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Helden sind müde, Die

Info

OT: 
Les Héros sont fatigués

Jahr: F/D 1955
R, B: Yves Ciampi
B: J.L. Bost, J.C. Tacchella, Hans Hellmut Kirst (deutsche Fassung)
K: Henri Alekan
M: Loniguy
D: Yves Montand, Curd Jürgens, Maria Félix, Jean Servais

Quelle: DVD (Pidax). Dank fürs Rezi-Exemplar!

 

Inhalt

Der ehemalige französische Jagdflieger Michel Rivière (Yves Montand) arbeitet nach dem Zweiten Weltkrieg für eine kleine Lufttransportgesellschaft in Afrika. Als er mit seiner Maschine im Dschungel Bruch macht, entdeckt er, dass er unwissend Konterbande an Bord hatte: Rohdiamanten, die Michel jetzt dankend an sich nimmt.
Rivière begibt sich nach Free City, einem mückenverseuchten Kaff an der westafrikanischen Küste. Hier will er die Klunker verscheuern, um ein neues Leben anzufangen. Doch sein Kontaktmann wurde bereits abserviert. Nun hängt Michel fest im einzigen Hotel des Ortes. Das abgefuckte Etablissement leitet François Severin (Jean Servais), einst Rechtsanwalt in Paris. Der Schuppen ist nicht nur Heimat von Dreck und Spinnen, sondern auch etlicher europäischer Exilanten, die sich Abend für Abend in der Hotelbar die Kante geben.
Michel hat nicht viel Zeit, denn inzwischen haben die ursprünglichen Besitzer der Diamanten bereits Witterung aufgenommen. Sie schicken ihm den Deutschen Wolf Gerke (Curd Jürgens) auf den Hals, der die Steine wieder beitreiben soll: Entweder rückt Michel sie freiwillig gegen eine lächerliche „Provision“ von zwei Millionen Francs raus, oder man nimmt sie ihm mit Gewalt ab. Da besagte Auftraggeber aus den höchsten diplomatischen Kreisen stammen, hat Rivière keine Chance, zumal auf Betreiben Gerkes auch noch sein Pass eingezogen wird.
Doch auch der Deutsche war Kriegsteilnehmer und Jagdflieger, und so ist man sich eigentlich gar nicht so unsympathisch.

Zitate

Clubbesitzer (zu Michel): „Wir haben hier keinen Bedarf nach Leuten Ihres Schlages.“

Pepe (Manolo Montez): „Unser Chef hat eine gute Verdauung: In Frankreich hat er die Juden gefressen; hier frisst er die Neger.“

Manuella (Maria Félix): „Ich weiß nichts von dir.“ – Michel: „Da hast du nicht viel versäumt.“

Michel (zu Manuella): „Du bist ein Flittchen. Da lohnt sich der Kapitalaufwand nicht.“

Die Kritik des Gunslingers:

Yves Ciampi, ausgewiesener Linker und Pazifist, hat auch in diesem Streifen eine entsprechende Botschaft platziert, wenn auch ziemlich brachial. Dies geschieht vor allem in der Schlüsselszene, einer trunkenen Weihnachtsfeier in der Hotelbar. Rivière und Gerke besaufen sich zusammen und versichern sich gegenseitig ihrer Kriegsmüdigkeit, gepaart mit einem wenig Bedauern über die neue Zeit.
Beide haben es nicht geschafft, in der Nachkriegsgesellschaft Fuß zu fassen. „Verdienste“, im Krieg errungen, waren für den Einen in der französischen Zivilgesellschaft nichts mehr wert; der andere sollte für die deutsche Wiederbewaffnung neue Piloten schulen, wollte aber nicht wieder Uniform tragen. So bedauert man sich ein wenig selbst, durchlebt noch einmal seine Traumata und lässt sich dazu vom schmierigen Geschäftsmann Villeterre mit Hohn und Spott überschütten. Nach dem Motto: Deppen wie euch braucht man nur, um in irgendeinem Krieg wieder neue Waffen ausprobieren zu können. Letzteren spielt übrigens Gérard Oury, bekannt als Regisseur netter Komödien wie „Das Superhirn“ (1969) sowie etlicher Streifen mit Louis de Funès oder Pierre Richard.
Der Film entstand ausschließlich in Frankreich, da es in Afrika – Ciampi schwebte Liberia vor – keine Dreherlaubnis gab. So wich das Team in die Camargue aus. Dennoch sind auch die schwülen Außenaufnahmen atmosphärisch stimmig und glaubwürdig. Die Atmo erinnert ein wenig an die Abenteuerstreifen von Clouzot: Heruntergekommene, in ihrer Heimat gescheiterte Weiße hängen in einem hoffnungslosen, für sie lebensfeindlichen Ort der Welt ab und pflegen ihr Heimweh. Ein Entkommen ist aussichtslos: Entweder fehlen Perspektiven, Zaster oder beides.
Der von Montand und Jürgens angeführte Cast ist klasse: Gut gefallen hat mir vor allem Jean Servais. Sein François Severin war in Paris reicher Großbürger und als solcher vollgepackt mit Dünkeln und rassistischen Vorurteilen. Folgerichtig paktierte er mit den Nazis, bis er Frankreich Hals über Kopf verlassen musste. Nun führt er ein Rattenloch von Hotel, lebt mit Manuella zusammen, die ihn schon lange nicht mehr liebt und alles knattert, was attraktiv und nicht bei drei auf einem Baum ist. Ein allseits verachteter Drecksack. Ironie des Schicksals: Ausgerechnet ihn, den leidenschaftlichen Rassisten, hat es in ein Land verschlagen, in dem schwarze Menschen das Sagen haben.

Rating: $$$$

Splatter:

1/10

 

 

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