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Bug – Tödliche Brut

Info

OT: 
Bug

Jahr: USA 2006
R: William Friedkin
B: Tracy Letts
K: Michael Grady
M: Brian Tyler
D: Ashley Judd, Michael Shannon, Harry Connick Jr., Lynn Collins

Quelle: TV (Tele 5)

 

Inhalt

Agnes (Ashley Judd) kellnert in einer Bar, in einem kleinen Kaff in Oklahoma, dessen Lage mit „am Arsch der Welt“ noch sehr euphemistisch bezeichnet wäre. Hier haust sie in einem abgeranzten Motel, konsumiert Erfrischungen aller Art und hängt ab und an mit ihrer Lesbo-Freundin R.C. (Lynn Collins) ab.
Eines Tages nun lernt sie über R.C. den weirden Peter (Michael Shannon) kennen: keine Suchtperson wie sie selbst, aber beseelt von den abstrusesten Verschwörungstheorien. Als Peter ihr mit seiner ruhigen Art gegen ihren gewalttätigen Ex Jerry (Harry Connick Jr.) beisteht, der nach zwei Jahren aus dem Knast freigekommen ist, darf er bei ihr einziehen.
Peter nun gesteht Agnes, dass er ein gesuchter Army-Deserteur ist, getürmt, weil „sie“ grausliche medizinische Experimente an ihm vorgenommen hätten. Infolgedessen würden nun in seinem Körper Insekten leben, eine Art Blattläuse, die sich von seinem Blut ernähren und die Motel-Butze verseuchen. Zwar kann Agnes die Viecher nicht sehen, aber bald ist auch ihr Körper von seltsamen Malen bedeckt, die ihr Arzt allerdings lediglich als Hautirritationen diagnostiziert.
Doch Agnes ist inzwischen völlig überzeugt, dass Peter Recht hat mit seinen blutsaugenden Blattläusen. Sie bricht unter seinem Einfluss ihre ohnehin nur wenigen Kontakte zur Außenwelt ab und igelt sich mit ihm in der Motelsuite ein, um sich dem Kampf gegen die Insektenplage zu widmen.

Zitate

Agnes: „Du hast versucht, mich zu töten!“ – Jerry: „Das war ein bisschen heftig, ja.“

Peter: „Ich red‘ lieber nicht weiter. Das macht den Leuten Angst.“

Agnes: „Wir wissen, wo man die Eipakete findet und schneiden sie Peter raus.“ – Dr. Sweet (Brian F. O’Byrne): „Wenn Sie das noch lange machen, bleibt nicht mehr viel von ihm übrig. Weder für Sie, noch für mich.“

Die Kritik des Gunslingers:

Wie funktionieren eigentlich Verschwörungstheorien; wann sind wir dafür besonders empfänglich? Dieser Frage spürt William Friedkin („Der Exorzist“, „The Sorcerer“, "French Connection") in seinem weitgehend als Kammerspiel gehaltenen Streifen nach. Reicht es schon aus, dass die Fantastereien lediglich überzeugend vorgetragen und mit angeblichen Beweisen unterlegt werden? Nimmt man beispielsweise die besonders populäre Nummer von der vorgetäuschten Mondlandung, so sind die Beweise der Verschwörungstheoretiker gar nicht mal so unschlüssig – auf den ersten Blick.
Agnes befindet sich zudem in einer emotionalen Krise: einsam, immer noch am spurlosen Verschwinden ihres kleinen Sohnes vor 16 Jahren knabbernd. Noch dazu belästigt durch anonyme Telefonanrufe ohne dass sich jemand am anderen Ende der Leitung meldet. Peter trifft mit seiner Art auf fruchtbaren Boden: ruhig, offensichtlich tiefgründig und kritisch, mit dem Blick fürs Verborgene.
Sehr schön gelingt es dem Streifen, die Paranoia-Komponente einzuziehen: Zunehmend kommt Peter mit den abgedrehtesten Geschichten und Theorien übern Hof. Über geheime Regierungsorganisationen etwa, die ihn rund um die Uhr beobachten und jagen, weil er über die Experimente auspacken könnte. Das bringt er so unaufgeregt und oberflächlich vernünftig vor, dass man erst mit Zeitverzögerung über den immer abstruseren Inhalt seiner Ausführungen stolpert. Agnes, die die Schnauze voll hat von Leere und Einsamkeit, gibt es schnell auf, über Peters Verfolgungswahn zu lachen, um ihn nicht zu verlieren. Bald beginnt sie selber an die Geschichten zu glauben, entdeckt Indizien für deren Wahrheitsgehalt. Schließlich übertreffen sich die Beiden gegenseitig damit, die Verschwörungsfantasien auszuspinnen, in die bald das gesamte Umfeld verwickelt zu sein scheint.
Mit dem sich steigernden Wahn ändert die Motelwohnung auch allmählich ihr Äußeres: Es beginnt mit einer sich steigernden Anzahl von Fliegenfängern und diverser Insektensprays und endet in einer komplett mit Alufolie ausgeschlagenen Butze, um die Funksignale der Blutsauger zu stören. Klingt lächerlich, aber nach dem Besuch von Dr. Sweet in der Wohnung, habe ich mich zumindest dabei ertappt, das Ganze doch für nicht ganz so abwegig zu halten (wink). Zu dem inhaltlich interessanten Gedankenexperiment gesellen sich einige Härten wie die Extraktion eines Zahnes mithilfe einer Zange, um ein Läusenest zu zerstören. Und auch der fast zwangsläufig geschehende Mord ist nicht von Pappe.
Dem Streifen zugrunde liegt ein Theaterstück von Tracey Letts, der auch die Vorlage für Friedkins bisher letzten Film „Killer Joe“ beisteuerte.

Rating: $$$$+

Splatter:

5/10

 

 

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