralschäden im dreistelligen Bereich. Ein anderer, der sich die Milliarde verdienen möchte, zögert nicht, ein kleines Mädchen mit dem Messer zu bedrohen, um die Personenschützer zu zwingen, Kyomaru herauszugeben. Auch ein Tanklaster voller Sprengstoff, mit dem man gnadenlos durch den Verkehrskollaps pflügt, scheint ein probates Mittel zu sein. Und so weiter.
Noch dazu gibt’s da ja auch noch den Maulwurf, der neben dem verlockenden Kopfgeld und dem moralischen Dilemma zusätzlich den inneren Zusammenhalt und die Motivation der Personenschützer auf die Probe stellt. Das Team hat nicht nur mit steigender Gewalt von außen zu kämpfen, sondern auch damit, dass wirklich niemandem zu trauen ist, sei es dem zufällig vorbeikommenden Autofahrer, Polizisten in einer Straßensperre oder dem eigenen Kollegen. Selbst die Vorgesetzten zeigen sich nicht unbeeindruckt von der Summe, die im Raume steht. Moralische Argumente, die ins Feld geführt werden, etwa, dass man kein Leben für „Abschaum“ wie Kyomaru einsetzen sollte, entpuppen sich als reine Weißwäsche für sich selbst. Letztlich geht es wirklich nur ums Abkassieren.
Miike beschränkt sich zwar nicht darauf, moralisch-ethischen Brei durchzukauen. Allerdings halten sich um das dramatische Fundament gruppierte Action-Einlagen und Shootouts, gerne mit Handkamera eingefangen, in Grenzen. Seinen Hauptfiguren spendiert er einen persönlichen Background, was nicht nur diesem Streifen gut zu Gesicht steht.

Rating: $$$$$

Splatter:

4/10

 

 

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