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Info

OT: 
Alexandre, le Bienheureux

Jahr: F 1968
R, B: Yves Robert
B: Pierre Lévy-Corti
K: René Mathelin
M: Vladimir Cosma
D: Philippe Noiret, Françoise Brion, Paul Le Person, Marlène Jobert

Quelle: DVD (Pidax). Dank fürs Rezi-Exemplar!

 

Inhalt

Landwirt Alexandre (Philippe Noiret) hat’s nicht leicht, denn die resolute Gattin Eliane (Françoise Brion) hat ganz klar die Hosen an auf dem florierenden Hof. Da es das Ehegespons eigentlich lieber mit Gemütlichkeit versuchen würde, taktet Eliane die Tage für Alexandre straff durch. Sie selbst überwacht den Fortgang der aufgetragenen Arbeiten auf dem großzügigen Anwesen via Walkie-Talkie oder mobil in ihrem knallroten Deux Cheveaux.
Alexandre, so bärenstark wie gutmütig, murrt zwar hinter dem Rücken der Chefin, traut sich aber nicht an eine offene Revolte. Die nimmt ihm dann das Schicksal ab: Eliane verscheidet bei einem Autounfall. Der frischgebackene Witwer ist weit davon entfernt ein trauernder zu sein: Alexandre verkrümelt sich für die nächsten zwei Monate erstmal in die Poofe und hält nur noch über seinen schlauen Hund Kontakt zur Außenwelt.
Der Rest der Dorfgemeinschaft ist anfangs amüsiert, bald schon aber rechtschaffen empört über den Faulenzer. Schließlich nistet sich sogar der Spaltpilz ein, als eine zunehmende Zahl von Sympathisanten Alexandre zum Vorbild erklärt. Insbesondere Sanguin (Paul Le Person), arbeitsamer Vater einer vielköpfigen Familie, setzt alles dran, den Renegaten wieder auf den rechten Weg zu führen … und sei es per Hungerblockade.
Das alles prallt am tiefenentspannten Alexandre ab, der durch nichts von seinen einmal beschlossenen Dauerferien abzubringen ist. In diese Idylle dringt bald jedoch mit Nathalie/Agathe (Marlène Jobert) ein gewisses Störgeräusch, denn die süße Großstadtpflanze hat ein Auge auf Alexandre geworfen.

Zitate

Eliane: „Die Kürbisse warten.“ – Alexandre: „Welche Kürbisse?“ – „Natürlich die St. Petersburger frühen Riesen.“ – „Na, da kann man mal wieder sehen.“ – „Man lässt die St. Petersburger frühen Riesen aber nicht warten.“

Alexandre: „Man muss sich die Zeit nehmen, sonst läuft sie einem weg.“

Sanguin: „Er muss aus dem Bett raus. Er wird zur öffentlichen Gefahr.“

Pinton (Jean Saudray): „So ein Leben will ich auch führen: Fressen und Pennen. Er macht‘s richtig. Wir sind falsch gewickelt. Er ist frei.“

Die Kritik des Gunsingers:

Na, das nenne ich mal einen echte Gute-Laune-Streifen. Komödienprofi Yves Robert („Krieg der Knöpfe“, „Ein Elefant irrt sich gewaltig“) spendiert Philippe Noiret seine erste Hauptrolle und landet gleich einen Volltreffer.
Neben einem super entspannten Sixties-Feeling, großartiger Score by the way, liefert der Film nicht nur Stoff zum Dauerschmunzeln, sondern auch was fürs Hirnkastl. Dabei greift die von einigen Rezensenten postulierte Quintessenz „Ein Hohelied auf die Faulheit“ zu kurz, wie ich finde. Es geht letztlich darum, wie die Gesellschaft reagiert, wenn einzelne Mitglieder nicht mehr das tun, was man von ihnen erwartet, indem sie beispielsweise aus der täglichen Tretmühle ausbrechen.
Gut, in diesem Fall lebt der Protagonist seine Lust auf ewige Freizeit aus. Genauso hätte es aber eine andere Aussteigergeschichte sein können. Die Umwelt reagiert spätestens nach einigen Tagen mit Unverständnis und Aggression. Die moralische Entrüstung speist sich aber nicht aus der Sorge um das Gemeinwesen, diese dient nur der Bemäntelung. In Wirklichkeit gibt vor allem der Neid auf die Kompromisslosigkeit Alexandres den Takt vor, zu der die Meisten nicht den Mut aufbringen. Selbst der Eiferer Sanguin sehnt sich in einem schwachen Moment danach, einfach das zu machen, wonach ihm der Sinn steht und Pflicht mal Pflicht sein zu lassen.
Bei der Reaktion Alexandres auf den Tod seiner Frau handelt es sich um einen ehrlichen Akt der Revolte gegen das tägliche „Rat Race“. Gleichzeitig fängt der Streifen ganz nebenbei die Sechziger-Jahre-Stimmung ein: Selbstverwirklichung statt konventioneller Enge; ein wenig mehr Lockerheit statt knallhartem Leistungsstreben. Der Cast ist durch die Bank allererste Sahne. Aber Philippe Noiret ist – natürlich – ganz groß als Mensch, der endlich ganz selbstbestimmt sein Glück findet. Und auch Françoise Brion spendieren Buch und Regie großartige Szenen. Komiker Pierre Richard hat hier seine allererste Filmrolle. Später arbeitete er mit Robert, Cosma und Mathelin auch in etlichen seiner eigenen Streifen zusammen.

Rating: $$$$$

Splatter:

0/10

 

 

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