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Profondo rosso – Die Farbe des Todes

Info

OT: 
Profondo rosso

Jahr: I 1975
R, B: Dario Argento
B: Bernardino Zapponi
K: Luigi Kuveiller
M: Giorgio Gaslini, Goblin
D: David Hemmings, Daria Nicolodi, Gabriele Lavia, Glauco Mauri

Quelle: TV (arte)

 

Inhalt

Während eines parapsychologischen Vortrags erhält das Medium Helga Ulmann (Macha Meril) die Vibes „eines perversen Geistes“. Die Gutste eskaliert komplett auf dem Podium, was die Veranstaltung zu einem abrupten Abschluss führt. Ihrem Freund und Mentor, Professor Giordani (Glauco Mauri), vertraut sie später an, sie wisse, wer der Perversling sei und wolle zuhause alles niederschreiben.
Doch dazu kommt es nicht mehr: Ein Unbekannter zerlegt die arme Helga noch am gleichen Abend mit einem Fleischerbeil. Zeuge des Mordes wird der britische Klavierlehrer Marc Daly (David Hemmings), der im gleichen Haus wie Helga wohnt, vom flüchtenden Killer aber nur noch den schwarzen Lackregenmantel registrieren kann. Umgehend hängt sich die ehrgeizige Jung-Journalistin Gianna (Daria Nicolodi) an Marc, die nicht nur eine gute Geschichte, sondern auch eine neue Knatterbeziehung sucht.
Aber Marc hat weder Lust, noch Zeit für Techtelmechtel; und er lässt Gianna erst einmal abblitzen. Ihn treibt der Gedanke um, dass er in der Wohnung Helgas was Wichtiges übersehen hat. So begibt er sich auf Nachforschungen, von denen ihm sein Spezl Carlo (Gabriele Lavia) dringend abrät. Denn auch der Killer weiß um Marcs Identität, seit ihm Gianna einen Seite-1-Beitrag in ihrer Zeitung widmete. Die wenigen Spuren indes scheinen auf eine in einem Urban-Legends-Buch erwähnte, verlassene Spukvilla zuzulaufen.
Aber wo ist diese verdammte Butze zu finden, von der nur ein Foto existiert? Während um Marc herum weitere Leute blutigst unter den Torf wandern, scheint der Killer über jeden seiner geplanten Schritte informiert. Und logischerweise ist die Schnüffelei auch für Marc selbst und die zwischenzeitlich assoziierte Gianna nicht gerade zuträglich.

Die Kritik des Gunsingers:

Dario Argentos Giallo „Profondo rosso“ gilt heute als (Sub-)Genre-Klassiker. Dabei punktet der Streifen nicht durch seine erwartbare Handlung, sondern durch die tolle Atmo, nicht zuletzt auch verantwortet durch den Score, eingespielt von Goblin, und die klasse Akteure. Ansonsten folgt der Streifen weitgehend Giallo-Konventionen. Unser Held bekommt es mit einem verrückten Schnetzler zu tun, dessen Tun auch auf Ereignissen in der weiteren Vergangenheit fußt.
Hier legt der Mörder keine wohlgestalteten Ladies um, sondern ist relativ geschlechtsneutral *lach. Ein Giallo-Gleichstellungs-Beauftragter sozusagen. Die Morde und sonstigen *hust* Todesfälle sind dabei ausgesucht blutig und bizarr inszeniert. Da treibt beispielsweise der Killer ein Opfer mit seinem Fleischerbeil so durch die Fensterscheibe, dass es im wahrsten Sinne spritzt; ein anderes endet mit dem Gesicht im kochend heißen Badewasser. Weiterhin gibt’s beispielsweise Zahnverlust durch Schreibtischkanten oder eine Enthauptung durch den Aufzug. Nun ja (Zwinkern). Zur Auflockerung serviert Argento als Zwischengang immer wieder ein wenig Humor. Für den sind im Zusammenspiel Hemmings und Argentos späteres Ehegespons Nicolodi zuständig. Mal ist es der Kampf der Geschlechter, mal der klapprige Cinquecento der Journalistin. Das wirkt anders als beispielsweise in „Vier Fliegen auf grauem Samt“ aber völlig unpeinlich und sorgt auch nicht für einen Stimmungsbruch.
Die Farbdramaturgie erinnerte mich ein wenig an Mario Bava, wenngleich Argento Farben nicht so plakativ einsetzt. Aber das fast ganz in Rot gehaltene Theater, in dem der parapsychologische Kongress stattfindet, ist schon ein Hingucker. Die tolle Kamera von Luigi Kuveiller liefert jede Menge extremer Großaufnahmen: Augen, Schweißperlen, Tonbandspulen, Messer, Handschuhe, Klaviertasten und –Saiten, Puppen und vielerlei mehr.
Puppen sind per se klassische Elemente des Horrorfilms. Nichts steht besser für Gefühllosigkeit und Maskerade. In einer der unheimlichsten Szenen marschiert eine grauslich anzuschauende, mechanische Puppe in ein Arbeitszimmer. Der Auftakt zum nächsten Mord. Ebenso bringt der richtige Einsatz von Kindern lupenreinen Horror. Hier einmal als Kinderlied, das der Killer vor den meisten Morden per Tonband abspielt. Zweitens aber auch mit der kleinen Tochter des Hausverwalters, die gnadenlos Tiere quält. Die bei Kindern immer vorausgesetzte Unschuld und Hilflosigkeit auf den Kopf gestellt.
Wer mag, kann nach den typischen Argento-Elementen Ausschau halten, und er wird fündig werden. Vom wichtigen Detail, an das sich der Protagonist nicht erinnern kann, bis zur Vorliebe für Glas (Zwinkern) und Kunst, die wieder eine entscheidende Rolle spielt.
Die italienischen Prog-Rocker Goblin spielten übrigens hier zum ersten Mal unter diesem Namen zusammen. Argento hatte die Gruppe der Legende nach für den Score von „Profondo rosso“ wieder zusammengebracht, nachdem sich die Vorgängercombos aufgelöst hatten.
Einen ziehe ich ab wegen vermuteten Tier-Snuffs.

Rating: $$$$

Splatter:

8/10

 

 

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