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O Brother, where art thou? – Eine Mississippi-Odyssee

Info

OT: 
O Brother, where art thou?

Jahr: USA/GB/F 2000
R, B: Joel & Ethan Coen
K: Roger Deakins
M: T Bone Burnett
D: George Clooney, John Turturro, Ralph Blake Nelson, Chris Thomas

Quelle: TV (ServusTV)

 

Inhalt

Mississippi, Mitte der 1930er-Jahre. Rechtsanwalt Everett „Ulysses“ McGill (George Clooney) ist ein Halodri, der nichts anbrennen lässt. Nun haben ihm seine Sperenzien eine Ruhepause auf einer Arbeitsfarm eingebracht. Hier darf er in einer Chaingang beim Aufbau des Straßennetzes helfen. Das ist aber nichts für McGills Sohn. Also überredet er seine etwas unterbelichteten Mitgefangenen Pete (John Turturro) und Delmar (Ralph Blake Nelson) zur Flucht. Um ihnen die Entscheidung zu erleichtern, erzählt er ihnen von 1,2 Millionen Dollar aus einem Geldtransporterripp, die, sicher verbuddelt, nur darauf warten, endlich gehoben zu werden.
Den dreien gelingt es tatsächlich, aus der Chaingang auszukneifen, und eine fantastische Reise durch das ländliche Mississippi beginnt. Dabei hängt den Flüchtigen nicht nur die Polente im Nacken, sondern auch die Zeit: In vier Tagen soll ein Tal für ein Stauseeprojekt geflutet werden. Damit wäre der verscharrte Kies perdü, der natürlich ausgerechnet dort lagert. Unterwegs gabeln Ulysses und seine Gefährten den Blues-Musiker Tommie Johnson (Chris Thomas) auf, der gerade dem Teufel seine Seele verkauft hat, um perfekt Gitarre spielen zu können.
Da Tommie eh gerade unterwegs war zu einem kleinen Radiosender, um für etwas Kohle eine Platte aufzunehmen, schließen sich die drei Ausbrecher gleich an: Pennunzen kann man immer brauchen. Als „Soggy Bottom Boys“ spielen die Vier für zehn Piepen pro Nase eine traditionelle Country-Blues-Nummer ein. Und diese Scheibe wird über Nacht zum regionalen Radiohit. Nun ist auch die Plattenindustrie hinter den unbekannten Nobodies her, die schon wieder unterwegs sind ...

Zitate

Everett: „Pete, was willst du mit deinem Anteil machen?“ – „Ich gehe irgendwohin in den Westen und mach ‘n feines Restaurant auf. Da bin ich dann der Oberkellner und mache den reichen Leuten die Tür auf.“ (Ah, ja)

George Nelson (Michael Badalucco): „Kennt sich einer von euch Jungs zufällig mit ‘ner Walther PPK aus?“ – Delmar: „Tut mir leid, da kann ich Ihnen nicht weiterhelfen. Ich glaub‘ nicht, dass das in Mississippi liegt.“

Everett: „Mist! Ich habe meine Pomade im Auto vergessen.“ (… und das ist jetzt von den Bullen umstellt)

Pete: „Du hast mein Leben ruiniert!“ – Everett: „Ich hab‘ mich doch schon dafür entschuldigt, Pete.“

Gouverneur (Charles Durning) zu seinem Sohn Junior (Del Pentecoast):
Ich wird‘ DICH gleich reformieren, du Weichhirn!“

Du schlaffschultriger Mehlsack!“

Die Kritik des Gunslingers:

Die Coen-Brüder, vor denen wir im Staube rutschen, liebe Gemeinde, haben im Verlauf ihrer inzwischen über 30-jährigen Karriere nahezu jedem Genre einen Besuch abgestattet. Vom Road-Movie – noch dazu fast ohne Auto – über Depressions-Komödien à la „Papermoon“ bis hin zu Gangsterfilmen wie „Bonnie & Clyde“ führt die Reiseroute der Coens auch in diesem Streifen.
In gelbstichig-warmen, dann wieder fast ganz ausgewaschenen Bildern, unternehmen wir einen zum Teil und im engeren Sinne fantastischen Trip durch den ländlichen Süden. Nicht den „Grand old South“, sondern den Süden der kleinen Farmer und Tagelöhner, besungen in zahllosen Traditionals, geprägt durch Wirtschaftskrise, Rassismus und Armut. Der auf den Zuschauer jedoch fast schon idyllisch wirkt mit seinen goldfarbenen Feldern und romantischen Alleen. Ein Streifen wie ein Gospel, wenngleich der tatsächliche Score vor allem Country in seiner ursprünglichen, rauen Pre-Nashville- Form und Blues ist. Entsprechend spielen Religion und altgriechische Mythologie – die Fahrten des Odysseus – eine wichtige Rolle.
Ein praller, extrem atmosphärischer Bilderbogen sozusagen, in dem die Protagonisten einer kontinuierlichen Berg- und Talfahrt ausgesetzt sind. In kürzester Zeit sind sie reich, wieder arm und vice versa, amnestiert und unter dem Galgen. Sie begegnen durchgeknallt-depressiven Bankräubern wie George „Babyface“ Nelson, dem schurkigen Bibelverkäufer Daniel „Big Dan“ Teague (John Goodman) und drei Fluss-Sirenen, die sie für das Kopfgeld an den sie hartnäckigst verfolgenden sinistren Sheriff Cooley (Daniel van Bargen) ausliefern wollen. Das ist letztlich eine Anthologie, bei der die Reise der drei Ausbrecher die Stationen vorgibt. Am Ende laufen dann in Everetts Heimatort wieder alle Fäden zusammen.
Der Cast ist formidabel. Ob es nun die drei Protagonisten sind – alle drei haben ja nicht nur einmal mit den Coens zusammengearbeitet – oder die Randfiguren. Hier macht es Spaß auf großartige „alte“ Bekannte zu treffen wie John Goodman oder Michael Badalucco und Charles Durning, alle ebenfalls keine Unbekannten im Coen-Universum. Clooney ist spitze als eitler Kleinganove, selbst im größten Schlamassel auf den korrekten Sitz seiner Haarpracht bedacht: Dan-Dapper-Pomade und Haarnetz sind unverzichtbare Reisebegleiter. Diese Hinterlassenschaften sind es auch, die die Verfolger die Spur der Ausbrecher nie verlieren lassen. Dazu der sehr atmosphärische Score von „T Bone“ Burnett. Ein Streifen, bei sich auch nach oftmaligem Schauen immer noch Neues entdecken lässt.

Rating: $$$$$

Splatter:

2/10

 

 

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